Frau steht mit ausgebreiteten Armen vor einer Tennishalle.
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Die Tennishalle ist die Haupteinnahmequelle des SV Haimhausen. Schriftführerin Sabine Hirner steht vor deren verschlossener Tür.

Vereinssport derzeit nicht erlaubt

Wenig neue Mitglieder, fehlende Beiträge – wie sich die Corona-Pandemie auf die Sportvereine auswirkt

  • vonLeyla Yildiz
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Vereinssport ist wegen der Corona-Krise derzeit nicht erlaubt. Bei einigen Vereinen hat das zu Mitgliederschwund geführt. Die Heimatzeitung hat sich bei den Vereinen umgehört.

Landkreis – Sport treiben im Verein, das ist wegen der Corona-Pandemie momentan nicht möglich. Seit Mitte November darf kein Sportbetrieb mehr stattfinden. Da liegt die Vermutung nahe, dass vermehrt Mitglieder den Vereinen ihre Rücken kehren – und bei einigen Vereinen im Landkreis Dachau ist das tatsächlich so.

SV Haimhausen

Mit 1500 Mitgliedern war der SV Haimhausen im vergangenen Jahr einer der größeren Vereine im Landkreis. Bisher gab es nicht mehr Austritte als in den Jahren zuvor, wie Schriftführerin Sabine Hirner sagt. Allerdings „haben viele Mitglieder nachgefragt, was jetzt mit den Mitgliedsbeiträgen ist“, wenn es 2021 so weitergeht. Vor allem neuere Mitglieder hätten sich beim Verein erkundigt. 2020 gab es zirka 50 Prozent weniger Eintritte, da nur weniger als die Hälfte des Jahres Sport betrieben werden konnte.

Die größte Einnahmequelle stellt die Tennishalle dar. Über das ganze Jahr ist die Halle geöffnet und bespielbar. Das Winterabo läuft von Oktober bis April – und konnte bisher kaum genutzt werden. „Unsere Haupteinnahmequelle fehlt“, sagt Hirner.

Die Kosten laufen trotz Lockdown weiter. „Man muss die Sportstätten in Schuss halten, es fallen Wartungskosten an.“ Und die Bürokratie stellt bei der Beantragung der Hilfen eine große Herausforderung dar. „Dafür bräuchte der Verein erst einen Steuerberater, mit dem wir das beantragen können.“

TSV Karlsfeld

Auch beim TSV Karlsfeld ist die Tennishalle eine große Einnahmequelle, die für Abonnenten von Oktober bis April geöffnet ist. „Die ist normalerweise ausgebucht“, sagt Vereinspräsident Rüdiger Meyer. Doch auch hier liegt der Spielbetrieb lahm.

In der Statistik stehen etwas über 600 Austritten 200 Eintritte gegenüber. In normalen Jahren sind die Zahlen ausgeglichen. „Etwa 500 Ein- und 500 Austritte“, sagt Meyer. Die Neuzugänge gehen laut dem Vereinspräsident auf Anfang 2020 zurück, als das Corona-Virus noch nicht wütete. Doch jetzt „sehen die Menschen keinen Grund, in einen Verein zu gehen“.

Jeder Austritt bedeutet weniger Einnahmen für den Hauptverein, sagt Meyer. In welchen Sparten es wie viele Austritte gab, kann er noch nicht sagen. „Es sind auf jeden Fall viele beim Schwimmen ausgestiegen, und die Theaterabteilung ist komplett ausgetreten.“ Trotz der schwierigen Lage bleibt die Hoffnung auf bessere Zeiten. „Wir freuen uns, wenn wir wieder Zuwachs bekommen“, sagt er.

ASV Dachau

Von einer großen Kündigungswelle ist der ASV Dachau als größter Sportverein der Stadt mit 3750 Mitgliedern bisher verschont geblieben. Rund zwei bis drei Prozent Austritte gab es bisher. „Wir sind tatsächlich mit einem blauen Auge davon gekommen“, sagt Vorsitzender Andreas Wilhelm. Für die Solidarität seiner Mitglieder ist er sehr dankbar.

