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Ein Blick in die Zukunft: Landrat Stefan Löwl stellt sich den Herausforderungen eines wachsenden Landkreises, die auf der Wohnungsbaukonferenz vor wenigen Tagen im Schloss Dachau auf großen Stellwänden skizziert wurden. 

Interview über das Bevölkerungswachstum im Landkreis Dachau

Landrat Stefan Löwl: „Wir bleiben leider hinter der Welle“

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Wohnungsnot, Verkehrskollaps, fehlende Kita-Plätze: Die Bevölkerung wächst so rasant, dass die Infrastruktur nicht hinterherkommt. Landrat Stefan Löwl erklärt, welche Auswirkungen das Wachstum auf das Miteinander in den Gemeinden hat, hebt aber auch die positiven Aspekte hervor.

In den vergangenen zehn Jahren ist der Landkreis um 16 000 Menschen gewachsen. Damit ist keineswegs Schluss. Kann diese Entwicklung so weitergehen?

Das Problem von Prognosen ist, dass sie die Zukunft betreffen und man viele Entwicklungen nicht abschätzen kann. Aber ich glaube auf jeden Fall, dass wir weiterhin ein Wachstum haben werden. Die Prognosen vom Landesamt für Statistik sagen uns bis 2035 eine Einwohnerzahl von über 170 000 hier im Landkreis voraus, also nochmals gut 20 000 Einwohner mehr. Wir haben weltweit eine Tendenz zur Urbanisierung. Diese Entwicklung macht mir Sorge und muss behutsam begleitet werden, weil sonst eine schlechte Wohnqualität entsteht, mit all ihren gesellschaftlichen Problemen.

Können wir die Entwicklung steuern?

Die Frage ist: Inwieweit können wir sie gestalten? Steuern wird schwierig, da haben wir nur wenig Handwerkszeug, insbesondere auf lokaler Ebene. Wir, namentlich die Gemeinden, können zwar beim Thema Neulandausweisung bremsen, aber ein Verzicht darauf zieht massive Probleme nach sich: Die Immobilienpreise werden noch schneller steigen, so können sich beispielsweise Einheimische, deren Kinder hier bleiben wollen, kein Bauland mehr leisten. Auch die in unserer Region dringend gebrauchten Arbeitskräfte würden noch schwerer eine Wohnung finden oder könnten sich die Mieten noch weniger leisten als heute.

Es gibt Gemeinden, die Maßgaben beschlossen haben, nur ein begrenztes Wachstum zuzulassen. Funktioniert das überhaupt?

Diese Zielrichtung haben wir bereits im Projekt „Zwischen Dorf und Metropole“ festgelegt, mit dem Ziel, bis zu einem Prozent Wachstum pro Jahr zuzulassen. Dieses „1-Prozent-Ziel“ haben wir auch gerade so gehalten – trotz der knapp 1500 Flüchtlinge, die zu uns gekommen sind und mit denen 2012 noch niemand gerechnet hatte. Deshalb ist die Antwort: Man kann kleinteilig etwas lenken, man kann und muss die Dynamik gestalten, weil sich sonst am Immobilienmarkt eine Preisblase bildet.

Schulen, Kindergärten, wohnortnahe ärztliche Versorgung: Kann es in unserem Landkreis Probleme geben?

Ich glaube, wir haben diese Probleme bereits heute. Wir rennen den infrastrukturellen Entwicklungen seit Jahren hinterher – das gilt für Straßen und den ÖPNV ebenso wie für Schulen und die Erweiterung von Kläranlagen. Ein Beispiel: Ein Wohnbaugebiet zu errichten, dauert heute zwischen drei und fünf Jahren, eine Schule mindestens zehn, eine neue Straße mindestens ebenfalls zehn Jahre, genauso ein Radweg, Schienen sogar 20 oder 25 Jahre. In den vergangenen fünf Jahren ist der Landkreis um 10 000 Einwohner gewachsen und ungefähr auch um 10 000 Autos. Das bedeutet neben den Wohnungen alleine für den ruhenden Verkehr gute 50 Kilometer Straßenrand, wo die Fahrzeuge geparkt werden, wenn nicht auf den Grundstücken genug Platz dafür ist. Die öffentliche Infrastruktur, ob Verkehr, Schulen, Kindergärten, kommt bei diesem Wachstum aktuell nicht hinterher. Und das spüren wir bereits: Kinder bekommen keinen Kindergartenplatz, die Schulen werden oder sind schon zu eng, die Straßen übervoll, ebenso wie die S-Bahnen.

