Kai Kühnel ist Bürgermeister

Dachau - Kai Kühnel hat die Kampfabstimmung gewonnen: Er ist Bürgermeister der Großen Kreisstadt Dachau. Der Fraktionsvorsitzende des Bündnis für Dachau trat in der Wahl um den Posten des Stellvertreters von OB Florian Hartmann gegen Gertrud Schmidt-Podolsky von der CSU an - und siegte mit einer Stimme Vorsprung. Damit steht fest: Es gibt in der CSU mindestens einen Überläufer.

Der Sitzungssaal des Rathauses war völlig überfüllt. Zur ersten Sitzung des neuen Stadtrats kamen viele Besucher. Feierlich war die Stimmung, als OB Florian Hartmann, mit der Amtskette um den Hals, vor dem ältesten Stadtratsmitglied Franz-Xaver Vieregg (ÜB) den Amtseid ablegte. Die Stadtratsmitglieder und Besucher applaudierten dem neuen OB lang und kräftig. Im Anschluss sprachen die 15 neuen Stadtratsmitglieder die Eidesformel vor dem OB.

Doch dann war es vorbei mit der feierlichen Stimmung: Die CSU schlug für die Wahl des ersten Stellvertreters Gertrud Schmidt-Podolsky vor, die in den vergangenen sechs Jahren dritte Bürgermeisterin war. „Sie ist prädestiniert für das Amt, verfügt über große Verwaltungserfahrung und wird das Amt sehr loyal auch Ihnen gegenüber ausüben“, sagte der neue Fraktionsvorsitzende Dominik Härtl. Das Bündnis für Dachau und die Grünen wären zwar grundsätzlich bereit gewesen, der CSU den Posten des ersten Stellvertreters zu überlassen - aber abhängig „von der Person, die kandidiert“, wie Kühnel im Vorfeld mitgeteilt hatte. Mit Schmidt-Podolsky herrschte kein Einverständnis: Thomas Kreß, Fraktionsvorsitzender der Grünen, schlug Kai Kühnel vor. „Wir möchten einen Stellvertreter, der das volle Vertrauen des OB hat.“

Die 40 Mitglieder des Stadtrats und OB Florian Hartmann stimmten in geheimer Wahl ab. Kai Kühnel erhielt 21 Stimmen, Schmidt-Podolsky 20. Als der OB das Ergebnis vortrug, brachen die Anhänger von Bündnis, SPD und Grünen in Jubel aus. Die CSU-Stadträte erstarrten. Schmidt-Podolsky war sichtlich geschockt. Kühnel erklärte, dass er „für alle ein guter zweiter Bürgermeister sein will“.

Härtl beantragte eine Unterbrechung der Sitzung. Mit betretenen Gesichtern verließ die CSU geschlossen den Sitzungssaal, um darüber zu beraten, wer für das Amt des dritten Bürgermeisters ins Rennen geschickt werden soll. Nach kurzer Zeit kehrte einer alleine zurück: Christian Stangl. Vielleicht ein Zeichen dafür, dass er mit der Aufstellung Schmidt-Podolskys nicht einverstanden war und sogar selbst auf den Posten eines Stellvertreters gehofft hatte. Sicher aber ein Beweis, dass er einer der Überläufer war.

Denn dass es bei der Wahl des Stellvertreters möglicherweise sogar mehrere Abweichler aus eigenen Reihen gegeben hat, die ihre Stimme Kai Kühnel gaben, ist klar. Die CSU hatte mit mindestens 21 Stimmen gerechnet: 15 CSU, drei FW, drei Fraktionsgemeinschaft Bürger für Dachau (BfD)/FDP - und möglicherweise Stimmen aus der ÜB-Fraktion, die bei der Besetzung der Referate gespalten abstimmte. Edgar Forster und seine Fraktion stehen felsenfest hinter der CSU, ebenso wie Horst Ullmann (BfD).

Vor der Wahl des zweiten Stellvertreters diskutierten nun fast alle Mitglieder der CSU an der Treppe vor dem Sitzungssaal - und präsentierten anschließend wieder Schmidt-Podolsky als Kandidatin. Sie siegte gegen Thomas Kreß, den Fraktionsvorsitzenden der Grünen, mit 25:16 Stimmen deutlich.

In den Ausschüssen darf man sich künftig auf knappe Abstimmungsergebnisse einstellen: CSU, FW und BfD/FDP haben sieben Sitze, SPD, Grüne, Bündnis und ÜB ebenfalls sieben Sitze. Die Stimme vom OB wird entscheiden.

Die CSU konnte sieben der 16 Referate besetzen - eines weniger als in der vergangenen Amtsperiode: Weil Härtl als Kulturreferent nicht mehr zur Wahl stand, ging dieses Referat an Claus Weber (FW). Ein weiteres haben die FW inne. Zwei Referate gingen an ÜB, darunter das neue mit dem Namen „Bäder, Bolz-und Spielplätze“. Zwei Referate behält die SPD, je eines geht an das Bündnis, die Grünen und BfD. Ein Bericht über die Abstimmung der Referentenposten folgt.

Nikola Obermeier

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Drei neue Kinderärzte für den Landkreis
Drei neue Kinderarztpraxen wird es im Landkreis Dachau geben: In Karlsfeld, Indersdorf und Odelzhausen können Kinder und Jugendliche bald behandelt werden.
Drei neue Kinderärzte für den Landkreis
Sechs Corona-Infizierte in Busreisegruppe
Die Zahl der Corona-Infektionen ist zuletzt wieder angestiegen im Landkreis: 15 Erkrankte zählt das Landratsamt aktuell, 94 Personen befinden sich in Quarantäne.
Sechs Corona-Infizierte in Busreisegruppe
Unkontrollierbares Wachstum
Die FDP- sowie die Bündnis-für-Dachau-Fraktion wollen das Wachstum der Stadt begrenzen. Maximal um jährlich 0,5 Prozent sollte die Bevölkerungszahl Dachaus demnach …
Unkontrollierbares Wachstum
Huber hat das Kommando
Die Freiwillige Feuerwehr Sulzemoos hat ihre Führungsspitze neu gewählt. Kommandant Marcus Huber lenkt nun die Geschicke der Wehr.
Huber hat das Kommando

Kommentare