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Nur knapp am Oscar vorbei

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Altomünster - Wer an die Oscars denkt, hat sicher Hollywood, berühmte Stars und den roten Teppich vor Augen. An eines denkt sicher keiner: den kleinen Weiler Pfaffenhofen bei Altomünster. Doch von dort kommt Max Stöhr. Und der hat maßgeblich an einem Kurzfilm mitgearbeitet, der für einen Oscar nominiert war.

Sie waren gerüstet. Für den ganz großen Moment, der meist nur einmal im ganzen Leben auf einen wartet. Es war ihre Nacht, denn als es gestern Morgen gegen zwei Uhr hieß: „And the Oscar goes to...“ hätte es gut sein können, dass es ihr animierter Kurzfilm ist, der gleich mit dem wichtigsten Preis der Filmwelt ausgezeichnet wird.

Acht Monate hat das Team von Studio Soi zusammen an „Der Grüffelo“ gearbeitet. Und der, der als erster mit einem Kollegen an den Animationen für den Film getüftelt hat, war Max Stöhr aus Pfaffenhofen. Sechs Minuten von dem 27-minütigen Film sind sein eigenes Werk.

Gestern war der 28-jährige Pfaffenhofener zwar nicht in Los Angeles auf dem roten Teppich mit dabei, aber er und drei Kollegen verfolgten die Nominierung zusammen vor dem Fernseher in Berlin. Der Rest der Truppe saß in Ludwigshafen gebannt vor dem Bildschirm. „Das war schon eine wahnsinns Stimmung, die Verleihung der Oscars mit Freunden zu verfolgen und zusammen die Chance auf den großen Preis zu haben.“

Max Stöhr, der mittlerweile in Berlin wohnt, hat seine Bude für die Oscarfeier zu Verfügung gestellt. Die Jungs sind gerüstet für den Abend ihres Lebens. Mit einer Magnum Flasche Sekt fiebern sie in der Kategorie animierter Kurzfilm den alles entscheidenden Worten entgegen: „And the Oscar goes to..“ Das ist der Moment, als Max und seine Freunde weiche Knie, feuchte Hände und Herzklopfen bekommen. Doch die Moderatoren sagen leider nicht „The Gruffolo“ - sie sagen: „The lost Thing“. Jetzt hängen erst einmal die Kinnladen unten. „Aber wirklich nicht, weil wir enttäuscht waren, dass wir nicht gewonnen haben“, betont Max Stöhr. „Wir hätten es anderen Filmen nur mehr gegönnt. Mit dem Ergebnis hätte keiner von uns gerechnet.“ Aber die jungen Filmemacher erleben trotzdem ihren persönlichen Höhepunkt: Als ihre Regisseure Jakob Schuh und Max Lang über den roten Teppich laufen und Grüße an die Jungs in der Heimat schicken.

Mit der eigenen Oscar-Nominierung hätte bei den Filmarbeiten keiner gerechnet. „Das ist einfach der absolute Wahnsinn“, erzählt Stöhr. „Wenn man mit etwas, was man liebt, Erfolg hat.“ Darauf kann er stolz sein. Denn Max Stöhr wusste schon immer, dass er mal etwas Kreatives machen will. Um sich verwirklichen zu können, hat er sich immer weiter von seinem Heimatnest entfernt. Zuerst ging er nach Aichach aufs Gymnasium, wechselte nach Dachau für den Kunstleitungskurs. Doch dann zog es ihn in die Ferne, in die große Stadt: Studiert hat Stöhr in Berlin an einer Film-Hochschule.

Schon damals war klar: Max Stöhr ist wirklich gut in dem was er tut. Denn seine Bewerbungmappe überzeugte neben vielen anderen Konkurrenten. Jetzt produziert er Werbespots in Spanien oder lebt und arbeitet immer wieder mal in London. „Aber das Tollste ist, wenn ich etwas eigenes schaffen kann“, beschreibt Max Stöhr seine Arbeit. Das tut er immer dann, wenn er den animierten Figuren auf dem Bildschirm Leben einhaucht. „Wenn mir ein Kunde sagt, mach, dass die Figur wütend wird, dann gibt es dafür ja tausende Möglichleiten“. Der junge Filmemacher will die Figuren durch seine Hand schauspielern lassen. Und damit sie dass möglichst gut und realistisch tun, schöpft Max Stöhr aus seiner eigenen Lebenserfahrung. „Wie schaut ein Freund, wenn er glücklich ist, wie das erschrockene Mädchen auf der Straße.“ Manchmal nimmt er auch bestimmte Ausbrüche von Emotionen bei sich selbst mit der Kamera auf und versucht, sie authentisch auf die Leinwand zu übertragen.

Dafür hat er offensichtlich ein besonderes Gespür. Denn im Moment arbeitet er schon am zweiten Teil von „Der Grüffelo“. Die Verfilmung des bekannten gleichnamigen Kinderbuch von Julia Donaldson wird erstmals Ende des Jahres in Großbritannien bei der BBC ausgestrahlt. Der erste Teil war im ZDF vergangenen Winter zu sehen.

Und vielleicht hat ja der zweite Teil des Grüffelos noch mehr Chancen auf den Oscar als sein Vorgänger. So, dass man bei den Oscars nicht nur an Hollywood denkt, sondern irgendwann auch an Pfaffenhofen und Max Stöhr.

Christiane Breitenberger

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