Karin Bader verspricht, dass sich erstmal nicht viel ändert.

Behutsame Übernahme

Neuer Träger für Kitas in Schwabhausen

Schwabhausen - Die Erzieherinnen sollen übernommen werden, wenn sie wollen. Am Konzept wird erstmal nicht viel geändert. Der neue Träger der gemeindlichen Kindertagesstätten in Schwabhausen will bei der Übergabe behutsam vorgehen.

Der Vertrag zwischen der Gemeinde Schwabhausen und dem neuen Träger seiner Kindertagesstätten ist in trockenen Tüchern. Jetzt geht es darum, ob die Eltern künftig höhere Gebühren zahlen müssen, welche Erzieherinnen und Leiterinnen nach dem Trägerwechsel vom BRK hin zu „Denk mit!“ übernommen werden. Und natürlich um die Frage, inwieweit sich die Konzepte unterscheiden.

„Wir halten die derzeitigen Elternbeiträge“, verspricht Karin Bader. Die Geschäftsführerin und Gründerin von „Denk mit!“ war in den vergangenen Tagen zu vielen Gesprächen in Schwabhausen, tauschte sich mit Bürgermeister Josef Baumgartner ebenso aus wie mit Elternvertretern, den Angestellten in den Kindertagesstätten und sogar der Grundschulleitung. Am Montagabend stand Karin Bader zudem den Eltern bei einem großen Informationsabend Rede und Antwort. Rund 100 Eltern kamen und erfuhren unter anderem, „dass wir jetzt sofort in die Platzvergabe gehen“, wie Bader sagt.

Allerdings werde man bis zum Trägerwechsel im kommenden Herbst „die Häuser nicht betreten“. Aus Respekt vor dem Bayerischen Roten Kreuz, versichert Karin Bader. In der Frage der Übernahme des Krippen-, Kindergarten- bzw. Hort-Personals habe man im Übrigen eine klare Linie: „Wir sind so verblieben, dass wir das Personal sehr gerne weiterbeschäftigen würden“, so Bader. „Allerdings müssen sie sich bei uns melden, weil wir grundsätzlich niemand vom BRK abwerben wollen“, betont Bader. In Einzelgesprächen hoffe man, sich jeweils schon zu einigen. Denn Karin Bader glaubt, dass „Denk mit!“ von der Bezahlung her nah beim bisherigen Betreiber liegt: „Auch das BRK zahlt schließlich nach Tarif. Und wir haben alle die gleichen Betriebskosten, Zuschüsse usw.“

BRK-Kreisgeschäftsführer Paul Polyfka kann diese Ansicht nicht unbedingt teilen. Er betont zwar, es sei nicht auf den neuen Träger bezogen („die Arbeit von Denk mit kann ich nicht beurteilen“), wenn er davon spricht, dass qualitativ hochwertige Kinderbetreuung halt ihren Preis habe. Über diesen könnten die Gemeinden eben entscheiden, „ob sie qualitativ hochwertige Betreuung haben wollen, oder eine Kinderaufbewahrungsstätte mit Discountpädagogik“. Wie gesagt, das wolle er aber nicht auf den neuen Kita-Träger bezogen wissen. Immerhin „haben wir, auch in Schwabhausen, Mitarbeiter, die von Denk mit zu uns gewechselt sind. Und die fragen jetzt schon: Was soll das denn?“

Angesprochen auf das von der Gemeinde kritisierte hohe Defizit, sagt Polyfka: „Die Kosten sind überall gleich. Aber es ist natürlich schon klar, dass eine langjährige Mitarbeiterin deutlich mehr kostet, als eine vielleicht 23-jährige Einsteigerin. Und wir haben in Schwabhausen viele Langjährige. Eine Erzieherin ist zum Beispiel schon seit Bestehen der Tschu-Tschu-Bahn dabei.“

Gerade im Kindergarten an der Agricolastraße sind indes einige Eltern auf den aktuellen Träger BRK nicht gut zu sprechen. In einem Elternbrief hatte dieser mitgeteilt, dass aufgrund von Personalmangels in diesem Betreuungsjahr keine Veranstaltungen außerhalb der normalen Buchungszeiten stattfinden könnten – außer wenn von den Eltern organisiert. „Es gab keinen Laternenumzug zu Sankt Martin, keinen einzigen Elternabend, und es sind auch keine Elterngespräche mit den Erzieherinnen möglich – alles mit dem Hinweis auf fehlendes Personal“, klagt eine Mutter, die nicht genannt werden will.

Entsprechende Elternbeschwerden sind auch bis zu Bürgermeister Josef Baumgartner gedrungen: „Die Eltern sind teilweise sehr unzufrieden“, sagt der Gemeindechef. „In der Krippe ist zum Beispiel eine Gruppe auf zwei andere verteilt worden, ein ganzes Stockwerk wurde dicht gemacht. Man hat fast den Eindruck, das BRK will das Ganze an die Wand fahren, ich verstehe das überhaupt nicht.“

Auch das neue Angebot – insgesamt hatten sich nach der Kündigung des BRK im August sieben Träger beworben – sei nicht überzeugend gewesen. Es habe sich der Eindruck aufgedrängt, dass das BRK den Zuschlag gar nicht wollte, so Baumgartner. Dem widerspricht Paul Polyfka: „Wir haben ein realistisches Angebot abgegeben.“

Von guten Gesprächen mit den Vertretern von Denk mit berichtet Baumgartner. So sei ihm versichert worden, „dass das Konzept grundsätzlich erstmal bleiben und nicht gleich alles neu gemacht werden soll“.

„Wir werden sehr behutsam vorgehen“, bestätigt Karin Bader, die im Übrigen betont, „dass wir uns wirklich sehr auf die Aufgabe in Schwabhausen freuen“. Warum man unter sieben Bewerbern das offenbar günstigste Angebot abgeben konnte, kann sie nur vermuten: „Wir haben eine sehr schlanke Verwaltung. Ein kleines Team von 15 Personen organisiert 30 Kinderhäuser.“

Als ein „Riesenpfund“ bezeichnet sie zudem den Schwabhauser Standortfaktor, „denn die Häuser werden von der Gemeinde mietfrei zur Verfügung gestellt, das gibt es sonst nirgends".

tor

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