Der Lack ist noch nicht ab

Puch - Vielen ist am vergangenen Wochenende wohl erst richtig bewusst geworden, wie hart unsere Großväter arbeiten mussten, bis die Ernte von den Feldern in die Scheune transportiert war. Das Oldtimerfest der Eglersrieder Schützen war eine Gelegenheit, für einige Stunden in die Vergangenheit zurückzureisen.

Die Getreideernte vor mehr als 60 Jahren erlebten die tausend Besucher des Festes aus nächster Nähe mit. Gedroschen wurde mit einem hölzernen Kleinhäusler-Dreschwagen, den die Jetzendorfer Leonhard Gollwitzer, Martin Greppmeier und Cornelia Wittmann mit dem auf einem Pferdefuhrwerk gelieferten Getreide „gefüttert“ haben. Dieser Dechentreiter- Breitdrescher wurde 1934 im Allgäu gebaut und war bis in die 60er Jahre in der Nähe von Bad Aibling im Einsatz. Bei den Vorführungen kam eine uralte Welger-Strohpresse zum Einsatz. Gemäht wurde das Feld mit einem Bindemäher, der bis in den 60er Jahren im nahen Hartwigshausen die Getreideernte erleichterte.

Was die vielen Besucher besonders interessierte, war das Ackern mit Pferden. Michael Heine aus Randelsried hatte dazu sein Süddeutsches Kaltblutgespann präsentiert. Bubi (fünf Jahre) und Max (20 Jahre) hatten wenig Mühe, den Drehpflug über den großen Acker des Puchbauern zu ziehen. Da kam Gespannführer Heine schon schneller ins Schwitzen als seine beiden kräftigen Pferde. Zum Ackern musste Schützen-Chef Schorsch Häuserer nicht lange bitten. Innerhalb weniger Minuten war der Lanz-Motor zu hören. Die Marke Lanz dominiert unter den vielen Oldtimer-Bulldogs nach wie vor. Der Matador war zweifelsohne die 5,5 Tonnen schwere Lanz-Raupe von Martin Kranz aus Puch, die 1937 gebaut und mehr als 50 Jahre lang auf einem Gutshof in Frankreich eine enorm wichtige Zugmaschine war. Kranz berichtete, wie schwierig es war, dieses museumsreife Stück zu restaurieren. Erst vor elf Jahren war es ihm gelungen, neue Ketten aus Neuseeland zu bekommen und neue Laufrollen anfertigen zu lassen. Der uralte aber dennoch große Eberhardt-Pflug war bis in die 60er Jahre beim Baron in Kühbach im Einsatz.

Die Gebrüder Kranz haben beim Wettpflügen noch einen weiteren uralten Lanz ins Rennen geschickt. An Räuber Kneißls Zeiten erinnerte ein hölzernes Odelfass aus dem Jahr 1896, das Bernd Ziegert aus Jetzendorf mit Wasser gefüllt und an den fein herausgeputzten Lanz seines Vaters Eberhard Ziegert (ehemaliger Chef der Jetzendorfer Hinterhofmusikanten) angehängt hatte. 15 Jahre lang wurde dieser Bulldog restauriert. „Aber die 1400 Arbeitsstunden haben sich gelohnt“, freute sich Ziegert, der mit seinem Odelfass natürlich das Geschau hatte.

Beim Bestellen des großen Feldes wirkten noch eine Vielzahl anderer Traktoren mit. Es gibt kein Bodenbearbeitungsgerät aus Urgroßvaters Zeiten, das dabei nicht im Einsatz war. Die alten Bulldogs beeindruckten nicht nur aktive und ehemalige Landwirte, sondern auch die vielen Kinder, die zu kostenlosen Kutschfahrten eingeladen wurden.

Für die 98-jährige Vera Heidelck aus Petershausen ist in Puch ein Traum in Erfüllung gegangen. Ihr Vater war Bauer in Ostpreußen. So kam sie schon als Kind mit der Landwirtschaft in Berührung. „Es ist herrlich, sowas mal wieder zu sehen“, schwärmte die betagte Dame. Auch der Röhrmooser Altbürgermeister Sepp Westermayr ließ sich die Vorführungen nicht entgehen. „Ich habe diese Zeit noch mitgemacht, da hat man sich oft richtig plagen müssen.“

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Das Oldtimerfest der Eglersrieder hat auch einige Spaßvögel angelockt. So benutzte Michael Heilander aus Fränking den Zwölf-PS-Standmotor von Lenz Hecht aus Eglersried als Weißwurstkocher.

Mehr als 50 uralte Motorräder und eine Reihe sehenswerter Automobile aus der Vor- und Nachkriegszeit konnten die Besucher bewundern. Robert Luttner aus Großinzemoos ist mit seinem Wehrmachtsgespann gekommen. Herbert Rath aus Tegernbach konnte eine besondere Rarität präsentieren: Sein D-Rat mit kutschenähnlichem Beiwagen ist 1928 in Berlin-Spandau gebaut worden und hat Ende der 20er Jahre in der Bundeshauptstadt als Taxi gedient.

Unter den Automobilen stach der Buick Tourer von Rudi Bichler aus Altstetten heraus. Töchterchen Maria durfte in dem 1925 gebauten Wagen mitfahren. Das noble Fahrzeug wurde 1925 in den USA hergestellt, berichtete Bichler. Er hat dieses Auto vor drei Jahren in einem Hinterhof in Karlsfeld entdeckt und dann in mühevoller Kleinarbeit hergerichtet.

Auch Ulrich Döderlein aus Orthofen liebt alte Autos. Er ist mit einem Leon Bollee vorgefahren, der 1929 in Le Mans gebaut wurde. Stolz ist Döderlein, dass dieses 50-PS-Fahrzeug noch den ersten Lack vorweisen kann. Als elegantes Fahrzeug hat sich der Daimler Benz 170 S vorgestellt, der von Johann Toni aus Senkenschlag gefahren wird. 1952 ist dieser Mercedes erstmals auf die Straße gekommen, doch er steht noch da wie neu.

Unter der Vielfalt an Automobilien durften auch Kleinfahrzeuge wie ein altes, aber fein herausgeputztes Goggomobil aus Pfaffenhofen/Ilm und eine NSU Prinz aus Aindling nicht fehlen. Die Kfz-Kennzeichen verrieten, dass Oldtimerfreunde aus dem ganzen oberbayerischen Raum Puch zu schätzen wissen. Entsprechend groß war der Ansturm aufs Festzelt..

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