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Optimale Lage für eine Kita: Auf dem Aurelis-Grundstück am Bahnhof, auf dem sich jetzt Park, Parkplatz und die Fahrradständer befinden, sollte die Kita entstehen. Doch daraus wird vorerst nichts.

Zu kompliziert, zu viele Widerstände

Die Kita am Bahnhof ist gestorben

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Dachau - Es war so eine charmante Idee: eine große Kita, mitten in Dachau, direkt am Bahnhof. Doch daraus wird nun erstmal nichts. Der Träger ist enttäuscht – hofft aber, dass es jetzt woanders klappt.

Noch steht es in freudig großen Lettern auf der Internetseite des Trägers: „Die Denk mit! Zwerge ab Herbst auch in Dachau“. Mit vier Krippengruppen und zwei Kindergartengruppen, in einem „attraktiv gestalteten Neubau“ mit „großzügige Raumkonzept“, „hochwertiger Ausstattung“ und „großem, eingewachsenen Garten“ – und für Eltern gibt es dort noch einen direkten Link zum Anmeldeformular. Doch daraus wird nun nichts mehr. Der Träger muss die Ankündigung von der Seite runternehmen: „Leider hat der Eigentümer das Projekt auf Eis gelegt“, sagt Karin Bader, Geschäftsführerin von „Denk mit!“. 

Zu viele „Widerstände“ habe es gegeben, „zu kompliziert“ sei das Projekt für den Bauherrn geworden. Doch „Denk mit!“ hat eine Alternative in petto: die geplpraunante Kita am Klinikum. Auf die setzt der Träger nun alle Hoffnungen. Die Eltern, die sich für die Kita am Bahnhof angemeldet hatten, wissen bereits Bescheid, dass sie nun vermutlich am Klinikum unterkommen – und mit den Anmeldungen wäre diese Kita auch schon voll. 

Doch: Es gibt auch dort große Hürden. Der Vorbescheid auf Umnutzung wurde soeben zurückgeschickt (siehe Kasten) – mit der Aufgabe, sich zu einigen und neue Überlegungen zu machen. „Eine Überraschung“ betitelt Karin Bader diese Entscheidung: „Wir sind ein bisschen unschlüssig, warum er nicht genehmigt wurde.“ Aus ihrer Sicht seien alle Fragen geklärt, auch das Wegerecht. Doch in diesem Fall sieht Bader noch bessere Chancen: „Wir haben so viel Unterstützung, von allen Seiten, vom Eigentümer und vom Helios Klinikum“, berichtet Bader.  Die Stadt erwähnt sie dabei nicht. Doch Eigentümer und Klinik redeten ihr immer wieder gut zu: „Bleib dran!“ 

Normalerweise, so Bader, sei die Sache umgekehrt: Da stehe die Gemeinde hinter dem Träger, und versuche alles, Eigentümer und Bauherr bei der Stange zu halten. Die Diplom-Sozialpädagogin Bader kennt sich aus: Ihr Träger betreut mittlerweile 30 Kitas, darunter eine in Bergkirchen und bald eine in Schwabhausen. Von diesen Standorten schwärmt die Geschäftsführerin: Bergkirchen sie „super unkompliziert und unglaublich schnell“, und Schwabhausen sei „mehr als vorbildlich“. 

Warum also ist es in Dachau so kompliziert? „Ja, warum hat das wieder nicht geklappt, das ist die Frage“, sagt Wolfgang Moll, mittlerweile parteiloser Stadtrat und Planer der beiden Kita-Standorte. „Sehr schade“ findet er das. Am Bahnhof gab es eine „Erschließungsproblematik“, erklärt Moll, „baurechtlich konnte man keinen Nenner finden“. Aufgrund dieser Hürden stelle der Bauherr das Projekt zurück. Deutlicher wird Moll nicht. Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) berichtet auch von der Problematik der Erschließung des Gebäudes am Bahnhof. Der Verkehrsausschuss habe letztes Jahr entschieden, dass der Bereich – nicht nur eine Kita sollte dort hin, sondern auch Wohnungen und mehr – nicht über den Bahnhofsvorplatz erschlossen werden soll, sondern über das Postareal. „Seitdem habe ich nichts mehr gehört davon.“ Auch nichts davon, dass der Eigentümer nun doch nicht bauen will. Zu der Kita an der Klinik sagt Hartmann: „Ich kann mir vorstellen, dass es dort eine Lösung gibt.“ Grundsätzlich sehe er Kitas von privaten Trägern „nicht negativ“ – aber er sehe auch die Verantwortung der Stadt, Kitas „zu angemessenen Preisen“ zu bieten. In städtischen Kindergärten in Dachau liegt die Gebühr für vier Stunde pro Tag bei 78 Euro pro Monat, „Denk mit!“ hat dafür auf der Internetseite 140 Euro an Gebühr angegeben. 

Trotzdem, sagt Moll, hat solch ein privater Träger seine Vorteile: Er ist flexibler bei den Öffnungszeiten, was gerade für berufstätige Pendler praktisch sei. „Das war ja der Charme des Ganzen“, schwärmt Moll. „Das war alles durchdacht.“ Und auch Karin Bader seufzt: „Der Platz wäre perfekt gewesen, und für die Eltern genial.“ Moll fügt hinzu: „Ich will nur hoffen, dass das Projekt aufgeschoben und nicht aufgehoben ist.“ 

Doch für die Kita am Klinikum sieht auch Moll noch gute Chancen: „Hier bin ich zuversichtlich“, betont er. „Das ist eine ganz andere Konstellation.“ Bader berichtet, dass es Anfang März ein klärendes Treffen mit allen Beteiligten geben soll. Und schließt optimistisch: „Die Hoffnung stirbt zuletzt."

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