Was sind die positiven Aspekte des Wachstums?

Die Menschen in unserem Landkreis hatten noch nie solche Möglichkeiten und Chancen. Das fängt bei der Bildung an, die vielfältig und wohnortnah ist. Wir bekommen jetzt ein viertes und ein fünftes Landkreisgymnasium, die Mittelschulen sind hochmoderne, hochkompetente Schulen, und auch unsere Realschulen sind flächig im Landkreis disloziert. Wir haben seit Jahren eine äußerst geringe Arbeitslosigkeit. Wir haben kulturelle Angebote, so vielfältig wie noch nie und fast in jedem Ort. Die Gesundheitsversorgung ist, zumindest im Vergleich zu vielen anderen Regionen Bayerns und Deutschlands, sehr gut. Die demographische Entwicklung, die Lebenserwartung, die Armutsquote, das Durchschnittseinkommen und Vermögen, all die Bereiche, über die man Wohlstand zumindest bisher definiert hat, sind so gut wie noch nie. Aber man darf sich von Durchschnittszahlen nicht blenden lassen. Viele Menschen haben vom Wachstum nicht profitiert und leben von der Substanz.

Was macht den Landkreis Dachau aus? Wie bewahren Sie seinen Charakter?

Charakter bewahren ist schwierig, weil wir keine Käseglocke drüber stülpen können – und auch nicht wollen. Der Landkreis hatte vor 50 Jahren einen anderen Charakter als vor 100 Jahren und auch als noch vor 25 Jahren. Eine Gesellschaft entwickelt sich ständig weiter, ebenso ein Landkreis. Zwischen Dorf und Metropole: Dieses Schlagwort beschreibt den Charakter unseres Landkreises relativ gut. Wir liegen in einer pulsierenden Metropolregion rund um München, wir können all die damit einhergehenden Möglichkeiten und Chancen nutzen: mit Arbeitsmarkt, Bildung, Kultur, medizinischer Versorgung. Aber gleichzeitig sind wir auch noch Dorf: mit Nachbarschaft, Solidarität, Ehrenamt, Vereinen, dörflicher Identität, Natur und Traditionen. Ich wohne im Dorf, habe aber die Vorteile der Metropole vor der Haustür – das ist die Besonderheit, die den Landkreis ausmacht. Wir haben hier eine hohe Lebens- und Freizeitqualität. Die Menschen können im Landkreis Dachau sehr sehr gut, sicher, zufrieden und zum Großteil auch im Wohlstand leben.

Aber immer weniger Menschen sind bereit, sich ehrenamtlich zu engagieren. Ist das eine Auswirkung des Zuzugs auf die Sozialstruktur der Gemeinden?

Genau das bekommen wir aktuell massiv zu spüren. Auch weil viele Menschen –gerade beim Zuzug je näher an München – nicht kommen, um ihr Leben hier zu verbringen, sondern weil sie ihren Lebensmittelpunkt woanders haben oder weil sie wissen, dass sie nur vier oder fünf Jahre hier bleiben. Natürlich engagiert sich einer, der voll im Job und vor dem nächsten Karriereschritt steht, weniger bei der Feuerwehr oder im Sportverein. In den Orten, in denen es neues Wachstum gibt, mit größeren Neubaugebieten, verschiebt sich etwas. Man merkt, dass Personen im Ort wohnen, die die öffentlichen Einrichtungen nutzen, eine Erwartungshaltung haben, aber selbst sich nicht einbringen in die örtliche Gemeinschaft. Die Anzahl der Personen, die beispielsweise für den Feuerwehrdienst auch tagsüber zur Verfügung steht, wird durch den Zuwachs nicht unbedingt größer, sondern stagniert. Diesen großen Herausforderungen versuchen wir zu begegnen: Wir bieten Unterstützung für Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren wollen mit der KoBe, dem Koordinierungszentrum für Bürgerschaftliches Engagement, oder mit verschiedenen Tagen der offenen Tür, den lokalen Messen, wie dem Tag der Regionen, oder bei Dorffesten.

