1200 Flüchtlinge bis Jahresende

Dachau - Bis zum Jahresende soll sich die Zahl der Flüchtlinge im Landkreis verdoppeln.

1200: Diese Zahl bereitet dem Landratsamt, der Stadt und der Caritas großes Kopfzerbrechen. So viele Asylbewerber, schätzen die Behörden derzeit, werden zum Ende des Jahres im Landkreis Dachau leben. Zum Vergleich: Im Dezember 2013 waren es noch 257.

Zur Zeit gibt es 517 Asylbewerber im Landkreis. 492 davon wohnen in größeren Unterkünften, 25 in Privatwohnungen in Dachau, in Altomünster, in Hilgertshausen-Tandern, in Markt Indersdorf, in Erdweg, in Schwabhausen, in Bergkirchen, in Hebertshausen, in Röhrmoos und in Pfaffenhofen.

Doch diese Unterkünfte werden in Zukunft nicht mehr ausreichen: „Wir müssen uns auf größere Einheiten einstellen und weitere Unterkünfte suchen. In absehbarer Zeit werden wir uns auch an weitere Kommunen wenden“, sagte Brigitte Detering vom Landratsamt Dachau. 80 Besucher waren zum Themenabend des Bündnis für Dachau in die Gaststätte Amperlust gekommen.

Auch Gemeinden, die bereits Asylbewerber beheimaten, müssen sich darauf einstellen, noch mehr Menschen aufzunehmen. Das machte Landrat Stefan Löwl (CSU) deutlich: „Wir werden bei der Suche in eine zweite Runde starten. Natürlich kann es dann eine Herausforderung sein, wenn in einem Ort plötzlich 100 Asylbewerber statt 50 sind.“

Die Verantwortlichen zählen dabei vor allem auf die Hilfe der ehrenamtlichen Helfer. Rund 300 Menschen engagieren sich im Landkreis derzeit in insgesamt zwölf Helferkreisen. Sie helfen bei Behördengängen, beim Deutschlernen, beim Freunde finden - und sie bauen Vorurteile ab. „Wir sind dankbar, dass es so viele gibt. Das Ehrenamt bietet die Chance, Widerstand vor Ort entgegen zu wirken. Die Hilfsbereitschaft ist enorm“, berichtete Irma Wirthmüller, die bei der Dachauer Caritas für die Asylbewerber zuständig ist. Immer wieder klingelt bei ihr das Telefon und Bürger rufen an, die gerne Sachspenden für die Flüchtlinge abgeben möchten. Doch: Es fehlt an Lagermöglichkeiten. Das ist nur eines von vielen Problemen.

Oft fehlen die Ressourcen, um die Flüchtlinge optimal zu betreuen. Bei der Caritas ist die Personalsituation so, dass es eine Vollzeitstelle für 150 Bewerber gibt. Auch das Landratsamt sucht dringend weitere Betreuer. „Das Hauptproblem ist es derzeit, Personal zu bekommen. Wir stellen fast jeden ein, der in dem Bereich tätig ist“, erklärte Landrat Löwl.

Paradoxerweise wurden - trotz des riesigen Zustroms - bei der Regierung die Mittel für Sprachkurse zurück gefahren. „Dabei brauchen wir dringend mehr Deutschkurse“, sagte Marion Benzait, Asylberaterin bei der Caritas. Für Asylbewerber ist der Zugang zum Arbeitsmarkt drei Monate komplett gesperrt. Bis zu 15 Monate nach ihrer Ankunft dürfen sie arbeiten, wenn eine Vorrangigkeitsprüfung bestätigt, dass sich kein Europäer für den Job findet. Danach gibt es keine Beschränkungen mehr.

Doch um Arbeit zu finden, müssen sie ein bisschen Deutsch können: „Die Asylbewerber brauchen Deutschkenntnisse. Jeder Arbeitgeber möchte, dass man sie zumindest grundlegend versteht“, sagt Benzait. Die Dachauer Behörden fühlen sich vom Freistaat allein gelassen.

Ein weiteres Paradebeispiel: das Asylbewerberheim in Dachau an der Kufsteiner Straße. Hamide Erdogan, 26, ist im Alter von einem Jahr als Flüchtlingskind nach Deutschland gekommen. Inzwischen engagiert sich die junge Frau für andere Asylbewerber. Sie spricht fließend Deutsch und Arabisch und übersetzt für sie. Gerade für Flüchtlinge ist die Wohnungsmarktsituation im Speckgürtel von München besonders schwer. Mit ihrer Mutter lebt Hamide deshalb schon seit über zehn Jahren in den Baracken an der Kufsteiner Straße. „Das Holz ist überall morsch, lange hält das nicht mehr. Alles ist nass und komplett voller Schimmel“, berichtete sie und forderte, dass endlich etwas geschieht. Schon seit Jahren wird davon gesprochen, dass die Baracken abgerissen und ein Neubau errichtet werden soll. Doch es geht einfach nichts vorwärts. Nicht, weil die Stadt nicht willens sei, sondern weil die Regierung augenscheinlich kein Interesse an dem Projekt hätte, wie Dachaus Bürgermeister Kai Kühnel (Bündnis für Dachau) am Themenabend ausführte: „Die Stadt Dachau hat hinreichende Angebote an die Regierung gemacht. Es liegt nicht an der Stadt, sondern an höherer Stelle. Die Stadt hat sogar angeboten, die Unterkünfte selbst zu bauen, aber auch daraus wurde ein Problem gemacht.“ Wie es weiter gehen wird mit den Baracken an der Kufsteiner Straße, ist unklar. Es liegt völlig im Ungewissen - wie so vieles beim Umgang mit dem Flüchtlingszustrom in den Landkreis Dachau.

Ehrenamt und Hauptamt

Ehrenamtliche Helfer werden weiter gesucht. Wer sich engagieren möchte, kann sich bei einem Helferkreis oder bei der Caritas melden. Im Landkreis sind außerdem Stellen für hauptamtliche Asylbewerberbetreuer und Sozialpädagogen offen.

Claudia Schuri

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