Das ehemalige Krematorium der KZ-Gedenkstätte in Dachau wird groß auf einem Puzzle beim amerikanischen Versandhandel Amazon angeboten. Quelle: Amazon

KZ-Gedenkstätte wird als Spielzeug verkauft

Dachau - 200 000 Menschen wurden im Konzentrationslager Dachau eingesperrt, gequält und gefoltert. Über 41 500 Häftlinge starben zwischen 1933 und 1945. Jetzt gibt es Spielzeug im Internet zu kaufen, auf denen groß Bilder der KZ-Gedenkstätte und des Krematoriums abgebildet sind: Puzzles.

Von Rosi Seifert

Für knapp 25 Euro wird beim deutschen Online-Versand Amazon ein Puzzle verkauft, auf dem als Motiv die aus der Luft fotografierte KZ-Gedenkstätte Dachau zu sehen ist. In der amerikanischen Version des Online-Versands wird es noch schlimmer: Für 25,99 Dollar gibt es ein Puzzle mit einem Foto der Öfen des ehemaligen Krematoriums. Ein solche Darstellung wäre in Deutschland sogar verboten. Die Empörung ist groß.

„Die KZ-Gedenkstätte ist ein Ort der Erinnerung an das Leiden unzähliger Menschen. Damit sollte man nicht spielen“, sagt Gerda Hasselfeldt. „Für die Überlebenden des KZ Dachau und die Familien der Opfer ist dies ein Schlag ins Gesicht.“ Die Stimmkreisabgeordnete im Bundestag und Vorsitzende der CSU-Landesgruppe hat sich jetzt mit Amazon in Verbindung gesetzt. Sie fordert, dass der Vertrieb des Puzzles weltweit eingestellt wird.

Auch Dr. Dirk Riedel, Referent und Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte ist entsetzt. Besonders darüber, dass das Puzzle ohne jegliche didaktische Aufbereitung verkauft wird: „Das Spiel ist eine Verharmlosung des Ortes und der Geschichte.“

Amazon hat den Puzzles Werbetexte beigefügt. Im Zusammenhang mit den NS-Gräueln wirken sie geschmacklos: „Bestellen Sie Ihr 1000-Teil-Fotopuzzle für sich selbst oder begeistern Sie Freunde und Verwandte.“ Über das Konzentrationslager und dessen Geschichte, das Leiden Tausender oder die heutige KZ-Gedenktätte sind keinerlei Informationen beigefügt. Trotzdem wird das Puzzle auf der Schachtel sogar als Lern-Puzzle angepriesen: „Lernen Sie ihre Region von einer anderen Seite kennen.“ Darüber ist Riedel entsetzt: „Um etwas über die Gedenkstätte und das KZ zu lernen, wird dieses Puzzle nicht gebraucht.“

Das Foto stammt von einem Fotografen, der häufig Sehenswürdigkeiten für Puzzles aufnimmt. „Deshalb erweckt es den Eindruck, dass die KZ-Gedenkstätte als herausragender Ort in der Region angesehen wird“, sagt Riedel. Zwar wird die Gedenkstätte jährlich von bis zu 800 000 Menschen besucht. Für Riedel ist sie dennoch keine Touristenattraktion, sondern ein Lernort: „Auch Besucher ohne Vorwissen werden etwas über die Geschichte des KZ und der Gedenkstätte erfahren.“

Auch die Nutzer der Facebook-Seite „Laut gegen Nazis“ finden das Puzzle geschmacklos, unfassbar und sind vor allem wegen des Werbetextes sprachlos. Über 100 User diskutierten in den vergangenen Tagen, ob Amazon den Verkauf des Puzzles einstellen wird. Inzwischen ist das Puzzle auf der deutschen Amazonseite nicht mehr zu finden, mittlerweile führen alle Links ins Leere. Die Gedenkstätte Dachau wird den Verkauf rechtlich prüfen lassen.

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