Impfung Corona Horst Oschmann BRK
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Ein kleiner Pieks für Horst Oschmann: Arzthelferin Hamide Kokos nahm die erste Impfung im Landkreis Dachau vor.

Impfstart im Landkreis Dachau

Erste Corona-Impfung für BRK-Urgestein Horst Oschmann

  • Nikola Obermeier
    vonNikola Obermeier
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Der 92 Jahre alte Horst Oschmann ist als erste Person im Landkreis Dachau gegen das Coronavirus geimpft worden. Zum Impfstart wurden insgesamt 20 Personen im BRK-Heim Dachau sowie 80 Personen in Pflege- und Altenheimen im Landkreis von mobilen Teams geimpft.

Landkreis – Gelassen nahm Horst Oschmann den Pieks entgegen – obwohl viele Augen und Kameras auf ihn gerichtet waren. Der 92-jährige frühere Kreisgeschäftsführer des BRK Dachau erhielt gestern zum Impfstart die erste Dosis des Corona-Impfstoffes von Biontech und Pfizer – und einen großen Applaus.   

BRK-Kreisgeschäftsführer Paul Polyfka, Landrat Stefan Löwl, BRK-Vorsitzender Bernhard Seidenath, Versorgungsarzt Dr. Christian Günzel, Gesundheitsamt-Leiterin Dr. Monika Baumgartner, Rettungsdienst-Leiter Dennis Behrendt sowie weitere BRK-Mitarbeiter kamen zum Impfstart bei einem Pressetermin zusammen.

Insgesamt 100 Dosen hat der Landkreis gestern erhalten, 20 für das Impfzentrum in Dachau, 80 für Personen in Alten- und Pflegeheimen im Landkreis, die von mobilen Teams verabreicht wurden. „Bis zum Jahreswechsel stehen weitere 1300 Impfdosen zur Verfügung, ab Januar hoffen wir dann auf wöchentlich 1300 bis 2000 Impfungen“, erklärte Landrat Stefan Löwl.

Im Impfzentrum Dachau, das im BRK-Haus am Rotkreuzplatz eingerichtet wurde, herrschte gestern schon reger Betrieb. An allen sechs Stationen – Registrierung, Wartebereich, Arztgespräch, Impfstelle, Ruheraum, Checkout – klappte alles wie am Schnürchen. Dr. Christian Günzel versuchte, die Angst vor der Impfung zu nehmen. Auch wenn die Nebenwirkungen „nicht ohne“ seien – es können Fieber und grippale Reaktionen wie Gliederschmerzen auftreten – sei der Impfstoff von spezialisierten Konzernen getestet worden, „die das Knowhow hatten, das schnell umzusetzen“.

„Für mich war von Anfang an klar, dass ich mich impfen lasse“, sagte Horst Oschmann. „Ich bin davon überzeugt, dass nichts auf den Markt kommt, was nicht ganz sicher ist.“ Auch Ilsa Oberbauer (82) vom Heimatmuseum in Karlsfeld ist von der Impfung überzeugt. „Man fühlt sich sicherer so“, sagt die 82-Jährige und erste Karlsfelderin, die geimpft wurde. Sie lacht: „Eine Freundin hat schon gesagt, dass ich nun als Vorbild hingestellt werde!“

Astrid Christmann, Ehefrau des Altlandrats, wollte sich ursprünglich nicht impfen lassen – doch dann erkannte sie, dass sie mit gutem Beispiel vorangehen könne. „Man muss das Impfen popularisieren“, sagte ihr Mann Hansjörg Christmann.

