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Alle Blicke auf die Kanzlerin: 120 Journalisten aus der ganzen Welt verfolgten Angela Merkels Besuch in Dachau

Merkel besucht KZ-Gedenkstätte

Bewegende Momente vor den Augen der Welt

Dachau - Noch nie hat ein amtierender deutscher Regierungschef das ehemalige KZ Dachau besucht - bis jetzt. Angela Merkel spricht dort bei einem Treffen mit Holocaust-Überlebenden von einem „sehr besonderen Moment“.

Der Bundespräsident war schon da, jetzt auch noch die Bundeskanzlerin – wer soll nun als Nächstes in die KZ-Gedenkstätte kommen? Kurz nach der Abfahrt Angela Merkels in Richtung Bierzelt beantwortete Gedenkstätten-Leiterin Gabriele Hammermann diese Frage gestern Abend so: „Jeder Besucher, der zu uns kommt, ist uns lieb und teuer.“

Was Hammermann nicht sagte, aber wohl dachte: Eigentlich ist sie froh, wenn so schnell kein Top-Prominenter mehr nach Dachau kommt. Denn für Hammermann und ihr Team bedeuteten die vergangenen Wochen enormen Stress: „Wir hatten so wenig Zeit für die Organisation! Wir erfuhren ja erst Ende Juni von dem Besuch!“

Tatsächlich hatte Merkels Auftritt in der Gedenkstätte einen langen Vorlauf. Laut Gerda Hasselfeldt, CSU-Landesgruppenleiterin im Deutschen Bundestag, habe sie Merkel Ende vergangenen Jahres dafür gewinnen können, einen Wahlkampfauftritt in Dachau zu absolvieren. Der im Landkreis München lebende Holocaust-Überlebende Max Mannheimer erfuhr davon aus der Zeitung und schrieb Merkel kurz entschlossen einen Brief, in dem er sie auch zu einem Rundgang durch die KZ-Gedenkstätte einlud.

Mannheimer zufolge sei nur wenige Tage später ein Brief aus dem Kanzleramt bei ihm eingetroffen – mit höflichem Dank und der Bitte um Verständnis, dass der Terminplan der Kanzlerin einen Besuch der Gedenkstätte leider nicht zulasse. Dann schaltete sich Hasselfeldt ein: „Ich habe ihr klargemacht, dass es wichtig ist, dass sie kommt!“ Sehr schnell, so die Abgeordnete, habe Merkel sich dann auch entschlossen: „Ja, das wollen wir versuchen!“

In Hasselfeldts Augen meisterte ihre (Partei-)Freundin den Auftritt im ehemaligen KZ gestern „sehr würdig, sie hat sich sehr viel Zeit genommen. Jeder konnte sehen, dass sie sehr beeindruckt war.“ Diesen Eindruck hinterließen nach Meinung Hasselfeldts vor allem die Gespräche mit den Zeitzeugen.

Dass die wiederum überhaupt bei dem Termin dabei sein durften, ist der Initiative Gabriele Hammermanns zu verdanken. Denn: „Eigentlich wollte sie nur einen privaten Rundgang machen. Aber wir haben ihr dann einen anderen Vorschlag präsentiert, nämlich mit Überlebenden zu sprechen.“

Merkel, beäugt von 120 Journalisten aus aller Welt, stellte sich dieser Herausforderung und sprach mit jedem einzelnen Zeitzeugen. „Es war sehr schön zu sehen, das sie dafür sogar aus dem Zeitplan ausgebrochen ist“, zeigte sich die Leiterin der Gedenkstätte gestern erleichtert.

Max Mannheimer freute sich ebenfalls über Merkels Interesse am Schicksal dieser Menschen: „Ich gebe zu, ich bin Sozialdemokrat. Aber ich habe sie nicht eingeladen, weil sie eine CDU-Frau ist, sondern weil sie die gleichen Ziele hat wie wir: dass sich das niemals wiederholt!“

Ein Journalist, aus dem Norden Deutschlands angereist, wunderte sich, dass in unmittelbarer Nähe zum früheren Appellplatz in Dachau eine Wohnsiedlung entstanden sei, in dem junge Familien und Kinder leben würden. Doch Mannheimer ließ sich seine Erleichterung und Freude über den geglückten Abend nicht mehr trüben: „Ach, wissen Sie“, beruhigte der 93-Jährige den Gast, „diese Pläne gab es doch schon lange. Das haben wir als Überlebende genauso übersehen wie die Stadt Dachau.“

Ähnlich erleichtert wie Mannheimer war auch Organisatorin Hammermann. Ob sie Angela Merkel nun noch ins Bierzelt begleiten wolle? „Nein, ich fahre jetzt meiner Familie in den Urlaub hinterher. Heute nacht geht es nach Hiddensee!“

Stefanie Zipfer

Bilder von Merkels Besuch in KZ-Gedenkstätte

Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Besuch in Dachau

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