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Kunst-Kleid aus Wischtüchern: Tayama da Silva-Nielsen im Ausstellungsraum der Galerie Kunstwerkstatt.

Tayama da Silva-Nielsen stellt in der Kunstwerkstatt aus

Alltägliches in neuem Licht

Karlsfeld – Butterbrotpapier, Geschirrtücher, Wischmopp – alles Dinge, die eine gute Hausfrau daheim hat. Tayama da Silva-Nielsen macht daraus neue, schöne Sachen. Sie definiert sie um. Deshalb stellt die Künstlerin und Mutter ihre Werke nun als „Umdefiniert“ in der Galerie Kunstwerkstatt aus. Heute um 19 Uhr ist Eröffnung.

Back-Werk: Diese Buchstabenarbeit ist ein Beispiel für das besondere Verhältnis der Künstlerin zu Würf eln und Quadraten. fotos: mik

„Die Ausstellung zeigt ein bisschen meinen Werdegang“, meint die Künstlerin. Tayama da Silva-Nielsen wurde in Rio de Janeiro in Brasilien geboren. Mit 23 Jahren und zwei Jahre nach dem Abitur machte sie eine Reise um die Welt. Auf den Fidschi-Inseln heiratete sie, mit ihrem mittlerweile Exmann landete sie in München.

„Ich war mit 17 noch überzeugt, dass ich einmal Schriftstellerin werde“, sagt Silva-Nielsen. Denn sie habe das Schreiben geliebt. In Deutschland entdeckte die heute 39-Jährige jedoch ihre Liebe und Lust zur Fotografie. 2008 ging es in die Fotoklasse der Johannes-Gutenberg Universität in Mainz. Bei einer Vernissage lernte sie ihren heutigen Mann kennen.

Silva-Nielsen bildete sich fort, entwickelte ihre Fotografie, beschränkte sich aber bald nicht mehr darauf. „Ich habe versucht, alles gleichzeitig zu machen“, erzählt sie. Also habe sie Kunst bei sich daheim gemacht und dafür alles benutzt, was das Zuhause hergab. Heraus kamen Blüten aus Wischmopps, Riesen-Edelsteine aus Geschirrtüchern und ein Kleid aus orangefarbenen Fliesenwischtüchern.

2010 heiratete sie ihren Mann aus Dänemark und 2014 beendete sie ihr Studium, woraufhin ihr Sohn unterwegs war. Mutter einer Tochter war die Künstlerin da schon. In all der Zeit beschäftigte sie sich mit dem Quadrat oder viel mehr mit dem Würfel, auch Kubus genannt. Dieser tritt mehrmals in verschiedenen Arbeiten auf. Beim großen „Gemälde“ „I should be baking, I should be making art“ mit gebackenen Buchstaben beispielsweise oder bei der Wandinstallation „all the 11 ways to make a paper cube“ aus Butterbrotpapier. „Ich mag das Quadrat, die Zahl vier. Alles, das fest auf dem Boden steht, sei es der Stuhl, der Tisch oder die Kuh, hat vier Beine.“

Für ihr fortlaufendes Werk „the vacuum anthropological dream“ hat sie ihren Hausstaub aus dem Staubsauger genommen und in Würfelform gebracht. „Ich habe Freunde nach ihrem Staub gefragt, damit ich mehr Staubwürfel machen kann.“

Sie fasziniert, wie unterschiedlich Staub aussehen kann. In ihrem eigenen Staub-Kubus hängen Perlen von ihrer Tochter, bei dem ihrer Freundin eine Nadel. „Ich würde das Projekt gerne weiterführen und Staub von besonderen Orten wie dem Bürgermeisterbüro oder dem Bayerischen Hof sammeln.“

Wenn sie das Bürgermeisterbüro nennt, meint sie das von Stefan Kolbe. Tayama da Silva-Nielsen und ihre Familie leben seit April 2016 in Karlsfeld. „Ich hoffe, dass ich noch dieses Jahr Mitglied beim Karlsfelder Kunstkreis werden kann.“

Es sind die kleinen alltäglichen Dinge, die sie gerne in einem anderen oder neuen Licht sieht. „Ich bin übrigens keine gute Hausfrau“, verrät sie zum Schluss. Sie hasse es vor allem, die Wäsche zu machen. Vielleicht deshalb porträtierte sie sich für die Einladungskarten zur Ausstellung als Wäscheberg – aber in selbstbewusster, anmutiger Haltung. miriam kohr

Die Ausstellung

ist nach der Vernissage an den Wochenenden 11./12. Februar sowie 18./19. Februar jeweils von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

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