Videokonferenz
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Die Fragen der Bürger zum Thema Corona beantworteten (oben v.l.) Landrat Stefan Löwl, die Leiterin des Gesundheitsamts Dr. Monika Baumgartner-Schneider und Schulamtsleiter Albert Sikora. Der Leiter des Dachauer BRK, Paul Polyfka, und Versorgungsarzt Christian Günzel (zweite Reihe v.l.) standen ebenfalls Rede und Antwort.

Impfen, Schulen, Masken

Darum ging es bei der Videokonferenz mit den Experten aus dem Landkreis Dachau zur aktuellen Corona-Lage

  • vonLeyla Yildiz
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In einer Videokonferenz haben zahlreiche Experten die Fragen der Bürger zum Thema Corona im Landkreis Dachau beantwortet. Dabei ging es oft um das Impfen.

Landkreis – Das Coronavirus bestimmt das Leben aller Menschen – im Landkreis Dachau sowie in ganz Deutschland. Immer wieder tauchen neue Fragen auf, die die Bürger beschäftigen. Sei es das Impfen, die Maskenpflicht oder der Schulunterricht zu Hause. Die Experten zu diesen Themen, Landrat Stefan Löwl, die Leiterin des Gesundheitsamts Dr. Monika Baumgartner-Schneider, Schulamtsleiter Albert Sikora, Geschäftsführer des BRK Dachau Paul Polyfka und Versorgungsarzt Dr.Christian Günzel, haben daher am Dienstagabend in einer Videokonferenz den Bürgern Rede und Antwort gestanden. Die Heimatzeitung fasste die wichtigsten Punkte aus der Konferenz zusammen.

Impfen

Das wohl brennendste Thema des Abends war das Impfen. Ende Dezember erhielten die ersten Menschen im Landkreis Dachau die begehrte Corona-Schutzimpfung. Seit Anfang Januar konnten sich auch die anderen Bürger registrieren, die in die Priorisierungsgruppe der Stufe eins gemäß der Coronaimpfverordnung fallen. Doch dabei kam es zu zahlreichen Problemen (wir berichteten). Viele Senioren verzweifelten daran, dass sie bei der telefonischen Terminvergabe nicht durchkamen. Das lag laut Landrat Löwl daran, dass sich einfach zu viele gleichzeitig anmelden wollten. Letzte Woche etwa, sagte Paul Polyfka, seien alle Termine 22 Minuten nach Eröffnung der Leitungen weg gewesen. „Die Leute haben uns die Termine aus den Händen gerissen“, sagte er. Insgesamt kamen beide Impfzentren letzte Woche auf Termine von je 350.

Diese Zahl soll und muss natürlich weiter ausgebaut werden. Jochen Josef Reiner aus Ebersbach fragte deshalb in die Runde, wie viele Menschen in den Impfzentren geimpft werden könnten und wie das weitere Vorgehen sei? Stefan Löwl erklärte, dass die aktuelle Kapazität von beiden Impfzentren 1000 Impfungen pro Tag betrage. So könnten täglich je 500 Personen zum ersten Mal und die anderen 500 Bürger zum zweiten Mal geimpft werden. „Das alles ist kalkuliert auf eine Sechs-Tage-Woche, womit man dann von 3000 Impfungen in der Woche, 12 000 im Monat und 70 000 in einem halben Jahr ausgeht“, so Löwl. So zumindest theoretisch. Das Einzige, was nämlich praktisch weiterhin fehlt: der Impfstoff.

Und der ist laut Versorgungsarzt Dr. Christian Günzel nicht einfach zu handhaben. „Wir mussten uns damit erst einmal anfreunden“, sagte er. „Gerade der Biontech-Impfstoff ist besonders anspruchsvoll.“ Die Lagerung beispielsweise, sei nur über einen sehr kurzen Zeitraum möglich. Darum könne der Impfstoff auch nicht weit transportiert werden, „weil er sonst nicht mehr wirksam ist“, sagte Günzel.

Masken

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder preschte vergangene Woche mit seiner Maßnahme einer FFP2-Maskenpflicht vor. Damit sollen Risikopatienten besser geschützt werden. Da die Masken aber recht teuer sind, gibt es für Risikopatienten und Menschen, die arbeitsschutzrechtlich betroffen sind, die Masken kostenlos.

Doch laut der Konferenz-Teilnehmerin Xandra gäbe es keinen solchen Berechtigungsschein von der Bundesregierung für Behinderte. „Mein Bruder ist 100 Prozent geistig und körperlich behindert und ist ganz besonders auf diese Masken angewiesen“, sagte sie. „Steht da nicht der Landkreis Dachau ein wenig in der Pflicht, das zu kompensieren?“

Stefan Löwl erklärte ihr, dass es seit heute Masken für pflegende Angehörige gebe. „In den Gemeinden können die Masken gegen einen Nachweis, in dem Fall der Behindertenausweis, kostenlos abgeholt werden“, sagte er. Sozialhilfeempfänger und Bedürftige, erklärt Löwl weiter, bekommen ihre Masken-Grundausstattung per Post zugesandt.

