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Die deutlich geringere Anzahl von Lkw-Fahrten mit der Verwertung des Klärschlamms bei der GfA in Geiselbullach führt zu einer Einsparung von 270 Tonnen CO2.

Klärschlamm regional und optimal entsorgen

Schluss mit der Klärschlamm-Rallye

Der Klärschlamm aus den Anlagen in den Landkreisen Dachau und Fürstenfeldbruck könnte in Zukunft am Standort des Abfallheizkraftwerks der GfA in Geiselbullach entsorgt werden – regional und ökologisch vorteilhaft. Die Gemeinderäte im Landkreis werden derzeit über die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie informiert und um den Beitritt zu einem Interkommunalen Zweckverband gebeten.

VON CORNELIA HARTMUTH

Petershausen Als erste Landkreisgemeinde hat Petershausen der Absichtserklärung für den Beitritt eines interkommunalen Zweckverbands zugestimmt, der für die Verwertung des Klärschlamms aus den kommunalen Anlagen in den Landkreisen Dachau und Fürstenfeldbruck zuständig ist. Wegen der Verschärfung der Klärschlammverordnung aus dem Jahr 2017 gibt es laut Bürgermeister Marcel Fath (FW) fast keine Entsorgungsmöglichkeiten mehr. Bisher konnten Landwirte den Klärschlamm auf den Feldern ausbringen.

Anfang 2019 hatten sich deshalb die Kommunen der beiden Landkreise auf eine Machbarkeitsstudie geeinigt, die klären soll, ob der anfallende Klärschlamm am Standort des Abfallheizkraftwerks der GfA in Geiselbullach verwertet werden kann. Über ihre Ergebnisse informierten Johannes Brühl, technischer Leiter bei der GfA, und Matthias Jung vom Amper-Verband die Petershauser Gemeinderäte. Das Fazit: Ein regionales Management und eine ökologisch vorteilhafte Entsorgung der Klärschlämme sind in Geiselbullach zu derzeit marktgängigen Kosten möglich.

Für die GfA sprechen nach Aussage der Fachleute, dass Geiselbullach in der Mitte der beiden Landkreise liegt und das Abfallheizkraftwerk sowohl personell als auch von der technischen Ausstattung und Infrastruktur her für die Klärschlammverwertung gute Voraussetzungen mitbringt. Das kommunale Unternehmen würde seine Betriebsflächen, Infrastruktur, Personal und auch ein Grundstück zur Verfügung stellen.

Die Zwischenlagerung der Asche-Rückstände mit hoch konzentriertem Phosphor wäre in der Reststoffdeponie Jedenhofen möglich, bis es eine Möglichkeit zum Phosphorrecycling gibt. Ab 2029 muss dies umgesetzt werden.

Derzeit gibt es nur Pilotprojekte dazu. Die GfA würde den Klärschlamm entwässern und in einer noch zu bauenden Trocknungsanlage trocknen. Ziel sind 90 Prozent Trockensubstanz, die dann einer Mono-Verbrennung zugeführt wird. Die dabei anfallende Energie entspricht 1,2 Millionen Liter Heizöl. Sie könnte in das Energienetz der GfA oder für Fernwärme genutzt werden. Abnehmer für Wärme hat die GfA bereits. Ausgerichtet wäre der neue Zweckverband für 70 Kommunen, knapp 640 000 Einwohner – derzeit sind es knapp 400 000 Einwohner – und 30 Kläranlagen.

Der Klärschlammanteil von Petershausen beispielsweise läge bei einem Prozent, was etwa 25 000 Tonnen im Jahr entspricht. Rechnet man die Strecken zusammen, die gefahren werden müssen, um den Klärschlamm in beiden Landkreisen der Entsorgung zuzuführen, dann ergibt das insgesamt 450 000 Kilometer. Mit der Verwertung bei der GfA wären es nur 31 000 Kilometer. Durch die deutlich geringere Anzahl von Lkw-Fahrten könnten jährlich 270 Tonnen CO2 eingespart werden. Für Olching kämen pro Tag 1,4 bis vier Lkw-Fahrten hinzu.

Mittels eines Zweckverbands den Klärschlamm entsorgen zu lassen, sei eine gute Möglichkeit, so Günter Fuchs (CSU). Andrea Stang (FW) begrüßt es, den Klärschlamm „regional und ohne großen Mülltourismus zu verarbeiten“. Um Kosten bei den Fahrten zu reduzieren, schlug Fath vor, eine Pressanlage für die Kläranlage anzuschaffen, damit der Wassergehalt auf 65 Prozent gesenkt werden kann.

Das weitere Vorgehen: Bis Juni werden alle Gemeinden der beiden Landkreise um ihre Zustimmung zur Absichtserklärung gebeten. Bisher zugestimmt haben neben Petershausen bereits Indersdorf, Erdweg, Weichs sowie Vierkirchen. Die Marktgemeinde Altomünster ist vor etwa 13 Jahren dem Zweckverband Steinhäusle (bei Ulm) beigetreten. Seitdem fahren etwa alle 14 Tage drei Container zu dieser Klärschlammverwertungs-Anlage.

Ende des Jahres könnte der Zweckverband gegründet, 2021 mit dem Bau des Trockners begonnen werden. Und etwa ab 2024 könnte die Verwertung beginnen. Die Investitionskosten sind noch offen. „Aber der Zweckverband will keinen Gewinn erzielen“, versicherte Jung. Fath geht davon aus, dass es wegen der neuen Phosphatregelung nicht günstiger wird als bisher. Einstimmig votierten die Gemeinderäte in Petershausen für die Gründung eines Zweckverbands für die Klärschlammentsorgung.

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