In der Seniorenresidenz gibt es viele Corona-Fälle.
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In der Seniorenresidenz Pro Seniore in Ebersbach gibt es viele Corona-Fälle.

35 Bewohner und 17 Mitarbeiter positiv getestet

Corona-Ausbruch in Seniorenheim Pro Seniore

  • Nikola Obermeier
    vonNikola Obermeier
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  • Stefanie Zipfer
    Stefanie Zipfer
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35 Bewohner und 13 Mitarbeiter der Seniorenresidenz Pro Seniore in Ebersbach sind mit dem Coronavirus infiziert. Die Herkunft der britischen Virus-Mutation, die bei einem 38-jährigen Patienten im Klinikum Dachau festgestellt wurde, ist unterdessen weiter ungeklärt.

Weichs – In der Seniorenresidenz Pro Seniore in Ebersbach kämpfen die Verantwortlichen derzeit mit einem Corona-Ausbruch. Wie Pro-Seniore-Sprecher Peter Müller bestätigt, wurden zuletzt 35 der 108 Bewohner sowie 13 der 78 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet. Ins Krankenhaus habe aber – Stand Montag – noch keiner der Infizierten eingeliefert werden müssen. Die Mitarbeiter, so Müller, würden keine oder lediglich milde Symptome zeigen; bei den infizierten Senioren seien maximal grippeähnliche Symptome festgestellt worden.

Bemerkenswert: Am 27. Januar waren einige der Bewohner gegen Corona geimpft worden. Von diesen Senioren hat sich bislang niemand mit dem Virus angesteckt. Müller zufolge zeige dies: „Mit Impfung scheint man tatsächlich besser gewappnet zu sein als die, die keine Impfung bekommen.“  

Das Virus war vermutlich über einen Mitarbeiter in die Einrichtung gekommen. Diese würden zwar täglich vor Schichtbeginn einem Corona-Schnelltest unterzogen; doch sind die Tests fehleranfällig. Der Dachauer Versorgungsarzt Dr. Christian Günzel etwa hatte vor Monaten schon in der Heimatzeitung gewarnt, dass Schnelltests vor allem bei Infizierten, die keine Symptome aufweisen, oft ein negatives Testergebnis ausweisen würden.

Sprecher Müller zufolge grassiert das Virus schon seit 18. Januar im Ebersbacher Heim. Mithilfe strenger Maßnahmen habe man die Zahl der Infizierten dann eine zeitlang mit maximal 13 positiven Fällen niedrig halten können: „Wir kamen gut durch“, so Müller. Ab 27. Januar jedoch schossen die Zahlen nach oben – und bleiben mit knapp einem Drittel infizierter Bewohner seitdem seit Tagen hoch.

In Zusammenhang mit dem Corona-Ausbruch sind in der Einrichtung auch vier Senioren verstorben. „Sie waren alle hochbetagt und in palliativer Betreuung“, so Müller. Die Verstorbenen seien also bereits „auf ihrem letzten Weg gewesen“.

Mutation

Die einzige Person aus dem Landkreis, bei der bisher die Covid-Variante B.1.1.7, die britische Mutation, festgestellt wurde, ist ein 38-jähriger Dachauer (wir berichteten). Der Mann wird auf der Intensivstation des Helios Amper-Klinikums behandelt. Aktuell zeige sich ein erfreulicher Verlauf, wie Pandemiebeauftragter und Leiter des Notaufnahme, Alexander von Freyburg, mitteilt. „Eine Beatmung ist nicht mehr nötig, sondern nur noch die Gabe von Sauerstoff.“ Aktuell gebe es keinen weiteren Patienten oder einen Mitarbeiter im Klinikum, bei dem diese SARS-CoV-2-Variante nachgewiesen wurde.

Wo der Mann sich angesteckt haben könnte, ist indes noch nicht klar. Laut Gesundheitsamt konnte er bislang erst kurz befragt werden; für ein ausführliches Gespräch sei sein Zustand aber noch nicht stabil genug gewesen. Auch die Lebensgefährtin des 38-Jährigen konnte zur Infektion ihres Partners laut Behördensprecher Wolfgang Reichelt bislang keine Erkenntnisse liefern. Ob die Frau ebenfalls mit der britischen Virusvariante infiziert ist, ist ebenfalls weiter unbekannt. Reichelt zufolge stehen die Analyseergebnisse dazu noch aus.

Seit etwa zwei Wochen nimmt das vom Klinikum beauftragte Pettenkofer-Institut in München Sequenzierungen, also die Überprüfung der Gen-Sequenz auf eine Mutation, bei allen positiven Proben vor und analysiert auch rückwirkend Proben ab Dezember, erklärt von Freyburg. Es sei durchaus möglich, dass bei Corona-Infektionen die Variante B.1.1.7 die vorherrschende Variante werden könnte, aufgrund der leichteren Übertragbarkeit und des höheren Ansteckungspotenzials. „Entsprechend bleibt die Einhaltung der Lockdown- und der AHA-AL-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske, Corona-Warn-App, Lüften) das wichtigste Werkzeug, um ein erneutes exponenzielle Wachstum zu verhindern.“ Die bestehenden innerklinischen Schutzmaßnahmen und Therapien seien auch bei dieser Variante wirksam – „ebenso ist nach aktueller Studienlage eine gute Wirksamkeit der Impfungen zu erwarten“.

Tests, die im Testzentrum in Indersdorf oder bei den Ärzten im Landkreis genommen werden, durchlaufen dagegen – zumindest bislang – nicht das aufwendige Sequenzierungsverfahren. Grund: Die Analyse möglicher Coronamutationen ist wesentlich teurer als die bisherige Analysemethode. Inwieweit sich die britische Coronamutation im Landkreis ausgebreitet hat, kann laut Reichelt daher nicht sicher beurteilt werden.  

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