Doch auch in der Arbeit ist in manchen Berufen eine FFP2-Maske unerlässlich. Zum Beispiel in Kindergärten. Darum fragte Daniela Ela, warum Erzieherinnen keine FFP2-Maske gestellt bekommen. Das käme ganz auf den Bedarf an, sagte Stefan Löwl. „Denn nicht jeder, der das Gefühl hat, eine Maske zu brauchen, bekommt eine.“ Darum soll es nun neue Regelungen nach dem Arbeitsschutz geben und so können die Arbeitnehmer eine Maske erhalten.

Schulen

Unterricht in Zeiten von Corona ist kein leichtes Thema. Dennoch ist sich der Schulamtsleiter Albert Sikora sicher, dass sich seit der letzten Videokonferenz mit dem Landrat einiges getan habe und ging damit auf die Frage von Christian Lasin ein. „Wir haben eine gewisse Planungssicherheit bekommen“, sagte Sikora. „Ich denke, dass die Schulen die Zeit gut genutzt haben.“ Klar habe es nach den Weihnachtsferien Startschwierigkeiten gegeben, aber „das ist jetzt alles im Griff“.

Das ist jedoch laut der Bildungsexpertin Katja Caspari nicht der Fall. Sie fragte: „Warum geht BigBlueButton immer noch nicht?“ Mit der Plattform gab es zuvor Probleme, da nicht genügend Server zu Verfügung standen, die das Landratsamt Dachau betreut. Die würden nun zwar erweitert, das Problem aber gehe auf eine fehlende Serveranbindung zurück, wie Stefan Löwl sagte.

Coronazahlen

Die Zahlen zur aktuellen Corona-Lage des Landratsamts und Robert-Koch-Instituts (RKI) klaffen meist auseinander. Hans Rottmair aus Weichs wollte deshalb wissen, woran das liege? Die Leiterin des Gesundheitsamts, Dr. Monika Baumgartner-Schneider antwortete, dass das Gesundheitsamt immer tagesaktuell die Zahlen an das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit weiterleite und das wiederum an das RKI. „Auf diese Meldewege haben wir keinen Einfluss“, sagte sie. „Diese Differenz beschäftigt uns jetzt selber schon seit Monaten.“

Schritt für Schritt zur Impfung

Bis zur abgeschlossenen Impfung ist es für die Menschen im Landkreis Dachau ein langer Weg. Wer beschlossen hat, sich impfen zu lassen, muss einiges beachten. Die Heimatzeitung erklärt, wie es geht: Alle Impfanmeldungen erfolgen künftig über ein bayernweit einheitliches System. Dafür gibt es zwei Wege. Entweder erfolgt die Registrierung über das Online-Registrierungssystem der bayerischen Impfzentren unter impfzentren.bayern oder per Telefon unter der Nummer 116 117. Dort werden die Anrufer an die entsprechenden Impfzentren, in dem Fall Karlsfeld oder Dachau, umgeleitet. Die Zuweisung zu den Impfzentren erfolgt über die Postleitzahl des jeweiligen Wohnorts. So werden Bürger aus dem östlichen Landkreis im Impfzentrum Dachau geimpft und die aus den westlichen Gemeinden in Karlsfeld.

Bei beiden Anmeldungsoptionen werden die Bürger nach Alter, möglichen Vorerkrankungen, Arbeit usw. gefragt. Je nachdem erfolgt dann die Priorisierung. So kann beispielsweise ein 40-jähriger Herzkranker außerhalb des vorgesehenen Impfplans einen früheren Termin bekommen, obwohl er noch gar nicht dem Alter der ersten oder zweiten Priorisierungsgruppe entspricht. Nach der erfolgten Anmeldung im Online-System bekommen die Menschen ihren Impftermin per Mail automatisiert zugeteilt – sofern Impfdosen bereitstehen. Darum bittet das Landratsamt einmal pro Tag das E-Mail-Postfach zu prüfen.

Sobald der Termin bestätigt ist, geht es zur Impfung. Alle Zeitfenster sind laut BRK-Geschäftsführer Paul Polyfka genau getaktet. Darum bittet er die Impfwilligen nicht zu früh zum Termin zu erscheinen, da sie sonst draußen warten müssen. Und das ist gerade jetzt im Winter für Senioren nicht angenehm. Er versichert, dass jeder, der einen Termin hat, seine zugeteilte Impfdosis erhält – auch wenn der- oder diejenige zu spät kommt.

Zur Impfung sollten die Angemeldeten eine ausgefüllte Anamnese, eine Einwilligungserklärung und das Aufklärungsmerkblatt mitbringen. Zusätzlich ist ein Nachweis für die Zugehörigkeit zur berechtigten Personengruppe vorzulegen, beispielsweise Personalausweis, Arbeitgeberbescheinigung. Nach dem ersten erhalten die Geimpften einen zweiten Termin. Ist keine Uhrzeit vermerkt, findet dieser zur gleichen Zeit statt, wie der Erste.
ly

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