Matthias Schilcher will die Wirtshauskultur wieder aufleben lassen.

Neuer Pächter

Ein Kochwirt ohne Schnickschnack

Dachau - Der Kochwirt hat einen neuen Pächter: Matthias Schilcher. Er will eine einfache bayerische Wirtschaft. Ganz ohne Schnickschnack.

Zehn Minuten genügten Matthias Schilcher, um den Stadtrat für sich zu gewinnen. Zehn Minuten, in denen er mit einem unbekümmerten Auftritt sein Konzept als Wirt für den Kochwirt präsentierte. „Ich hab mir keine großen Hoffnungen gemacht und bin ungezwungen aufgetreten“, sagt der 35-jährige Indersdorfer. Das hat die Stadtoberen offensichtlich überzeugt: Sie bestimmten Matthias Schilcher etwas überraschend zum neuen Pächter für die Traditionswirtschaft in der Dachauer Altstadt.

Dabei ist ein traditionelles bayerisches Wirtshaus für Schilcher erst einmal Neuland. Seit sechs Jahren betreibt der gelernte Schreiner die Roxibar in der Altstadt. Derzeit arbeitet er an der Eröffnung seines ersten Esslokals (wir berichteten): Unter dem Namen Hi-Five will Schilcher das ehemalige Niagara am Dachauer Kino wiederbeleben. Dort geht es amerikanisch zu: Burger und Hot Dogs stehen auf der Speisekarte. Die Eröffnung ist für den 26. Februar geplant.

Und jetzt noch eine zweite Baustelle? „Manchmal muss man es nehmen, wie es kommt“, sagt Schilcher über die Chance, die sich ihm mit dem Kochwirt bot und die er jetzt nutzen darf. Er hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt, eine traditionelle bayerische Wirtschaft zu übernehmen. In das Rennen um den Kochwirt ist er aber erst im Dezember eingestiegen.

„Wir hatten ihn zuerst nicht auf dem Radar“, gibt Stadtkämmerer Thomas Ernst zu. Ein Discobetreiber ist schließlich nicht der erste Ansprechpartner, wenn ein Traditionswirtshaus neu besetzt wird. Doch auf der Suche nach Lösungen fiel auf einmal Schilchers Name - und „dann haben wir uns zusammengesetzt“, so Ernst. Und dann wusste Schilcher offenbar mit seinem Konzept zu überzeugen. Denn es gab „mehrere gute Bewerber“, wie Ernst betont.

Schilcher plant „eine einfache bayerische Wirtschaft ohne viel Schnickschnack“. Die Küche soll „traditionell, bodenständig und ehrlich“ sein. Als Koch ist Daniel Michalke mit im Boot, der schon im Hi- Five die Geschäftsführung übernommen hat. Der 35-Jährige hat sein Handwerk im Landkreis beim Gasthof Brummer gelernt und war bisher unter anderem als Küchenchef im Münchner Bachmeier Hofbräu aktiv.

Ganz nebenbei will Schilcher auch die Wirtshauskultur wiederbeleben: „Es soll nicht nur ein Ort zum Essen sein“, sagt Schilcher. „Diskutieren, Stammtisch, Kartenspielen, dafür steht der Kochwirt. Und das soll auch so bleiben.“ Er will weiterhin mittags und abends öffnen. Ab wann in der seit dem Jahreswechsel leerstehende Wirtschaft wieder Gäste bedient werden, steht noch nicht fest. „Frühestens im April, aber wahrscheinlich eher im Mai“, sagt Schilcher. Er will zuerst seine Burger-Bar am Kino eröffnen. „Eins nach dem anderen.“

Die Stadträte erhoffen sich von der Lösung „Schilcher“ vor allem eines: Mehr junges Publikum. „Er vermittelte die Hoffnung, dass sich auch wieder mehr junge Leute in den Kochwirt verirren“, sagt Edgar Forster (FW). „Seine Herangehensweise hat einfach überzeugt“, findet Christa Keimerl (SPD). Das sieht auch Christian Stangl (CSU) so: „Er hatte von allen Bewerbern die klarste Vorstellung, was er machen will und was nicht.“ Horst Ullmann (Bürger für Dachau) wünscht sich vom neuen Pächter vor allem, „dass der Kochwirt bleibt wie er ist. Es war immer schön da oben.“

Die nichtöffentliche Abstimmung für Schilcher sei nicht einstimmig gewesen, heißt es aus dem Stadtrat, aber der Indersdorfer konnte eine große Mehrheit finden. Jetzt gilt es für Matthias Schilcher, das Vertrauen zu bestätigen. Dafür wird es etwas mehr Zeit als zehn Minuten bedürfen. Aber eine gewisse Unbekümmertheit kann sicher auch weiterhin nicht schaden.

(Dominik Göttler)

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