24-Jähriger muss ins Gefängnis

Dachau - Seine letzte Chance hat Johannes L. (Name geändert) nicht genutzt. Der 24-jährige Altomünsterer muss acht Monate lang ins Gefänfgnis. Er wurde gestern am Dachauer Amtsgericht wegen mehrfachen Betrugs verurteilt.

Johannes Ls Straftaten waren alles andere als durchdacht. Auf Ebay Kleinanzeigen und auf Spock verkaufte er mehrmals Smartphones, die er allerdings gar nicht besaß. Die Käufer überwiesen das Geld, ihre Ware haben sie aber nie erhalten. Auf den Internetplattformen benutzte Johannes L. ein Pseudonym, um nicht erwischt zu werden. Für die Überweisung allerdings gab der 24-Jährige seine echten Kontodaten an. „Sie hätten doch wissen müssen, dass das schief geht!“ Richter Lukas Neubeck ist fassungslos. „Das ist ja schon widersinnig, was Sie da gemacht haben!“

Wie hoch der Schuldenberg ist, der sich in den letzten Jahren vor ihm aufgetürmt hat, weiß der Altomünsterer schon gar nicht mehr: „Vielleicht so 5000 Euro“, meint er vor Gericht. „Es könnten aber auch 10 000 Euro sein.“ Insgesamt ergaunerte sich Johannes L. 710 Euro. Er versuchte sich damit „über Wasser zu halten. Sich etwas Essen leisten können“, sagt er.

Doch Reue zeigte der 24-Jährige nicht, er wirkte eher gelangweilt. Sein Anwalt musste ihn sogar dazu ermahnen, nicht nur in Halbsätzen zu antworten. „Es geht hier um viel für Sie. So kann sich der Richter kein Bild von Ihnen machen.“ Johannes L. versuchte eher, Verständnis zu wecken für sein Verhalten: „Wenn man keine Arbeit hat, dann hat man eben nichts.“ Über eine Zeitarbeitsfirma verdiente er zwar ein paar Monate lang etwa 1000 Euro, dann „gibt es aber wieder Monate, wo nichts ist“.

Nicht zum ersten Mal saß er wegen eines solchen Handybetrugs auf der Anklagebank. Früher verkaufte er ein nicht existierendes iPhone und wurde vom Amtsgericht Augsburg zu 3000 Euro Strafe verurteilt. Diese Strafe und weitere 1000 Euro wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis hat Johannes L. aber noch nicht abbezahlt. „Bei ihrer letzten Rate haben Sie nur einen Euro überwiesen. Was haben Sie sich denn dabei gedacht?“, fragte der Richter. Auch hierauf wusste der Angeklagte keine Antwort. Die Betrugsdelikte waren allerdings nicht das Einzige, weswegen Johannes L. vor Gericht stand: Er hatte gegenüber einem Gerichtsvollzieher falsche Angaben gemacht. Warum ist fraglich - diese Angabe verschaffte ihm keinerlei Vorteile. Sein Pflichtverteidiger hoffte trotzdem auf eine Bewährungsstrafe. „Er braucht einen Bewährungshelfer an die Seite gestellt. Allein kommt er aus diesem Teufelskreis nicht mehr heraus.“

Doch Richter Lukas Neubeck waren die Hände gebunden. „Sie zahlen nicht. Sie leisten keine Sozialstunden. Sie sind immer wieder wegen des gleichen Deliktes angeklagt.“ Im vergangenen Oktober hatte der Richter Neubeck auf Bitten des Angeklagten dessen Schulden in Sozialstunden umgewandelt. Die Stunden leistete Johannes L. allerdings nie ab. Daher konnte der Richter keine Gnade walten lassen: Acht Monate Freiheitsstrafe lautete das Urteil.

Regina Peter

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