Frühstückstisch
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Gedeckter Frühstückstisch: Das Dachauer Hotel Burgmeier wartet auf Kundschaft.

Notruf am gedeckten Tisch

Landkreis-Gastronomen beteiligen sich an Protestaktion gegen den Lockdown

  • Stefanie Zipfer
    vonStefanie Zipfer
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20 Landkreis-Gastronomen haben sich gestern an einer landesweiten Protestaktion gegen den Lockdown beteiligt. Ihre Forderung: Planungssicherheit und verlässliche Aussagen, wann sie wieder öffnen dürfen. 

Landkreis – Dass bei der Bund-Länder-Konferenz am morgigen Mittwoch die sofortige Öffnung der Gastronomie beschlossen wird, daran glauben im Hotel- und Gaststättenverband Dehoga nicht einmal die größten Optimisten. Was die Landkreis-Gastronomen – speziell die 20 Teilnehmer der gestrigen Dehoga-Protestaktion „Gedeckter Tisch“ – erwarten, sind aber zumindest einmal verlässliche Aussagen darüber, wann und wie sie wieder arbeiten dürfen.

Auch in Harner’s Wirtshaus in Sixtnitgern wurde mit einem schön gedeckten Tisch protestiert.

„Wir brauchen realistische Zeiträume“, betont Dehoga-Kreissprecher Christopher Schreiner aus Odelzhausen. Sein Eindruck sei mittlerweile aber leider: „Die Entscheidungsträger sind so weit weg von der Basis, vom Mittelstand, von den Unternehmen, dass die unsere Probleme gar nicht mehr sehen.“ Sein Kollege Daniel Haagen aus Oberroth sieht es ähnlich: „Als Gastwirt, Küchenmeister und Feuerwehrmann“ erwarte er, dass die Politiker handeln, als würde ihr Haus brennen. „Denn bei uns lodert ein Feuer gewaltig im Haus!“

Bereit für Gäste – und die Feuerwehr: der Landgasthof Haagen in Oberroth.

Tatsächlich hatten sich die Wirte und Hotels des Landkreises an sämtliche Hygieneregeln gehalten, hatten in Plexiglasscheiben und Luftreiniger investiert. Der Oberrother Haagen umschreibt seine Maßnahmen so: „Würde es bezüglich der Corona-Katastrophe eine Champions League in der Gastronomie geben, wären wir ganz vorne mit dabei!“ Allein: Seit 2. November befinden sich er und seine Kollegen erneut im Lockdown – „und ein baldiges Ende ist nach vier Monaten immer noch nicht in Sicht“.

Klar, sagt Dehoga-Vorstandsmitglied Schreiner, würde es zumindest den Cafébetreibern helfen, wenn zeitnah die Außenbewirtung wieder ermöglicht würde. Für Restaurant-Besitzer wie ihn dürfte dies jedoch nur eine bedingte Hilfe sein. Denn: „Noch ist das Wetter einfach zu kalt. Wer setzt sich bei der Kälte schon gern raus? Wenn’s die Leute friert, schmeckt ihnen das Essen nicht.“ Die Gastronomie lebe nun mal von „Gemütlichkeit, Essen, Trinken und Genuss“.

Michael Groß vom gleichnamigen Gasthof in Bergkirchen will wieder arbeiten.

Dass die Branche dauerhaften Schaden nimmt, dass viele Gäste nach Lockdown-Ende – wann immer das ist – nicht mehr wieder kommen, das befürchtet Schreiner zumindest nicht. „Wirtshaus und die Wirtshaus-Kultur“, wie er es nennt, bestehe nun mal aus einem „Sehen und Gesehen werden“.

Dachaus Brauchtumsreferent und Ampertaler-Vorsitzender Robert Gasteiger gibt sich in diesem Punkt ebenfalls optimistisch, Natürlich, sagt er, junge Menschen würden nicht mehr so gern an Stammtische gehen, zudem würden auch die Dort-Wirtschaften immer seltener; andererseits gehe es in den Gaststätten doch um viel mehr als nur um Verpflegung: um den Austausch, die sozialen Kontakte. „Drum wird des scho wieder. Eventuell dauert’s halt a bissl.“ Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr seien die Gäste ja auch zurückgekommen. Und wenn nun die Corona-Zahlen doch irgendwann einmal wieder sinken und die Gastronomie ihre Hygienekonzepte anwendet, dann, so Gasteiger, „derfangt sich des scho wieder. Das wär ja noch schöner!“

Das Butchers in Indersdorf wartet auf den „Re-Start“

So viel Zuspruch dürfte den Landkreis-Gastronomen in diesen Tagen gut tun. Anders als die Staatsregierung, die nach Ansicht der Dehoga ihre Wirte vergessen hat, war die Resonanz auf die Gedeckte-Tische-Aktion „positiv, manche Stammgäste haben mich sogar angerufen“, wie Christopher Schreiner berichtet. Einige seiner Kollegen wollten gestern dennoch auf Nummer sicher gehen: Sie streuten ein paar Vergiss-mein-nicht-Samen auf ihre Tische.

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