Zu den 20 Personen, die gestern als Erste im Impfzentrum Dachau geimpft wurden, zählten außerdem Dr. Eduard Koschade, Gynäkologe und Gründer der Frauenklinik, Dr. Wilfred Landry vom MVZ, Alexander von Freyburg, Leiter der Notaufnahme im Amperklinikum, Pflegekräfte sowie Mitarbeiter des Rettungsdienstes, der Indersdorfer Chefarzt Dr. Björn Johnson, Pfarrer im Ruhestand Johannes Serz, Sabine Grimmer, Wohngruppenleiterin im Franziskuswerk, Dr. Horst Heres, ehemaliger Vorsitzender des Museumsvereins Dachau, und Dieter Hentzschel, Heimatfilmer und Buchautor aus Dachau. Eine Mischung aus Menschen, die nach der Impfverordnung zur Gruppe mit höchster Priorität gehören: Menschen ab 80 sowie Personen, die in stationären Einrichtungen betreut werden oder tätig sind oder auf Intensivstationen, in Notaufnahmen Rettungsdiensten oder Impfzentren arbeiten.

Die 9750 Impfdosen, die der Freistaat Bayern zum Impfstart erhalten hat, wurden aus geheimen Lagern an alle Landkreise verteilt. Ab 2. Januar plane das Landratsamt, die Hotline und Homepage freizuschalten, über die man sich selbst anmelden könne, so Löwl. Knapp 10 000 Menschen gehören zu der ersten Gruppe, die zunächst berechtigt ist, geimpft zu werden. Sollte ausreichend Impfstoff verfügbar sein, könne in den Impfzentren in Dachau und Karlsfeld sowie durch die mobilen Teams pro Tag 300 bis 1000 Impfungen vorgenommen werden, so Löwl. Mitte bis Ende Januar rechnet Löwl damit, dass die zweite Gruppe geimpft werden könne, zu der die Menschen über 70 zählen.

Der Impfstart sei laut Bernhard Seidenath „ein entscheidender Schritt im Kampf gegen Corona“. Paul Polyfka berichtete, dass 35 neue Kolleginnen und Kollegen das Impfzentrum in Dachau begleiten, zwölf Ärzte seien hinzugekommen. Über Weihnachten habe er weiterhin Bewerbungen studiert, neue Kollegen eingestellt.

Ein Selfie zur Erinnerung: Diana Tielman vom BRK hielt den historischen Moment mit Horst Oschmann per Handykamera fest.

Auf alle Geimpften wartet in drei Wochen die zweite Dosis, nach weiteren zehn Tagen ist die Immunität da. Horst Oschmann wird auch die zweite Impfung gelassen wegstecken. Diana Tielman vom BRK, die den 92-Jährigen gestern durch das Impfzentrum begleitete, attestierte ihm, dass er überhaupt nicht aufgeregt gewesen sei. „Und er war stolz, dass er der erste sein durfte, der hier in seinem Rotkreuzhaus geimpft wurde.“

Abstand, Hygiene, Alltagsmaske: AHA-Regeln gelten auch nach der Impfung

„Das erste Fläschchen ist leer!“, verkündete Stefan Löwl wenige Minuten nach dem Impfstart. Der Impfstoff befindet sich in Ampullen zu je fünf Dosen, die von Apotheker Maximilian Lernbecher und seinen pharmazeutischen Mitarbeitern direkt vor Ort im Impfzentrum Dachau aufbereitet werden.

Das Impfzentrum Karlsfeld, das die Johanniter auf dem Parkplatz am Karlsfelder See in Container eingerichtet haben und leiten, wird in den nächsten Tagen an den Start gehen – wann genau, werde am heutigen Montag abgestimmt, so Löwl, je nachdem, wann genau die nächsten Impfdosen kommen.

Nach der Zweifach-Impfung – genauer ab dem zehnten Tag nach der zweiten Impfung – sei man zu 95 Prozent immun gegen das Corona-Virus. Dr. Christian Günzel betont, dass man die AHA-Regeln beachten müsse. „Die Impfung hilft gegen die Erkrankung“, übertragen könne man das Virus aber dennoch.

Der Impfstoff befindet sich in Fläschchen zu je fünf Dosen. Apotheker Maximilian Lernbecher bereitet ihn im Impfzentrum auf.

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