Diskutierten in Dachau über Kultur und Verkehr: die Sprecherin der Kreis-Grünen Luise Krispenz und die Bundestagsabgeordneten Agnes Krumwiede, Dr. Anton Hofreiter und Beate Walter-Rosenheimer (von links). foto: kra

Von der Kultur zur Mobilität

Dachau - Was verbindet Kultur und Mobilität - und was trennt sie? Das erörterten die Grünen - zusammen mit drei Bundespolitikern. Die Antwort auf letztere Frage wurde schnell klar.

Gleich drei grüne Bundestagsabgeordnete weilten am Montag in Dachau: Agnes Krumwiede, Dr. Anton Hofreiter und Beate Walter-Rosenheimer. Ein politisch korrekter Besuch in Dachau beginnt natürlich in der KZ-Gedenkstätte - so hielten es auch die drei Bundespolitiker. Anschließend verschafften sich Krumwiede, Hofreiter und Walter-Rosenheimer einen Eindruck von den Zuständen in der heruntergekommenen Asylbewerberunterkunft in der Kufsteiner Straße.

Die Große Kreisstadt verfügt indes auch über schöne Seiten, wie die drei bei einem Altstadt-Bummel mit OB Peter Bürgel und Kulturamtsleiter Tobias Schneider feststellen konnten. Am Abend wurde diskutiert, über Kultur und Mobilität. Was diese Felder verbindet und was sie trennt. Letzteres wurde schnell klar: die Finanzen.

Während das Kulturbudget des Bundes zu den kleinsten Etats im Haushalt gehört, verfügt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer über einen der größten Töpfe. „Dabei könnte man in der Kultur auch mit wenig Mitteln viel bewirken“, klagte Krumwiede. Erst kürzlich sei einer ihrer Anträge zur Förderung von unbekannten, aber viel versprechenden Bands abgeschmettert worden. Bedauerlich fand die Grünen-Politikerin auch, dass sich der Bund nicht für den Erhalt der KZ-Gedenkstätten in Majdanek und Treblinka einsetze. „Dabei ist es gerade in Dachau gelungen, ein vorbildliches Konzept für die Erinnerungskultur umzusetzen“, so Krumwiede .

Was verbindet Kultur und Mobilität nun?, fragte sich die Runde der zirka 20 Teilnehmer weiter, darunter auch wieder Tobias Schneider. Zuerst einmal die Infrastruktur, so Hofreiter: Ohne Verkehrsmittel und -wege könne kein kulturelles Angebot genutzt werden. Andererseits seien Kinos, Theater und Konzertsäle auch ein Anziehungspunkt und ein Grund, ÖPNV-Angebote zu entwickeln Der Verkehrsexperte forderte „intelligente ÖPNV-Systeme“ mit gut vernetzten und regelmäßig vertakteten Verbindungen. Die Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecken, die auf 350 km/h ausgelegt sind, lehnte Hofreiter ab: „Es würde völlig reichen, wenn die Züge konstant Geschwindigkeiten zwischen 200 und 250 Kilometer pro Stunde fahren könnten.“

Breiten Raum nahm die Diskussion zum ÖPNV in den ländlichen Gebieten rund um München ein. Überraschend war, dass sich der grüne Politiker skeptisch gegenüber Busverbindungen auf dem Land zeigte: „Bei einem 5000-Einwohner-Ort fehlt einfach die kritische Masse.“ Offensichtlich sind ihm die intensiven Diskussionen unbekannt, die zurzeit im Projekt „Zwischen Dorf und Metropole“ und in der Westallianz geführt werden, deren erklärtes Ziel ein Ausbau des ÖPNV-Angebots ist. Stattdessen stellte Hofreiter die Idee eines subventionierten Taxis für Landbewohner zur Diskussion, nicht zuletzt, weil sich Anrufsammeltaxis nicht bewährt hätten. Der Verkehrsexperte setzt vor allem auf das „Null-Emissions-Auto“, als auf ein Kraftfahrzeug, das ohne fossile Brennstoffe wie Benzin, Diesel, Erdgas und Biomasse auskommt.

Auch beim Thema „Umlandbahn“ erwies sich der Grüne als desillusionierter Pragmatiker: „Dort sind zu viele Zuständigkeiten und Eitelkeiten im Spiel.“ Die Landeshauptstadt, die Landkreise und ihre Kommunen werden sich auch in Zukunft nicht einigen können, sagte Hofreiter voraus. Mag sein, dass der Bundespolitiker die Lage zu pessimistisch sieht. Denn die Bestrebungen der Westallianz, Verbindungen zwischen den Landkreisen Fürstenfeldbruck und Dachau und nach München zu schaffen, geben Anlass zur Hoffnung.

(kra)

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