Faszination Kinder: Für Christa Spencer ist die Abbildung von Kindern auf der Grundlage alter Fotos Malthema Nr.1. don

Kinder ohne Ende bei Christa Spencer

Dachau - Kinder sind ihr Thema - nicht als Mutter, Oma oder Erzieherin. Christa Spencer widmet sich ihnen mit Pinsel und Farbe.

Dachau - In ihrem Atelier im Ludwig-Thoma-Haus stapeln sich die Bilder. In großen und kleinen Formaten bildet sie wieder und wieder Kinder ab, kleine und größere, Buben und Mädchen. Auch in Dachauer Tracht. Spencers Kinder sind einander zugewandt, wirken beschäftigt, sie spielen, scheinen glücklich zu sein. Das jedenfalls suggeriert die fröhliche Farbstellung.

Von den Vorlagen, den alten Schwarz-Weiß-Fotografien hauptsächlich aus den 1950er Jahren, hat sie nur die Sujets übernommen. Die Aufnahmen zeigen die Kinder in sauberer, einfacher Kleidung, der man manchmal ansehen kann, dass sie „übernommen“ wurde. Die kleinen Gesichter spiegeln teilweise große Ernsthaftigkeit wider. Man sieht auf den ersten Blick: Diese Kindheit war keine unbeschwerte, bestand nicht nur aus Spiel und Spaß.

Christa Spencer scheint sie nun zu entschädigen für ihre freudlose Kindheit: Sie rückt sie in eine bunte, heitere Umgebung. Spencers Kinder haben keine Mimik, denn die Malerin löst ihre Figuren auf, lässt sie aus dem Hintergrund auftauchen (oder darin verschwinden) wie eine Vision oder einen Traum. Diese Malweise fordert den Betrachter zur Auseinandersetzung mit dem Motiv heraus. „Das Thema wird mich noch eine Weile beschäftigen“, sagt Spencer.

Sie bleibt gerne an einem Thema dran. Nicht nur an diesem. Deshalb nimmt sie an zahlreichen Malseminaren teil - begleitend oder ergänzend zu ihrem Kunststudium an der Europäischen Kunstakademie in Trier, das sie heuer nach sechs Semestern abgeschlossen hat. Darauf ist die inzwischen 67-Jährige, die auch Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler München und Oberbayern ist, sehr stolz. Sie ist eine Spätberufene, jetzt aber zu 100 Prozent infiziert mit dem Kunstvirus. Zusammen mit acht Studienkollegen verschiedener Nationalitäten hat sie die Gruppe Unit 9 gegegründet und als diese nicht nur in der großen Ausstellung der Akademie in Trier sondern auch schon in Wuppertal ausgestellt. Und es geht weiter: Christa Spencer ist als Gastausstellerin bereits nach Island eingeladen. Dort bereitet eine von dort stammende Studienkollegin eine Ausstellung vor.

Christa Spencer nimmt für die Fortbildung weite Wege auf sich. In Thüringen hat sie zuletzt an einer Sommerakademie teilgenommen - und auch dort Kinder gemalt. In der finalen Kunstausstellung hat sie damit sogar junges Publikum „erreicht“. Die Kinder, die sich die Abbildung von drei Mädels ansahen, waren ganz angetan und absolut der Meinung: „Die sehen aus wie Engel.“ Flügel haben die drei Grazien auf dem Gemälde keine, aber die Leinwandkinder sind wohl ohne Zweifel deutlich braver als ihre lebenden Vorgänger... In der Langen Nacht der offenen Türen steht auch die Tür zum Atelier von Christa Spencer (im Ludwig-Thoma-Haus) von 19 bis 24 Uhr offen. (don)

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