Lückenfüller: Bald schließt sich der Bau der Berufsschule zu einem Quadrat. foto: habschied

Kehrtwende voller Hoffnung

Dachau - Vor nur sechs Wochen war es beschlossene Sache: die Pavillons an der Berufsschule. Doch gestern hat der Kreisausschuss eine Kehrtwende vollzogen. Mit einem Beschluss zum Ringschluss - und einer zündenden Idee gegen den Fachkräftemangel.

Eine Grundsatzentscheidung, nicht mehr und nicht weniger. Darum ging es laut Landrat Hansjörg Christmann in der gestrigen Sitzung des Schul- und Kreisausschusses. Nämlich: Soll der Landkreis etwa sieben Millionen Euro in einen Ringschluss der Berufsschule investieren - in einen soliden Bau, der das bislang dreiflügelige Gebäude der Berufsschule Dachau zu einem Quadrat schließt -, anstatt etwa eine Millionen Euro in Pavillons zu investieren, die nur eine Übergangslösung sind?

Eine Frage, deren Antwort Sachgebietsleiter Albert Herbst den Kreisräten mit zwei verlockenden Angeboten ziemlich einfach machte. Denn er packte auf die Bestandslösung noch zwei Zuckerl obendrauf. Erstens: zusätzlichen Raum für die Realschule Dachau. Die auch nach vorsichtigen Prognosen offenbar immer weiter wachsen und gedeihen wird. Und zweitens: Dort auch noch eine Berufsfachschule für Kinderpflege einrichten.

Denn die Staatliche Berufsschule Dachau habe sich zwar „grundsätzlich bewährt als kaufmännisches Kompetenzzentrum mit technischen Berufen“, erklärte der Sachgebietsleiter Albert Herbst in der Sitzung. Aber: „Die Bedeutung sozialer Berufe wird weiter zunehmen.“ Was man schon allein an der Situation der Kinderbetreuung in der Stadt Dachau sehen kann: Dort werden immer mehr Einrichtungen gebaut, da der Bedarf da ist - doch die Träger haben ständig mit dem Erziehermangel zu kämpfen (wir haben berichtet). Die zweijährige Berufsfachschule macht aus ihren Schülern zwar nur „pädagogische Ergänzungskräfte“ und keine Erzieherinnen, also „pädagogische Fachkräfte“, so Herbst. Aber, so schloss er lapidar: „Besser eine Kinderpflegerin als überhaupt keine Fachkraft.“

Die Idee, in Dachau eine Fachakademie für Erzieher einzurichten, hatte das Bündnis für Dachau im vergangenen Herbst - um der Personalknappheit entgegen wirken zu können. Und so hat das Landratsamt beim Kultusministerium angefragt, ob es denn möglich wäre, in Dachau eine Fachakademie für Sozialpädagogik (FAK) einzurichten. Und eine eindeutige Absage erhalten: Eine FAK sei nicht genehmigungsfähig, weil schon allein in München im laufenden Schuljahr über 60 Studienplätze nicht besetzt werden konnten. Das Problem des Erziehermangels ist also ein ganz grundlegendes: Es besteht nicht einmal genug Interesse an der dreijährigen Ausbildung.

Das ist bei der Berufsfachschule anders. 27 Schüler aus dem Landkreis Dachau verteilen sich derzeit auf fünf verschiedene Schulen, im Vorjahr waren es 20. Damit wäre die Mindestanzahl von 16 gedeckt, betonte Herbst. Hinzu kommt, dass die Nachbarlandkreise Fürstenfeldbruck und Pfaffenhofen auch keine solche Berufsfachschule haben. Und so sieht Herbst auch die Voraussetzungen des Kultusministeriums für eine Dachauer BFS erfüllt: Es besteht ein Mangel an Kinderpflegern, der Bedarf an Ausbildungsplätzen kann nicht ortsnah gedeckt werden - und andere BFS werden von der neuen Schule nicht in ihrer Existenz gefährdet. So gesehen, steht der Schule grundsätzlich nichts im Weg, wenn so Herbst, sich die Politiker einig sein sollten: „Wollen wir diesen Weg gehen? Trotz Mehrkosten? Ich bitte um ein Ja.“

Das gaben die Kreisräte nur liebend gerne. Und zwar einhellig. Durch alle Fraktionen hinweg wurden die Pläne des Landratsamts gelobt - trotz eines vorsichtigen Hinweises von Tobias Stephan (CSU), ob solch eine „Operation am offenen Herzen“ beim Ringschluss für die Schüler nicht eine ziemlich große Belastung sei. „Na, schön wird’s nicht“, entgegnete Kreisbaumeister Georg Meier ganz offen. „Es wird wohl eine Belastungsprobe. Aber: Wir müssen jetzt die Kehrtwende vollziehen.“ Und so drehte sich der Kreisausschuss um 180 Grad - gemeinsam, und: voller Hoffnung.

(np)

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