Kinder, die aus einem Klassenzimmer herausstürmen.
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Freuen können sich die Kinder dieses Jahr nicht: Kultusminister Michael Piazolo hat die Faschingsferien gestrichen. (Symbolbild)

Entscheidung des Kultusministers

Keine Faschingsferien: Eltern und Schulen reagieren gemischt auf neue Regeln

  • Petra Schafflik
    vonPetra Schafflik
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Die Entscheidung von Kultusminister Michael Piazolo, die Faschingsferien zu streichen, kam überraschend. Eltern und Schulen reagieren gemischt darauf.

  • Kultusminister Michael Piazolo hat die Faschingsferien streichen lassen.
  • Diese Entscheidung kam überraschend.
  • Eltern und Schulen im Landkreis Dachau reagieren gemischt darauf.

Landkreis – Nach einer verlängerten Weihnachtspause geht am Montag die Schule wieder los. Allerdings nicht in den Klassenzimmern, sondern per Distanzunterricht zu Hause. Eine Situation, mit der zu rechnen war. Überraschend kam dagegen die Entscheidung von Kultusminister Michael Piazolo (FW), die Faschingsferien zu streichen. Die Reaktionen darauf fallen differenziert aus.

„Wir waren alle perplex“, sagt Alexandra Wolff, Rektorin der Grundschule Petershausen. Einen Nachholbedarf an Lernzeit sieht Wolff für ihre Schule bisher nicht. „Bis zwei Wochen vor Weihnachten hatten wir regulär Unterricht.“ Wenn Schulen nun in Distanzunterricht wechseln, bedeute das an Grundschulen erst recht viel Arbeit für die Lehrkräfte. Denn dort ist eine Notbetreuung Pflicht, „wir haben viele Kinder in jeder Klasse, die nicht zusammengelegt werden dürfen“. Also kümmern sich die Pädagogen am Vormittag im Klassenzimmer um ihre Schüler in der Notbetreuung, organisieren gleichzeitig das Lernen daheim für die übrigen Mädchen und Buben. „Auch Distanzunterricht muss gut sein“, betont Wolff. Die Pädagogen stellten dafür Pakete mit Lernmaterial zusammen und „fahren das bei den Familien vorbei.“

Keine Faschingsferien: Lehrer müssen nun zwölf Wochen durchgehend arbeiten

Dieses hohe Engagement sieht Beate Rexhäuser, Kreisverbandsvorsitzende des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands (BLLV) gerne. Sorge bereitet ihr, dass nun bis zu den Osterferien zwölf Wochen durchgehend Unterricht ist. „Das verlangt Lehrern und Schülern viel ab, ein paar Tage Durchschnaufen wären schön gewesen.“ Aber immerhin, so Rexhäuser, habe man nun Planungssicherheit.

Davon mag Erwin Lenz, Schulleiter am Dachauer Ignaz-Taschner-Gymnasium (ITG), nicht sprechen. Noch fehlten detaillierte Informationen, etwa zur geplanten Überarbeitung der Lehrpläne und zu verschobenen Prüfungsterminen. Dass die Faschingsferien wegfallen, kann Lenz aber „fast nachvollziehen“ angesichts der Situation vor Weihnachten. Allerdings: „Das macht nur Sinn, wenn Präsenzunterricht stattfindet. Sonst wäre es nur Flickschusterei.“

Die meisten Eltern am ITG haben „im Prinzip Verständnis“

Auch die meisten Eltern am ITG haben „im Prinzip Verständnis“, so Elternbeiratsvorsitzende Christine Epple – „wenn qualitativ gut gearbeitet wird“. Vor Weihnachten und jetzt bis Ende Januar gebe es zusammen vier Wochen Distanzunterricht, zehn Prozent der jährlich 40 Schulwochen, hat Epple ausgerechnet. „Das fehlt einfach, das ist nicht das Gleiche wie Lernen in Präsenz.“

Recht gut läuft der Online-Unterricht an der Realschule Dachau, wie Elternbeiratsvorsitzende Daniela Seidl erklärt. Weil aber einiges an Präsenzunterricht ausgefallen ist, findet Seidl es in Ordnung, wenn die Faschingsferien nun gestrichen werden. „Zumal Reisen sowieso nicht möglich sein werden.“ Allgemein rücke die Pandemie längst bekannte Defizite im Bildungssystem ins Blickfeld, wie sie findet. Die Realschule etwa verwende eine gut funktionierende Software namens „MS Teams“; dessen Lizenz aber habe das Kultusministerium nur bis Ende April verlängert. Da müsse man „nachbessern“.

Ein anderer Aspekt ist BLLV-Kreisvorsitzender Rexhäuser wichtig: Unterricht unter Pandemie-Bedingungen laufe ideal in halbierten Klassen, so ihre Erfahrung. Das biete „ausreichend Distanz, dennoch persönlichen Kontakt, individuelle Betreuung und Feedback“. Leider fehlten dafür Pädagogen und Räume, so die BLLV-Vorsitzende. „Wir wissen eigentlich schon immer, dass unsere Klassen zu groß sind, jetzt fliegt uns das um die Ohren.“

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