Das Leben im Landkreis Dachau ist schön, aber teuer.
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Das Leben im Landkreis Dachau ist schön, aber teuer.

Teures Leben im Landkreis Dachau

Das Leben im Landkreis Dachau ist schön, aber teuer. Laut einer Studie der Jobbörse Stepstone ist das Verhältnis von Gehalt und Lebenshaltungskosten alles andere als günstig.

VON BERNHARD HIRSCH

Dachau – Für Landrat Stefan Löwl ist der Landkreis Dachau „beste Gegend“. Das gute für ihn ist, dass er es sich als Landrat mit etwas über 11 000 Euro Bruttogehalt im Monat auch leisten kann, in der schönen Kreisstadt Dachau zu wohnen und zu leben. Doch auch Löwl ist, wie alle anderen Landkreisbürger auch, mit extrem hohen Lebenshaltungskosten, vor allem für das Wohnen, konfrontiert.

Dass das Verhältnis von Gehalt und Lebenshaltungskosten im Landkreis Dachau alles andere als günstig ist, zeigt eine aktuelle Studie der Jobbörse Stepstone. In der aktuellen Gehaltsstudie von Stepstone belegt der Landkreis Dachau sogar einen der hinteren Plätze.

Wenn man das Durchschnittsnettogehalt eines Landkreisbürgers ins Verhältnis zu seinen Lebenshaltungskosten setzt, wird deutlich, dass das Leben in Dachau und seinen Landkreisgemeinden im Bundesvergleich extrem teuer ist: Lediglich 878 Euro bleiben einem durchschnittlichen Dachauer vom seinem Jahresgehalt übrig, wenn er die Kosten für die Lebenserhaltung bezahlt hat. Das ist der achtschlechteste Wert aller 401 Landkreis und kreisfreien Städte in Deutschland. Noch schlechter geht es den Mitbürgern im Landkreis München (106 Euro), Fürstenfeldbruck (-248 Euro) und Ebersberg (-556 Euro), das nach dem Landkreis Dahme-Spreewald die zweitschlechteste Relation bundesweit aufweist.

Mit einem durchschnittlichen Nettojahreseinkommen von 34 911 Euro verdienen die Menschen im Dachauer Landkreis interessanterweise weniger als im Bundesdurchschnitt, die Lebenshaltungskosten in Höhe von 34 033 Euro lassen deswegen nur wenig übrig für weitere Ausgaben. Während im Bundesdurchschnitt 10 600 Euro für weitere Ausgaben wie Urlaub oder Sparen übrigbleiben, sind es im Dachauer Landkreis nur 878 Euro. Die Autoren der Studie stellen fest, dass es sich in Bayern besonders teuer lebt. Jedoch fällt auf, dass in Dachau zum Beispiel im Vergleich zur Landeshauptstadt München ein deutlich geringeres Nettoeinkommen verdient wird. Statt 34 033 Euro verdienen die Münchner mit 40 442 Euro mehr als 6000 Euro mehr im Jahr und können sich dadurch auch eher die hohen Lebenshaltungskosten leisten. So bleibt den Münchnern immerhin noch 2970 Euro übrig.

Die Studie macht damit deutlich, dass sich viele Gemeinden im Landkreis Dachau weiterhin schwertun, Gewerbebetriebe, die hohe Einkommen bezahlen, anzusiedeln. Die Lebenshaltungskosten der Dachauerinnen und Dachauer orientieren sich jedoch stark am Münchner Niveau.

Basis der Stepstone-Auswertung ist der Gehaltsreport 2020, dem 128 000 Gehaltsdaten von Fach- und Führungskräften zugrunde liegen. Deutschlandweit liegt das Nettogehalt im Schnitt bei 35 300 Euro, also mehr als 1000 Euro höher als im Landkreis Dachau.

Zur Berechnung der Lebenshaltungskosten haben die Autoren der Studie einen Durchschnittsbürger konstruiert. Dieser gibt annahmegemäß 40 Prozent seines Nettoeinkommens für Miete aus, 15 Prozent für Nahrung, zehn Prozent für Freizeitangebote und fünf Prozent für Mobilität. Im Bundesdurchschnitt sind das 24 700 Euro und damit knapp 10 000 Euro weniger als in Dachau. Grundlage für die Berechnung der Lebenshaltungskosten sind Angaben des Immobilienportals Immowelt und von Numbeo, der weltweit größten Datenbank für Lebenshaltungskosten.

Am kosteneffizientesten ist das Leben übrigens in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen möglich. Gesamtsieger der untersuchten Landkreise ist der Landkreis Holzminden, gefolgt von der Vulkaneifel (Rheinland-Pfalz) und Leverkusen. In Holzminden bleiben vom Gehalt nach Abzug der Lebenshaltungskosten 17650 Euro übrig.

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