Eine weitere Veränderung ist auch das Armutsrisiko, das steigt.

Der Landkreis Dachau ist eigentlich ein sehr reicher Landkreis. Aber natürlich besteht auch hier ein Armutsrisiko, gerade weil viele Menschen in Miete wohnen. Und sollte die Wirtschaft abflauen, die Arbeitslosigkeit steigen oder ein persönlicher Schicksalsschlag eintreten, besteht die Gefahr, dass man dann aufgrund der hohen Lebenshaltungskosten in finanzielle Schwierigkeiten gerät. Dieses Risiko ist eng mit dem Thema Wohnen verknüpft. Und natürlich gibt es auch in einem reichen Landkreis immer Menschen, die an diesem Reichtum nicht partizipieren können. Dies sind oft ältere Menschen, die aufgrund der Einkommensstruktur und der Rentenstrukturen sich das Leben hier kaum mehr leisten können.

Was machen Sie, damit Senioren nicht wegziehen müssen?

Billigeren Wohnraum anbieten und dafür den sozialen Wohnungsbau und den preisgünstigen Wohnungsbau forcieren. Wir haben aktuell 464 Wohnungen bei der Wohnungsbaugesellschaft im Landkreis, mein Ziel sind 666. Aber sozialer Wohnungsbau alleine wird es nicht schaffen. Wir werden auch weitere normale Wohnungen bauen müssen und auch Wohnungen für kommunale und soziale Fachkräfte, zum Beispiel Schwesternwohnheime. Das Klinikum und der Landkreis wollen sich hier deutlich stärker engagieren. Ich hoffe, dass wir mehrere Projekte für Mitarbeiterwohnen zeitnah in Angriff nehmen können und zumindest für Krankenhauspersonal sowie kommunale Bedienstete Wohnungen anbieten können. Dass neue Wohnungen gebraucht werden, für sozial Schwache, Rentner bis hin zu den Mitarbeitern im öffentlichen Dienst, im sozialen Bereich und im Handwerk, ist inzwischen auch bei allen Gemeinden angekommen. Und es gibt auch neue Unterstützungsangebote, beispielsweise die neugegründete Genossenschaft für pflegende Angehörige. Dort geht es darum, den Wohnungsleerstand zu wandeln.

Wieviele Wohnungen stehen im Landkreis leer?

Wir haben das Phänomen, dass wir laut Statistik wohl um die 1800 leerstehende Wohnungen im Landkreis haben, wobei wir die Gründe hierfür nicht kennen. Aber das wollen wir nun herausfinden. Auf Initiative von Bürgermeister Richard Reischl soll in einem Projekt mit Hebertshausen und Markt Indersdorf als Schwerpunkt und im Zusammenwirken mit der Caritas herausgefunden werden, warum Wohnungen leer stehen und wie man diese vielleicht aktivieren kann.

Weg vom Wohnen, hinaus auf die Straßen. Mit den Einwohnern werden ja auch die Autos mehr.

Das Interessante ist, dass wir bei einem Einwohnerwachstum von 10 500 Personen in den letzten 5 Jahren ein Kfz-Wachstum von 10 300 verzeichnet haben. Es gibt Zweit- und Drittwagen, im Zweifel sogar Viertwagen, obwohl es nur ein oder zwei Fahrer gibt – auch das können wir nicht direkt steuern. Wir können niemandem verbieten, ein Auto zu kaufen. Das große Problem mit den Autos ist, dass es durch die permanente Verfügbarkeit noch immer sehr attraktiv ist. Außerdem sind die Fixkosten für ein Auto bei den Nutzern meistens nicht präsent, sondern es wird nur der Spritverbrauch aufgerechnet, nicht die Realkosten. Deshalb verliert der ÖPNV beim gefühlten Kostenvergleich, obwohl er in vielen Fällen bei einer finanziellen Gesamtbetrachtung deutlich günstiger wäre.

