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Der Stall des landwirtschaftlichen Aussiedlerhofes stand in Vollbrand.

Mehrere hunderttausend Euro Sachschaden

Großbrand zerstört Kuhstall

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Oberstloh - Das Stall- und Scheunengebäude der Familie Stegmair in Obertsloh bei Tandern ist  vollständig abgebrannt. Glücklicherweise konnten die Milchkühe und Kälber gerettet werden. 110 Feuerwehrleute bekämpften das Feuer stundenlang. Der Sachschaden beträgt rund 500000 Euro.

Anna Stegmair (52) wirkt gefasst, aber trotzdem fehlen ihr die Worte. Der kalte Wind weht ihr auf ihrem abgelegenen Aussiedlerhof in Obertsloh zwischen Pipinsried und Tandern ins Gesicht. Sie steht vor den niedergebrannten Mauern ihres Kuhstalles und muss zusehen, wie ein Bagger die letzten Reste des über 100 Jahre alten Gebäudes niederreißt. 

In der Nacht von Sonntag auf Montag brannte das 40 Meter lange Stall- und Scheunengebäude bis auf die Grundmauern und Teile des Dachstuhles vollständig ab. Die Polizei geht von einem Sachschaden von rund 500 000 Euro aus. Neben 27 Kühen und zehn Kälbern waren in dem Gebäude auch landwirtschaftliche Maschinen, 2000 Liter Heizöl sowie Heu und Stroh. Die Tiere konnten gerettet werden. Zwei Kälber sind derzeit noch vermisst. Anna Stegmair geht davon aus, dass sie mit einer Rauchvergiftung und Brandverletzungen die Flucht ergriffen haben. „Die müssen wir dann wahrscheinlich einschläfern“, befürchtet die Bäuerin.

Verheerender Großbrand bei Tandern - die Bilder

Um drei Uhr nacht bemerkte Anna Stegmair den Brand ihres Kuhstalles. Weil sie Geräusche hörte, wachte sie plötzlich auf. Sie gingdavon aus, dass sich eine der Milchkühe im Stall von der Anbindehaltung gelöst hatte – dann kam es aber schlimmer. Sie sah einen Lichtschein am Fenster. „Ich habe geschrien und dann sofort meinen Mann und meinen Sohn geweckt.“ Erst hat nur ein kleines Kammerl gebrannt, erzählt sie. „Wir sind dann gleich raus und haben versucht die Viecher rauszuholen und den Schaden zu begrenzen.“ 

Gemeinsam mit Ehemann Johann (60) und den Söhnen Johannes (26) und Florian (24) stürmte die Bäuerin aus dem Wohnhaus. Sie öffneten die Stalltüren. „Erst kam mein Mann noch mit dem Gartenschlauch, aber er hat gleich eingesehen, dass das nichts mehr bringt.“ Die Familie rief sofort die Feuerwehr, und innerhalb von zehn Minuten waren die Helfer aus Tandern-Hilgertshausen vor Ort. Die Feuerwehrleute halfen mit, die Kühe zu retten. Dann kamen auch die Feuerwehren aus Altomünster, Dachau, Eisenhofen, Indersdorf, Kiemertshofen, Pipinsried, Randelsried, Schrobenhausen und Schwabhausen dazu.

Aufgrund der Abgelegenheit des Hofes hatten es die Feuerwehrler aber nicht leicht: Zunächst pumpten sie Wasser aus einem nahegelegenen Weiher, legten zusätzlich eine drei Kilometer lange Schlauchleitung von Tandern zum Aussiedlerhof in Obertsloh und eine dritte Leitung von Ottelsburg. Sie bekämpftzen den Brand auch von oben mithilfe einer Drehleiter. Insgesamt waren rund 110 Feuerwehrleute, außerdem THW, Rettungsdienst und die Untere Naturschutzbehörde vor Ort: „Erst nach sieben Uhr morgens konnten sich die meisten Einsatzkräfte wieder auf den Heimweg machen“, berichtet Kreisbrandmeister Maximilian Reimoser. 

„Es wird wahrscheinlich noch den ganzen Tag dauern, bis das gelöscht ist“, murmelt Anna Stegmair leise. Gestern Vormittag untersuchten Brandermittler der Kripo das abgebrannte Gebäude. „Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden bestehen bisher nicht“, berichtet die Polizei. Anna Stegmair hörte, dass ein „technischer Defekt an einer Steckdose“ die Flammen ausgelöst habe. Dabei steht das Wohnhaus der Familie nur wenige Meter von dem abgebrannten Stall entfernt: „Ich hatte natürlich Angst, dass die Flammen auch auf die anderen Gebäude übergehen.“ Denn bei dem Vierseithof der Stegmairs – wo auch ein Teil der Trilogogie von Marcus H. Rosenmüller „Beste Chance“ gedreht wurde – grenzt das Wohnhaus, der weitere Rinderstall mit rund 50 Tieren und das abgebrannte Stall- und Scheunengebäude direkt aneinander. 

Wie es weitergeht, weiß Anna Stegmair nicht. „Jetzt müssen wir erstmal einen leeren Stall mit Melkanlagen für unsere Kühe finden.“ Denn die rund 37 Kühe sind derzeit beim Nachbarn in Ottelsburg untergebracht. Dort können die Milchkühe möglicherweise in einer Scheune unterkommen, aber dort fehlen die Melkgeräte. Deshalb sind die Stegmairs auf der Suche nach einem leerstehenden Kuhstall, bestenfalls in ihrer Nähe. 

Die Rauchschwaden ziehen dort auch noch nach acht Stunden Brandlöschen über das Gebäude. Auf einmal ist ein lauter Knall zu hören. Der Bagger reißt eine weitere Mauer des Stalles zu Boden. „Das dauert noch, bis das alles wieder geht“, sagt Anna Stegmair bedrückt: „Diese Nacht werd ich sicher nicht ruhig schlafen können.“ 

Kuhstall gesucht:Die Familie Stegmair sucht für ihre rund 40 Milchkühe und Kälber einen leerstehenden Stall mit Melkanlagen. Wer weiterhelfen kann, kann sich bei den Dachauer Nachrichten unter 0 81 31/ 5 63 35 melden

Anna Schwarz

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