Warten noch immer auf einen Jugendtreff: Die Jugendlichen aus Hilgertshausen – hier auf der Zuhörerbank in der Gemeinderatssitzung im Rathaussaal. foto: ost

Kein Jugendtreff, dafür ein Jugendpfleger

Hilgertshausen - Macht es Sinn, einen Jugendpfleger zu beschäftigen, ohne dass man einen Raum für die Jugend hat? An dieser Frage scheiden sich im Hilgertshausener Gemeinderat die Geister.

Nach langer und heißer Diskussion hat sich das Gemeindeparlament schließlich mit 10:6 Stimmen dafür ausgesprochen, nicht zu warten bis es einen Jugendtreff in Hilgertshausen gibt, sondern schon so bald wie möglich in Zusammenarbeit mit dem Zweckverband „Kooperation Kinder- und Jugendarbeit“ einen professionellen Jugendpfleger zu beschäftigen.

Zunächst soll sich der Betreuer 15 Stunden pro Woche um die Kinder und Jugendlichen kümmern. Die auf der Zuhörerbank sitzenden Jugendlichen, die hinsichtlich eines Jugendtreffs erneut vertröstet wurden, haben damit zumindest einen Teilerfolg erzielt.

Wie viel ein Jugendpfleger der Gemeinde kosten wird, kann die Verwaltung noch nicht genau sagen. Es wurden Jahresbeträge von 28 000 Euro bis 30 000 Euro genannt. Im Rahmen der Diskussion zeigte sich erneut, dass mehrere Gemeinderäte sich vorstellen können, auch ohne Jugendpfleger die Bedürfnisse der Jugend befriedigen zu können. Bevor über Betreuung gesprochen wird, solle als erstes eine Unterkunft für die Jugend bereitstehen.

Mittlerweile hat sich der Bauausschuss mit den beiden Jugendreferenten, Isabel Kühnl und Hubert Oberhauser dem Architekten Rolf Lorenz (Büro Putke) um Möglichkeiten für einen Jugendtreff umgesehen. Sie waren sich einig, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt: Das alte Feuerwehrhaus, das derzeit noch als Getränkemarkt dient oder das Obergeschoß im neuen Feuerwehrgerätehaus. „Mir geht das Herz auf, wenn ich die Möglichkeiten für die Jugendlichen im alten Feuerwehrhaus sehe“, sagte Vize-Bürgermeister Adolf Doldi (CSU). Hier könnten die Jugendlichen in die notwendigen Umbauarbeiten eingebunden werden. „Die Jugendlichen sollten hier Verantwortung übernehmen, das fördert auch die Verbundenheit. Wir müssen nicht gleich mit einem Jugendbetreuer anfangen“, sagte Doldi.

Darauf gab die Jugendreferentin Isabel Kühnl gewaltig Konter: „Diese Diskussion finde ich total traurig“. Sie lässt auch den Hinweis von Nikolaus Glas (FWG Hilgertshausen) nicht gelten, auf die Gemeindefinanzen achten zu müssen. Glas sagte: „Es Sinn macht Sinn, erst mal ohne Jugendpfleger zu starten. Zudem dürfen wir den Stellenplan der Gemeinde nicht aus den Augen verlieren.“

Kühnl hielt aber entgegen, dass man die Jugendarbeit leichter finanzieren könne, als vor drei Jahren. Die Jugendlichen würden bereits seit vier Monaten auf ein positives Signal aus dem Gemeinderat warten. „In Tandern hat es sich doch gezeigt, dass es ohne Betreuer nicht funktioniert“, warf Kühnl ihrem Fraktionskollegen Gerhard Huber (BL Tandern) vor. Denn Huber erachtet es wie Glas für sinnvoll, erst für den Jugendtreff zu sorgen und im zweiten Schritt über die Form der Betreuung zu entscheiden. Dagegen hat sich aber Werner Kerzel (FWG Hilgertshausen) deutlich ausgesprochen: „Ich plädiere strikt für den Einsatz eines Jugendpflegers. In einem öffentlichen Raum wie einem Jugendtreff wäre sonst die Verantwortung beim Bürgermeister“.

Der wäre davon wenig begeistert: „Ohne Betreuung wird es wohl nicht gehen“, sagte Gemeindechef Hans Kornprobst. Gemeinderätin Christina Markert (FWG Hilgertshausen) forderte ein rasches Vorankommen bei der Ausgestaltung eines Jugendtreffs: „Das darf sich nicht ein Jahr dahinziehen, bis das Ganze Formen annimmt“.

Bis zur nächsten Sitzung erwarten die Gemeindreräte vom Architekten eine Kostenschätzung zu den beiden ins Auge gefassten Standorten. Jugendreferent Hubert Oberhauser sagte, die Betreuung der Jugend und die Schaffung des Jugendtreffs müsse parallel laufen, möglichst in Zusammenarbeit mit den Vereinen. Dass es in der Tat schon Problemfälle unter den Jugendlichen gibt, habe Isabel Kühnl erfahren: „Die Schule in Tandern schwimmt bereits. Es gibt jetzt schon krasse Fälle, bei denen die Lehrer nicht mehr weiterkommen und sich einen Jugendbetreuer wünschen“.

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