Im ländlichen Raum ist das Auto natürlich das Transportmittel Nummer 1.

Genau, und wir müssen hier auch ehrlich sein: Das ist nicht zu verhindern und wird sich perspektivisch auch nicht ändern lassen. Ich glaube, wir können eine innerörtliche, eine lokale Mobilität erreichen, indem man Fußgänger-, Radverkehr und ÖPNV verbessert. Der Weg zum Kindergarten vor Ort, zum Supermarkt vor Ort: Dort ist es möglich, Alternativen gegenüber dem Auto zu schaffen.

Wie?

Wenn wir den innerörtlichen Raum aufwerten wollen, für Fußgänger, Radfahrer und Busse, dann müssen wir den motorisierten Individualverkehr (MIV), der sicherlich nicht weniger wird, rausnehmen. Pfaffenhofen hat es geschafft, mit seinen beiden Umfahrungen – hier kann man inzwischen in der Zone 30 mit seinen Kindern Federball spielen, weil man die Flächen zurückgewonnen hat. Früher sind dort tausende von Pendler aus dem Raum Mering/Kissing und Königsbrunn mitten durch die Orte gefahren, heute fahren sie daran vorbei. Und für solche Lösungen gibt es Potenziale im Landkreis, beispielsweise in Petershausen, in Indersdorf, wo wir am Klosterareal ja schon dabei sind, in Stetten, Schwabhausen, Hebertshausen, Erdweg – und letztendlich auch in Dachau. Dort ist es zwar schwieriger, weil man den Verkehr bei einer so großen Stadt nicht komplett herausnehmen kann. Aber die geplanten Umfahrungen bieten die Möglichkeit, dass innerstädtisch Platz geschaffen wird, um die bestehenden Verkehrsflächen neu zu verteilen: mit Einbahnregelungen, Vorrangspuren für Busse, Fahrradstraßen. Das Ziel, den Individualverkehr in den Innenstädten – ob in Dachau oder in München – spürbar zu verringern, wird man aber wohl nur mit stringenten Maßnahmen, angefangen von der City-Maut über temporäre Fahrverbote bis hin zu Einfahrverboten, und damit nur durch massive Einschränkungen der individuellen Freiheit, unserer Flexibiltät und mehr oder weniger auch unseres Wirtschaftsraums, erreichen können. Für den ländlichen Raum braucht es andere Lösungen. Was uns nicht gelingen wird, ist, flächendeckend einen ÖPNV anzubieten, der in seiner Nutzbarkeit und Attraktivität mehr oder weniger dem MIV gleichkommt.

Also droht der Verkehrskollaps?

Das ist eine der Gefahren für unseren Ballungsraum, wie man auch in anderen Ballungsräumen sehen kann. Wer in Paris mal Auto gefahren ist, oder in Los Angeles, Mexico-Stadt, Peking oder Neu-Delhi war, der weiß, wie es auch sein kann: Da sind Wegstrecken von zwei, drei Stunden im Stau stehend normal. Das können wir nur vermeiden, indem wir an Knotenpunkten leistungsfähige und zuverlässige ÖPNV-Verbindungen zur Verfügung stellen, wie das Projekt in Breitenau. In Petershausen gibt es das schon ganz konkret: der Pendlerparkplatz mit 1300 Parkplätzen. Alle Autos, die dort bleiben, 1500 bis 1800 Autos über den Tag, sind 1500 bis 1800 Autos weniger in Röhrmoos, in Haimhausen, in Hebertshausen und in Dachau. Und was die Pendlerströme nach München angeht: Hier sind wir angewiesen auf den Infrastrukturausbau, auf neue S-Bahn-Gleise und -Züge, auf Seilbahnen oder andere Massenverkehrsmittel. Und dort liegt unser größtes Problem: die Zeit! Bei der Umsetzung von Infrastrukturmaßnahmen, selbst bei der Vergabe von Verkehrsleistungen im ÖPNV, reden wir von Verfahren und Zeiten, die jeden gestaltungswilligen Politiker verzweifeln lassen. Wenn ich sage, ich möchte heute was haben und in 20 Jahren kommt es, dann ist das nicht nur für die Problemlösung zu spät, sondern auch kaum vermittelbar.

