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Schmeckt besser und ist billiger, aber keiner will sie haben: die Bio-Kartoffeln des Arzbacher Landwirts Bernhard Ruile.

1000 Tonnen Kartoffeln für den Müll

Dachau - Manchmal haben die ärmsten Bauern die meisten Kartoffeln. Im Landkreis Dachau müssen Bio-Landwirte möglicherweise 1000 Tonnen der Feldfrüchte in Biogasanlagen oder auf den Müll kippen.

Sie kommen nicht gegen die Konkurrenz aus Ägypten oder Israel an. Dabei sind deren Knollen teurer und schlechter im Geschmack. „Es geht alleine um die Optik“, sagt Gerti Ruile, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Bernhard (beide 52) einen Bioland-Betrieb in Arzbach führt. „Die ausländischen Frühkartoffeln sind von der Schale und Form her schöner“, gibt Bernhard Ruile zu. „Aber wenn ich unsere wasche, schauen sie auch nicht schlecht aus“, so der Landwirt über sein Produkt, das ohne Chemie angebaut und im August geerntet worden war. Vom Lagern haben viele Exemplare Druckstellen, doch das hat nichts mit der Qualität zu tun. Im Gegenteil: „Wenn man sie im Lager reifen lässt, schmecken sie besser. Das ist wie beim Wein“, gibt Monika Tietke, Geschäftsführerin des Vereins Bio Kartoffel Erzeuger, zu bedenken. Die ausländischen Früchte hingegen würden „wässrig“ munden.

Apropos Wasser: Für den Anbau von einem Kilogramm ägyptischer Kartoffeln werden sage und schreibe 429 Liter Wasser verbraucht. Trinkwasser wohlgemerkt, das in der Wüste per Tiefenbohrung gewonnen wird. Die deutschen Bauern kommen mit neun bis elf Litern aus.

„Seit Januar warten im Hafen von Rotterdam bereits die Frühkartoffeln aus Ägypten und Israel“, weiß Tietke. Und die großen Lebensmittler wie Aldi oder Lidl wollten nur noch die Importware. Dabei ist diese erheblich teurer. Laut Tietke bezahlt der Kunde für die Import-Knollen im Schnitt aktuell 1,13 Euro für das Kilo. Für die deutsche Ware muss er lediglich 76 Cent hinlegen.

Trotz alledem: Im Kühllager des Bioland-Betriebs Ruile in Arzbach reifen derzeit 1200 Tonnen Kartoffeln. Sie stammen von acht Großproduzenten aus den Landkreisen Dachau und Landsberg sowie aus Unterfranken. Niemand will sie mehr haben. Bis in den Mai hinein könnten die Ruiles ihre Erdäpfel noch verkaufen - an so genannte Großabpacker, die wiederum mit den großen Lebensmittelketten handeln. „Wir sind denen ausgeliefert. Wir können nichts dagegen machen“, ist Gerti Ruile pessimistisch. Kann die Ware nicht abgesetzt werden, wird sie weggeworfen oder an Biogasbetriebe verscherbelt, für vier Euro pro Doppelzentner (bei einem Marktpreis von derzeit 27 Euro). Den Dachauer Biobauern stehen also hohe Verluste ins Haus. Sie können noch nicht beziffert werden. Doch der Bioanbau ist arbeitsaufwändig. In Ruiles Scheune stehen Kisten und Maschinen im Wert von mehreren hunderttausend Euro.

Einer der acht Zulieferer von Gerti und Bernhard Ruile hat bereits aufgegeben. „Er ist komplett ausgestiegen und baut jetzt konventionell Mais fürs Biogas an, weil er so frustriert ist“, so Bernhard Ruile.

zim

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