Einen massiven Rückgang der Unfallzahlen gab es in 2020.
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Einen massiven Rückgang der Unfallzahlen gab es in 2020.

Deutlicher Unfall-Rückgang wegen Corona

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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Die Corona-Pandemie wirkt sich massiv auf die Unfallstatistik aus: Auf den Straßen des Landkreises hat es im vergangenen Jahr deutlich weniger gekracht. Sorgen bereitet der Dachauer Polizei allein der massive Anstieg bei Unfällen mit E-Bikes.

Landkreis – 4128 Verkehrsunfälle zählte die Polizei im vergangenen Jahr in Stadt und Landkreis Dachau. Das ist deutlich weniger als in den Vorjahren, zum Vergleich: 2016 waren es 5005 Unfälle, 2017 waren es 4833, 2018 waren es 4819 und 2019 waren es 4814. Entsprechend zum Rückgang der Gesamtzahlen verringerte sich auch die Zahl der Verletzten: 708 im Jahr 2020, wohingegen es im Vorjahr noch 831 und im Jahr 2017 sogar noch 969 waren.

Unfallschwerpunkt Indersdorfer Gabel: Insgesamt 17 Mal hat es dort 2020 gekracht.

Lediglich die Zahl der Verkehrstoten stieg in 2020 mit zehn – im Jahr 2019 waren es vier – wieder an. Andreas Knorr, Verkehrsexperte der Polizei Dachau, aber sagt, dass diese Steigerung noch „im Rahmen“ und schlicht darauf zurückzuführen sei, dass es im vergangenen Jahr leider zu Unfällen mit jeweils mehr als einem tödlich Verletzten gekommen war.

Als Unfallursache registrierte die Polizei Knorr zufolge die „Klassiker“: also zu wenig Abstand, zu hohe Geschwindigkeit und Abbiegefehler. Was Knorr als Unfallursachen explizit nicht aufführt: Alkohol und Drogen. So weist die Statistik für 2020 „nur“ 44 Unfälle mit Alkohol und fünf Unfälle mit Drogen als Ursache aus; im Jahr 2019 lag die Zahl der Alkohol bedingten Unfälle noch bei 67, Drogen bedingte Unfälle gab es 2019 acht.

Sowohl für den Rückgang der Gesamtunfallzahlen als auch für den Rückgang der Alkohol- und Drogenfahrten gibt es Knorr zufolge nur einen Grund: die Corona-Pandemie. „Es sind schlicht weniger Leute unterwegs.“ Untertags lag dies am Lockdown beziehungsweise der Tatsache, dass viele sich den Weg zur Arbeit sparten und im Homeoffice arbeiteten; nachts waren die Straßen wegen ausgefallener Feste, geschlossener Gastronomie und Ausgangssperre leer.

Corona dürfte Knorr zufolge auch ein Faktor dafür gewesen sein, dass es im Jahr 2020 wesentlich weniger Raser-Unfälle gab als in den Vorjahren: So hatte im Jahr 2016 überhöhte Geschwindigkeit noch zu 187 Unfällen geführt, 2020 gab es davon nur noch 99. Allerdings, so Knorr, sei die Zahl der Raser schon lange rückläufig: Durch die „flächendeckenden Geschwindigkeitskontrollen“ sowohl der Polizei, als auch der Kommunen habe wohl ein Umdenken bei den Fahrern eingesetzt. Diese Kontrollen seien „sogar während Corona“ fortgesetzt worden.

Bemerkenswert an dem jüngsten Zahlenwerk ist jedoch, dass, obwohl die Unfallzahlen insgesamt um 14 Prozent gesunken sind, ein Bereich außen vor bleibt. Knorr formuliert es so: „Im Bereich Fuß- und Radverkehr verzeichnen wir keinen nennenswerten Rückgang der Unfallzahlen.“ Konkret nahmen die Beamten im Vorjahr 182 Unfälle mit Radfahrern zu Protokoll, 30 Personen wurden dabei schwer, 147 Personen leicht verletzt; bei 102 dieser Unfälle war der Radler der Alleinverursacher. Unfälle mit Fußgängern gab es 41, wobei zwei Menschen dabei sogar getötet wurden.

Klar, sagt Knorr, ist für diese Zahlen erneut die Corona-Pandemie mitverantwortlich: Die Leute hätten einfach versucht, weniger in Bus und Bahn unterwegs zu sein. Hinzu kommt dem Verkehrsexperten zufolge aber auch der jüngste Trend zum E-Bike: „Da waren extrem viel mehr unterwegs als in den Jahren zuvor, die E-Bikes in den Geschäften waren ja zum Teil ausverkauft.“ Vom Prinzip her, so Knorr, sei diese Entwicklung „absolut begrüßenswert“, da so langfristig der Autoverkehr reduziert würde. Allerdings würden viele Fahrer ihre Räder „falsch einschätzen, die Geschwindigkeit ist einfach höher“. Die Folge: 22 Unfälle mit Pedelecs, wobei vier Personen schwer und 21 leicht verletzt wurden. Da ein „überproportionaler Anteil“ der Pedelec-Fahrer über 50 Jahre alt ist, empfiehlt Knorr unbedingt ein „Fahrsicherheitstraining“ oder zumindest ein „Üben im Hinterhof“, bevor die Räder von ihren Besitzern in Betrieb genommen werden.

Apropos üben: Den Schulkindern fehlt aufgrund des langen Lockdowns „die Routine“, wie Knorr betont. Verkehrsteilnehmer aller Art sollten daher in den kommenden Wochen, wenn die Kinder hoffentlich wieder zurückkehren an die Schulen, Rücksicht nehmen.

Das sind die Unfallschwerpunkte im Landkreis

Bei den Hauptunfallstrecken im Landkreis gab es im Jahr 2020 kaum Veränderungen zu den Vorjahren: Am häufigsten krachte es laut Statistik an der Staatsstraße 2047 (285 Unfälle), an der Staatsstraße 2339 (131), an der Staatsstraße 2050 (112) sowie an der B 471 (30). Die Hauptunfallknoten aber weisen Veränderungen auf. Polizei-Experte Andreas Knorr führt dies auf die zahlreichen Baustellen zurück, in deren Folge es dann auf den Umleitungsstrecken zu Unfällen kam. Beispiele: Da die Marktplatzdurchfahrt in Indersdorf gesperrt war, kam es an der Kreuzung der Staatsstraßen 2050 und 2054 (in Richtung Glonn) zu sechs Unfällen. Auch die Kreuzung Alte Römer- und Sudetenlandstraße in Dachau ist mit 14 Unfällen neu in der Statistik; Knorr zufolge hat sich der Verkehr von der zeitweise gesperrten Schleißheimer Straße dorthin verlagert. Die gesperrte Ortsdurchfahrt in Stetten führte dazu, dass es an der ohnehin stark belasteten Indersdorfer Gabel im Gemeindebereich Bergkirchen durch den zusätzlichen Umgehungsverkehr zu insgesamt 17 Unfällen kam sowie am bis dahin eigentlich ruhigen Rumeltshauser Kreisel zu acht. Alte Bekannte in der Statistik sind dagegen die Kreuzung B 304 und Bajuwarenstraße in Karlsfeld mit 17 Unfällen und die Münchner Straße in Dachau auf Höhe des MVZ, wo es im Jahr 2020 zwölf Mal schepperte. zip

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