+
Das Kloster Altomünster soll aufgelöst werden: Jetzt meldet sich Schwester Apollonia zu Wort

Kloster Altomünster

Schwester Apollonia wirft Josef Mederer Kampagne vor

Altomünster - Schwester Apollonia Buchinger meldet zum ersten Mal zu Wort, seit bekannt wurde, dass der Vatikan das Kloster Altomünster auflösen wird. Und sie tut es mit einem kleinen Paukenschlag.

Am Samstagvormittag hat Schwester Apollonia Buchinger den Brief an Bezirkstagspräsident Josef Mederer per E-Mail geschickt. Sie erhebt darin schwere Vorwürfe gegen den Altomünsterer, der das Kloster in einer Fördergemeinschaft unterstützt: Eine Schmutzkampagne habe er angezettelt, er habe sich zum Gegner des Klosters entwickelt. Sie erkannte ihm den Titel „Frater ab extra“ ab. Mederer widerspricht deutlich – und findet es „schade, wie sich die Dinge entwickeln“.

Ende November hatte der Vatikan bekannt gegeben, dass er das Kloster Altomünster auflösen will (wir berichteten). Nur noch eine Nonne lebt dort: Priorin Schwester Apollonia Buchinger. Das widerspreche dem klösterlichen Leben in einer Gemeinschaft.

Mederer kann die Entscheidung des Vatikans nachvollziehen – und das tat er auch auf Nachfrage kund. Nun macht ihm Schwester Apollonia in einem Brief, den sie auch den Dachauer Nachrichten zukommen ließ, schwere Vorwürfe. „Sehr geehrter Herr Frater ab extra, lieber Josef Mederer“, beginnt sie. „Mit großem Bedauern habe ich in den letzten Tagen vieles von Ihnen in der Zeitung lesen müssen, was meine Laune nicht unbedingt hat gut werden lassen. Leider gibt es konkrete Hinweise, dass die schmutzige Diskussion in der Presse von Ihnen ausgegangen ist. Den Sinn hinter dieser Kampagne kann ich nicht sehen.“

Mederer weist diese Vorwürfe von sich. „Ich muss deutlichst widersprechen, das entspricht nicht den Tatsachen“, sagte er gestern. Er habe nichts an die Presse gegeben. Er antwortete Schwester Apollonia: „Bitte nennen Sie mir, liebe Ehrwürdige Schwester, die von Ihnen genannten ,konkreten Hinweise‘, um die Angelegenheit aufzuklären.“ Er sei lediglich gefragt worden, „und ich darf auch eine Meinung haben“, sagt MedererDiese ist: Er sei immer skeptisch gewesen ob des eigenmächtigen Vorgehens von Verwaltungsdirektor Jörg Fehlner, seit 1. Juni im Amt. Der hatte Umbauten im Kloster in Auftrag gegeben, die vom Landesamt für Denkmalpflege nicht abgestimmt wurden. Schließlich verhängte das Landratsamt einen Baustopp (wir berichteten). „Und ich habe mich leider Gottes in meiner Meinung bestätigt gefühlt“, so Mederer. Fehlner weist diese Vorwürfe zurück. Von einem eigenmächtigen Umbau könne keine Rede sein.

Schwester Apollonia sagt, sie sei „menschlich mehr als enttäuscht“ von Mederer, der zum Beraterkreis Fratres et Sorores ab extra (Brüder und Schwestern von außen) gehörte. „Ich habe gesehen, dass er sich auf die andere Seite schlägt“, sagte die Schwester gestern. Deshalb habe sie sichentschieden, den „kleinen Paukenschlag“ zu tun. Im Brief an Mederer schreibt sie: „Ich war der Meinung, dass Sie sich um unser Kloster verdient gemacht haben. Deswegen habe ich Ihnen diesen Titel verliehen. Doch jetzt nehme ich ein massiv gestörtes Vertrauensverhältnis wahr“, gerade in der Stunde, in der sie jede Hilfe und Unterstützung brauche.

Sie habe festgestellt, so Schwester Apollonia, dass sich Mederer „eher zum Gegner unseres Hauses entwickelt“ habe. „Das ist bedauerlich und schmerzt mich persönlich sehr“, schreibt sie. „Ich sehe deswegen keine andere Wahl, als Ihnen den Titel Frater ab extra abzuerkennen.“

Die Nachricht hatte sich unter den Fratres et Sorores ab extra noch nicht herumgesprochen. Altbürgermeister Konrad Wagner fand die Reaktion von Schwester Apollonia schade, wollte sie gestern aber nicht näher bewerten. Sie sei wohl sehr betroffen gewesen von der gesamten Entwicklung, so Wagner.

„Frater“ Prof. Dr. Wilhelm Liebhart glaubt, dass für Schwester Apollonia Buchinger „eine Welt zusammengebrochen“ sein muss und dass ihre Reaktion eigentlich auf einem Irrtum beruhe. Die Kritik, die Josef Mederer geäußert habe, sei nie gegen das Kloster gerichtet gewesen, sondern einzig auf die Politik, die Apollonias Generalbevollmächtigter Jörg Fehlner betrieben habe. Bezirkstagspräsident Josef Mederer habe lediglich klar ausgedrückt, dass es so nicht weitergehen könne. Ansonsten sei Mederer ein klarer Befürworter des Klosters, betont Liebhart.

Mederer nimmt zur Kenntnis, dass ihm Schwester Apollonia die Bezeichnung „Frater ab extra“ aberkennt, ohne dies zu bewerten. Es tue ihm allerdings leid, wie sich alles entwickelt. Er hofft auf eine Rückmeldung der Schwester, auf ein persönliches Gespräch, „um Ruhe reinzubringen“ – und um die Zukunft des Klosters in Altomünster zu gestalten, „das auch mir sehr am Herzen liegt“.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Der Bräu von Vierkirchen ist tot
Vierkirchen - Er wird als letzter Bräu von Vierkirchen in die Geschichte der Gemeinde eingehen. Josef Mayr ist im Alter von 92 Jahren gestorben.
Der Bräu von Vierkirchen ist tot
Skifahrer aus Dachau tödlich verunglückt
Dachau - Ein 67-jähriger Skifahrer aus Dachau ist gestern gegen 10.30 Uhr am Brauneck bei Lenggries tödlich verunglückt.
Skifahrer aus Dachau tödlich verunglückt
Anregungen für den Haushalt 2017
Indersdorf -  In einem Monat entscheidet der Indersdorfer Gemeinderat über den Haushalt 2017. Kurz vor der Vorberatung am Montagabend reichten die Umweltdenker noch zwei …
Anregungen für den Haushalt 2017
Doch keine Lösung für Altstadtläden?
Dachau - Es sieht nicht gut aus für die Fortführung der beiden Franziskuswerkläden in Dachau.
Doch keine Lösung für Altstadtläden?

Kommentare