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Mordfall in 23 Minuten gelöst: die Schauspieler (von links) Niels von Oyt, Sigrid Fischer, Christian Past, Christine Eberl und Günther Alfred Zegawe während einer Drehpause.

Kurzfilm feiert Premiere

Ein Film-Kommissar für Dachau

Dachau - Nun hat auch Dachau einen eigenen TV-Kommissar. Brückl heißt er, und sein erster Fall ist knifflig. Bei der Aufführung eines Theaterstücks wird der Hauptdarsteller ermordet. Christian Past und Nuno Miguel Wong haben den Kurzfilm nun uraufgeführt. Das Publikum war begeistert.

In Venedig ermittelt Commissario Brunetti, in Hamburg Melanie „Melli“ Hansen. Dachau hat nun auch einen Polizisten, der bereits seinen ersten Mordfall in einem Film gelöst hat: Dachau wird ab jetzt von Kommissar Brückl beschützt. Er wurde von der Truppe „Die Leichenschmausler“ ins Leben gerufen. Die Gruppe aus Hobby-Schauspielern hat innerhalb kürzester Zeit einen Kurzfilm gedreht. 

Der Initiator Christian Past, 47, gebürtiger Dachauer, hatte ursprünglich die Idee, in Dachau ein Krimi-Dinner zu veranstalten. Dabei nehmen die Teilnehmer ein mehrgängiges Menü ein, und zwischen den Gängen wird ein Theater-Stück aufgeführt, oftmals unter Einbezug des Publikums.

Im November 2015 erzählte er seinem Freund Nuno Miguel Wong von der Idee, und der war gleich begeistert. Da Wong professionell im Film-Geschäft zu tun hat, übernahm er die Aufgabe des Regisseurs, und zusammen schrieben sie das Stück. „Bei jeder Rolle fiel mir gleich jemand ein, zu dem sie passen würde. Ich fragte bei meinen Freuden und Bekannten nach, und die waren sofort einverstanden“, erzählt Christian Past. So hatte er als Darsteller die Hobby-Schauspieler Sigrid Fischer, Christine Eberl, Niels von Oyt und Günther Alfred Zegawe für sein Projekt gewonnen. 

Während der Proben kam dem Regisseur dann der entscheidende Gedankenblitz: Das Stück würde sich auch hervorragend für einen Kurzfilm eignen. Alle Beteiligten waren begeistert und binnen kürzester Zeit, nämlich fünf Tagen, war alles für den Dreh organisiert: der Drehort, das Bräustüberl in Dachau-Ost, das Equipment, bestehend aus einer Kamera und einem Richtmikrofon, sowie Requisiten, Text und Helfer. Der Dreh zu „Kommissar Brückl ermittelt: Ein ruinierter Abend“ ging dann sogar noch viel schneller. 

In nur sieben Stunden war das gesamte Filmmaterial im Kasten. „Der Dreh hat uns allen sehr viel Spaß gemacht, es hat sich auf jeden Fall gelohnt“, erinnert sich Christian Past. Der Wirt des Bräustüberls, Manfred Kreckel, musste dann spontan als Leiche herhalten, und um den Schnitt kümmerte sich Marco Zanoni. 

Vor der Premiere, die am vergangenen Samstag im Räuber-Kneißl-Stüberl stattfand, war die Spannung nicht nur bei den Zuschauern groß. Bis auf den Regisseur hatten alle Beteiligten den Film selbst noch nie gesehen. Dafür war die Erleichterung danach besonders groß. 

Für die Kürze der Zeit ist hier ein erstaunlich guter Kurzfilm entstanden. Die Kameraeinstellungen sind abwechslungsreich, aber nicht zu wild, der Schnitt dazwischen erfolgt immer genau an der richtigen Stelle, die Geschichte ist gespickt von geschmackvollen Witzen und wird gekrönt von einem überraschenden Ende. In 23 Minuten muss der Dachauer Kommissar Brückl einen Mordfall im Bräustüberl aufklären. Die Handlung: Im Bräustüberl sollte ein Theaterstück aufgeführt werden, doch kurz vor Beginn wird die Leiche des Hauptdarstellers gefunden. Nun gilt es den Mörder zu finden. Dabei hat Kommissar Brückl mit faulen Kollegen und intoleranten Preißn zu kämpfen. Hinzu kommen noch die üblichen Zankereien zwischen Frauen, die ihre Eifersucht nicht in Zaum halten können. Kurz gesagt, der Zuschauer begegnet allen Themen, die in einer bayerischen Kneipe zum Gespräch gehören. Bis zum Schluss darf über den Täter spekuliert werden, und so kann der Zuschauer den bayerischen Humor genießen und sich am Ende überraschen lassen. 

Bei großer Nachfrage wird der Film noch öfter vorgeführt. Interessenten können sich per E-Mail an die Truppe wenden: unter leichenschmausler@gmail.com. Auch ist die Idee mit dem Krimi-Dinner noch lange nicht begraben. Der Regisseur Nuno Miguel Wong möchte den Film nun bei den verschiedenen Kurzfilm-Wettbewerben einreichen. Und wer weiß, vielleicht erwartet uns bald ein „Kommissar Brückl ermittelt – Teil 2“.

Stefanie Ritter

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