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Der Richter hat entschieden: Ein 20-jähriger Karlsfelder bekommt fünf Jahre Jugendstrafe, mit zwei Jahren Unterbringung in einer Entziehungsanstalt.

26-Jähriger will helfen: Karlsfelder rastet aus

Dachau - Er hat einen Schongauer (26)krankenhausreif geprügelt. Deshalb sitzt der Karlsfelder (20) hinter Gittern – wie auch die nächsten fünf Jahre, so das Dachauer Schöffengericht.

Es war im Juni 2009 vor der Diskothek PS in Schongau. Der Angeklagte hatte damals einen heftigen Streit mit seiner Freundin. So heftig, dass Stefan M. (alle Namen geändert) aus Schongau dazwischen ging. Einige Minuten später lag er leblos auf dem Boden, mit zertrümmertem Gesicht.

Stefan M. kann sich selbst nicht mehr genau an den Vorfall erinnern – nach einem Tippen an die Schulter des Karlsfelders war bei ihm „alles vorbei“. Sein Gedächtnis setzte erst wieder ein, als er im Schongauer Krankenhaus zu Bewusstsein kam. Martin R. aus Peiting aber kann sich noch gut an die Sommernacht erinnern. Er ist ein Freund des Opfers, und seine Schilderung der Tatnacht ist plastisch: „Ich habe mich nur kurz umgedreht und weggeschaut. Dann ist er schon über Stefan gekniet und hat mit voller Wucht in sein Gesicht geschlagen – mit der Faust.“ Reglos sei Stefan M. dagelegen, der Karlsfelder habe aber keine Anstalten gezeigt, von ihm abzulassen – bis Martin R. ihn zusammen mit zwei anderen von seinem Opfer herunterzog.

Die Schilderung des Peitingers war so anschaulich, dass der Staatsanwalt beim ersten Verhandlungstag im Oktober 2009 die ganze Sache weiterreichen wollte. An die Jugendkammer München – wegen versuchten Totschlags (wir berichteten). Der Fall kehrte allerdings wieder an das Amtsgericht zurück: „Der Tötungsvorsatz hat erhöhte Anforderungen“, stellte der Staatsanwalt gestern beim zweiten Verhandlungstag fest. Die Verletzungen waren dafür nicht heftig genug.

Trotzdem scheint es schon an Glück zu grenzen, dass das Opfer gesund und munter im Sitzungssaal Platz nehmen konnte. Denn lebensgefährlich seien die Verletzungen zwar nicht gewesen, erklärte der Sachverständige, aber „bei solchen Schlägen ist es nicht ausschließbar, dass die Schädelbasis getroffen werden könnte“. Stefan M. hat zwar Titanplatten in der Stirn und einen kaputten Geruchssinn, ansonsten aber „ist es schon wieder okay“, so der Schongauer.

Ansonsten hatte der Karlsfelder den Vorwürfen nicht viel entgegenzusetzen. Er könne sich kaum an die Nacht erinnern – Stefan M. habe ihn gewürgt, deshalb habe er zugeschlagen. Auch zu den drei weiteren Vorwürfen Beleidigung, Diebstahl und noch eine Körperverletzung wusste der Angeklagte wenig.

Laut Psychiater hat der Angeklagten eine dissoziale Persönlichkeitsstörung und ist alkoholabhängig. „Eine Therapie würde ich dringend empfehlen.“

Die verordnet das Gericht dem Angeklagten schließlich auch. Das Urteil: fünf Jahre Jugendstrafe, mit zwei Jahren Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. „Dies ist eine Chance“, so Richter Olaf Grundmann. „Sie haben Glück, dass es nicht an der Kammer verhandelt wurde.“ (np)

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