Trotz des ruhenden Sportbetriebs hat der ASV nun seine Mitgliedsbeiträge um zwei Prozent erhöht. „Das ist allerdings die reguläre Erhöhung“, sagt Wilhelm. Der Vorsitzende begründet das in einem Rundschreiben damit, dass der ASV aufgrund ausgefallener Veranstaltungen, einer geschlossenen Vereinsgaststätte, geringerer Kursgebühren und weggefallener Zuschüsse Einnahmenausfälle im sechsstelligen Bereich zu verkraften hat. So müssten die Anlagen weiterhin instandgehalten werden, der Verein habe Verpflichtungen seinem Personal gegenüber und könne die Anlagen nicht ganz auf „Null“ herunterfahren, sonst würden sie Schaden nehmen. „Wenn der Sportbetrieb wieder losgeht, wollen die Mitglieder ja vor guten Plätzen stehen.“

TSV 1865 Dachau

Bisher zeigten sich „viele Mitglieder solidarisch“, sagt der Vorsitzende des TSV 1865 Dachau, Wolfgang Moll. Momentan liegt der Stand der Austritte bei rund fünf Prozent. „Wenn der Lockdown länger dauert, könnte es sein, dass es zehn Prozent werden“, so Moll. Insgesamt hat der TSV etwa 2500 Mitglieder. Da der Sportbetrieb aber schon so lange ruht, „haben wir auch keine Eintritte“, sagt Moll. Zumindest ein bisschen finanzielle Hilfe kommt von der Staatsregierung. „Unsere bisherigen Zuschüsse werden verdoppelt – das ist sicher“, sagt Moll.

TSV Altomünster

Der TSV Altomünster verzeichnet Mitgliederaustritte von zirka zehn Prozent. Damit liegt die Mitgliederzahl bei knapp unter 1000. Der Vorsitzende Georg Schmid ist trotzdem zuversichtlich, dass der Verein die Ausgetretenen nach der Corona-Krise wieder zurückholen kann. Darum hat er keine Angst um die Zukunft des Vereins. „Ich hoffe jetzt einfach, dass es bald weitergeht.“

TSV Indersdorf

Der TSV Indersdorf verzeichnete im vergangenen Jahr 80 Austritte. Mit Corona hätte das allerdings nichts zu tun, wie Vorsitzender Bernhard Wetzstein sagt. „Sie entsprechen der normalen Fluktuation.“ Die Sparte Tennis verzeichnete sogar einen Zuwachs. Damit kommt der Gesamtverein auf eine Mitgliederzahl von etwa 1160.

SpVgg Hebertshausen

Die SpVgg Hebertshausen hat „im Moment noch keinen nennenswerten Mitgliederschwund“, sagt der Vorsitzende Marco Schwarz. Er rechnet damit, dass es zu Austritten kommt, wenn die Beiträge im Februar eingezogen werden. Für den knapp 700 Mitglieder starken Verein könnte ein starker Rückgang der Beiträge ein Problem bedeuten. „Wir müssen uns damit finanzieren“, sagt Schwarz. „Der Platz- und Gebäudeunterhalt wird zu großen Teilen aus den Beiträgen finanziert.“ Dazu kommen auch noch die fehlenden Mieteinnahmen wegen des leeren Saals im Vereinsheim und die Kündigung des Vereinswirts. „Momentan sind wir auf der Suche nach einem neuen Wirt.“

TSV Schwabhausen

Der Vorsitzende des TSV Schwabhausen, Willi Jais, freut sich, dass seine 1450 Mitglieder „relativ treu sind“. Eine Fluktuation gebe es zu allen Zeiten. „Meistens sind es um die 100 Ein- und Austritte“, sagt Jais. Er sieht eher die Gemeinschaft gefährdet. Schlecht sei auch, dass den Mitgliedern die Bewegungsmöglichkeiten fehlten. Vor allem die Kinder tun ihm diesbezüglich leid.

ly/hi

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