Was kann man schnell umsetzen – etwa eine Umfahrung bei Badersfeld oder den Anschluss an die B471 bei Neuhimmelreich?

Diese Maßnahmen sind im MIV-Gutachten untersucht –aber auch hier gilt: Es dauert mindestens zehn Jahre, gerechnet ab dem politischen Beschluss. Das Ergebnis dieses Gutachtens zeigt aber, dass wir durch Straßenbaumaßnahmen bei uns im Landkreis die Verkehrsströme lediglich neu kanalisieren und ggf. einzelne Orte entlasten können. Wir werden aber keine großräumigen Umlagerungen erreichen. Die Menschen, die am Westen Dachaus vorbei wollen in Richtung A8, die fahren jetzt schon durch Bachern oder durch Kreuzholzhausen. Die im Osten vorbei müssen, fahren heute bereits über Badersfeld. Immer auf Strecken, die für diese Verkehre nicht geeignet sind. Daher müssen wir uns fragen, ob bzw. welche Straßenprojekte wir planen wollen, um Ortsteile oder, wie in Badersfeld, ein schützenswertes Moor und Naturgebiet zu schützen? Die geplante Ostumfahrung Dachau verläuft hauptsächlich durch intensiv genutzte Felder. Abgesehen von einem kleinen Bereich Bannwald sowie einigen Grubenstrukturen im Norden und einer Querung eines Stücks FFH-Gebiets im Süden ist die Trasse ökologisch gesehen nicht besonders wertvoll.

Hilfe, Flächenfraß!

Das Wort Flächenfraß ist schon falsch. Die Fläche wird ja nicht gefressen, sondern nur für die und von den Menschen anders genutzt. In der aktuellen Diskussion werden ja auch Friedhöfe, Parks wie der Englische Garten in München oder Sportanlagen als „versiegelt“ bewertet. Hier muss man ehrlich diskutieren. Wir werden es nämlich nicht schaffen, auf der bestehenden Fläche das komplette Wachstum abzuwickeln. Wir werden uns auch flächenmäßig entwickeln müssen. Wir können und wollen natürlich keine Betonwüsten mehr schaffen für überirdische Parkplätze, das ist klar. Aber eine neue Straße, eine Radweg, das sind Marginalien in Bezug auf die Gesamtfläche. Wenn ganz Bayern ein Fußballfeld wäre, dann wäre aktuell in etwa der Fünf-Meter-Raum betoniert; einer, nicht beide! Bei uns im Landkreis haben wir beispielsweise Gewerbegebiete auf 342 Hektar. Nur die landwirtschaftliche Nutzfläche, ohne Wälder, ohne Seen und ohne bebauten Bereich beträgt 37 880 Hektar. Wir reden von Dimensionen, die aktuell leider nicht realistisch wahrgenommen werden.

Hätten wir diese Entwicklung nicht vorhersehen müssen?

Das frage ich mich auch. Aber wer hätte sich vor 10, 15 – und mit Blick auf Schieneninfrastrukturprojekte eher sogar vor 25 – Jahren gedacht, dass München so einen Aufschwung nimmt? Man kann eine Prognose immer von rückwärts rechnen, aber die nach vorne ist äußerst schwierig. Was mich heute aber besonders frustriert, sind die vielen, sich teils widersprechenden Vorgaben und langjährigen Verfahren: Wenn ich genau weiß, dass ich irgendwann etwas Größeres brauche, dann darf ich es heute nicht bauen. Zuerst muss immer erst der Bedarf da sein, bevor dieser dann befriedigt wird. Bei uns sind alle Kapazitäten, die wir mal hatten, zwischenzeitlich vollgelaufen – bei den Schulen, bei den Straßen, bei den S-Bahnen. Durch diese Nach-hinten-Orientierung sind wir immer hinter der Welle – und bleiben es leider auch.

Interview: Nikola Obermeier

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