Landgericht: Späte Reue des Unschuldslamms

Dachau - In Dachau war das Ehepaar wegen Betrugs verurteilt worden. Doch die beiden wollten das Urteil nicht akzeptieren, sie seien doch unschuldig. In der Berufungsverhandlung kam dann aber doch die Wahrheit heraus.

Als das Auto des Sohnes nach einem Unfall auf der Autobahn kaputt war, brachte es ein Ehepaar aus Neufahrn (42 und 41) zu einer Werkstatt in Dachau. Dort unterschrieben die beiden am 13. Mai 2011 einen Schuldschein über 4000 Euro. Doch bezahlt haben sie nie, sie sind völlig mittellos. Deshalb verurteilte sie das Amtsgericht in Dachau wegen Betrugs. Der zwölffach vorbestrafte, gelernte Drucker wurde unter Einbeziehung einer anderen Strafe zu einem Jahr Haft verurteilt, die Hausfrau zu einem halben Jahr mit Bewährung. Doch das wollten sie nicht auf sich sitzen lassen und legten Berufung beim Landgericht München II ein.

Die Verteidigerin stellte gleich klar, dass der ganze Sachverhalt bestritten werde. Bei der Abholung des Autos hätten die Neufahrner 1000 Euro Anzahlung mitgebracht. Sie seien dann „etwas überrumpelt“ worden. Der Kostenvoranschlag hätte nämlich nur 2000 bis 2500 Euro vorgesehen - als sie auf den Hof kamen, seien es auf einmal mehr gewesen. Sie hätten dann den vorgelegten Schuldschein unterschrieben - die Ehefrau sogar, obwohl sie Analphabetin sei. „Es gab keine Betrugsabsicht“, sagte die Verteidigerin. Nie sei eine Rechnung oder Mahnung gekommen.

Das angeklagte Ehepaar, das von Sozialleistungen lebt, wies die Vorwürfe in der Verhandlung ebenfalls weit von sich. Sie hätten den Werkstatt-Inhaber gekannt und dort schon mal ein Auto reparieren lassen. „Wir wollten uns als Familie zusammentun und zusammenhelfen“, sagte der 42-Jährige. Der Sohn arbeite und verdiene Geld. Den Schuldschein habe er unterschrieben, obwohl er ihn gar nicht richtig angeschaut habe. „Wir haben alles auf Vertrauensbasis gemacht.“

Nach einem Rechtsgespräch zwischen Gericht, Staatsanwältin und Verteidigerin drehte sich die Sache allerdings. Die Vorsitzende Richterin stellte fest, dass das Amtsgericht aus formellen Gründen gar keine Gesamtstrafe bei dem 42-Jährigen hätte bilden dürfen, so dass eine Einzelstrafe für den Dachauer Fall auszusprechen wäre. Bei einem vollen Geständnis sei eine Bewährung „nicht abwegig“. Daraufhin räumte der Neufahrner alles ein - und übergab dem Werkstatt-Inhaber schon mal 700 Euro. Seine Frau nahm ihre Berufung zurück.

Am Ende erhielt der arbeitslose Neufahrner die gleiche Strafe wie seine Frau. Das Landgericht München II verurteilte ihn zu einem halben Jahr auf Bewährung. Nach „anfänglichen Holpersteinen“ habe er sich doch einsichtig und reuig gezeigt - und das Geld von der Sparkasse geholt, sagte die Vorsitzende. Deshalb setze das Gericht Vertrauen in ihn. Außerdem will der Neufahrner ab Oktober in der Firma seines Sohnes arbeiten.

Die Richterin abschließend: „Wir haben die Hoffnung, dass Sie uns nicht mehr auf der Tasche liegen.“ (mm)

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