Kreisgeschäftsführerin Stefanie Otterbein erklärt, wie der VdK sozial schwachen Bürgern hilft

„Viele sind oft überfordert“

Dachau – Als „Lobby für die sozial Schwächeren“ bezeichnet sich der VdK Dachau. Menschen mit Behinderung, chronisch Kranke, Pflegebedürftige oder Arbeitslose haben es oft schwer in der Gesellschaft. Der VdK kann dabei helfen. Kreisgeschäftsführerin Stefanie Otterbein spricht über den Paragrafen-Dschungel, die Sozialgesetzgebung und Überforderung.

-Warum sind immer mehr Mitglieder auf Ihre Beratung angewiesen? Der Abbau des Sozialstaates und die soziale Spaltung in unserer Gesellschaft sind für alle erkennbar. Immer mehr Menschen geraten unverschuldet an den Rand der Gesellschaft und müssen am Existenzminimum leben. Es trifft nicht mehr nur einige, sondern immer mehr Menschen – auch im „reichen“ Bayern und dem Landkreis Dachau. 

-Seit dem Jahr 2000 haben Sie 70 Prozent mehr VdK-Mitglieder. Wie beurteilen Sie den Zuwachs? Zur Zeit haben wir über 5900 Mitglieder. Unseren enormen Zuwachs sehen wir als Zeichen für die Bedeutung unserer Arbeit. Es zeigt aber auch, dass immer mehr Menschen unter den Folgen der Sozialgesetzgebung leiden und Hilfe im Paragraphen-Dschungel benötigen. 

-Welche Hilfe brauchen die Menschen, die auf Sie zukommen? Die meisten brauchen unseren Rechtsbeistand. Wir beraten in allen sozialrechtlichen Angelegenheiten. Schwerpunkte sind zwar das Schwerbehinderten- und Rentenrecht. Aber erhöhter Bedarf besteht auch im Bereich Pflegeversicherung, Sozialhilfe und Arbeitslosengeld II. Unsere Experten vertreten unsere Mitglieder vor den Gerichten hochprofessionell und bis zur letzten Instanz. Oft geht es aber gar nicht so um den rechtlichen Beistand, sondern auch einfach nur darum, ein offenes Ohr zu haben.

-Wer kann zu Ihnen kommen? Zu uns kann grundsätzlich jeder kommen. Unsere rechtliche Beratung können aber nur unsere Mitglieder (monatlicher Beitrag sechs Euro) nutzen. Außerdem haben wir für Nichtmitglieder seit einiger Zeit eine zusätzliche Beraterin. Sie vermittelt Kontakte zu Selbsthilfegruppen und anderen Anlaufstellen für Bürger, die Probleme mit der Alltagsbewältigung haben. Außerdem organisieren wir in unseren 15 Gemeinden Besuchsdienste und Veranstaltungen gegen Vereinsamung im Alter. 

-Meist können Pflegebedürftige ihren Alltag nicht mehr selbst meistern. Können Sie in diesem Bereich weiterhelfen? Auf jeden Fall: Pflegebedürftige und ihre Angehörigen fühlen sich oft überfordert und suchen nach Informationen – da können wir Tipps geben. Wir hoffen auch, dass das Landratsamt den geplanten Pflegestützpunkt im Landkreis einrichtet. Außerdem wollen wir in Zukunft Pflegestammtische organisieren, bei denen sich Betroffene austauschen und mit Experten ins Gespräch kommen können. 

-Bundesweit setzt sich der VdK für Barrierefreiheit ein. Ist dieses Thema auch im Landkreis präsent? Die Barrierefreiheit ist auch im Landkreis ein sehr großes Problem. Wohnungen, öffentliche Gebäude und Verkehrsmittel müssen endlich so gestaltet werden, dass sie für alle zugänglich sind. Wir gehen mit gutem Beispiel voran. Im Sommer ziehen wir um: Das neue Büro in der Bruckerstraße wird für alle leicht zugänglich und komplett barrierefrei sein. 

-Gab es im vergangenen Jahr Momente, in denen Sie sich freuten, dass Sie jemandem weiterhelfen konnten? Menschen zu helfen ist für mich immer eine sehr schöne Arbeit. Doch wir erfahren selten, wenn wir jemandem wirklich helfen konnten. Aber wenn ich tatsächlich eine Mandantin auf der Straße treffe, die mich anspricht, weil sie durch meine Beratung wieder Mut schöpfen konnte, dann ist das ein besonderes Erlebnis, was mir selbst auch wieder Kraft für meine tägliche Arbeit gibt. 

Das Gespräch führte Anna Schwarz.

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