Koschadeklinik skelettiert: Die Fassade ist abgeschält, der Betonkörper wirkt trist. foto: sue

Abrisshaus statt Alpenblick

Dachau - Seit Wochen herrscht auf der größten Baustelle in der Altstadt Stillstand. Schon längst sollten die Luxuswohnungen mit Alpenblick schon längst bezogen sein. Mehrere Käufer sind bereits von den Verträgen zurückgetreten - dabei soll jetzt alles besser werden.

Es hätte alles so schön sein können: luxuriöse Wohnungen auf dem Altstadtberg mit Blick über Dachau, München und bei guter Sicht bis zu den Alpen. Schon diesen Sommer hätten die Käufer der Wohnungen in der ehemaligen Koschadeklinik die wirklich phänomenale Aussicht genießen sollen.

Doch es kam anders: Der Komplex gleicht derzeit eher einem Abrisshaus als Luxuswohnungen. Und gearbeitet wird auch nicht.

Im Frühjahr 2011 hatte die Amperkliniken AG die ehemalige Frauenklinik in der Dachauer Altstadt an ein Schweizer Unternehmen veräußert, die Real Estate Opportunities (REO) AG. Um den Jahreswechsel 2011/12 wurde der Komplex an die Kaga Dachau GmbH und Co KG verkauft, bei der allerdings die REO 100-prozentiger Kommanditist ist, wie Kaga-Geschäftsführer Dr. Jakob Kandler erklärt. Etwa 26 der rund 40 geplanten Eigentumswohnungen mit Panoramablick in erstklassiger Lage sind bislang verkauft.

Im Mai 2012 begannen die Arbeiten. Auf der Internetseite www.dachau-mit-mehrblick.de zeugen immer noch „aktuelle“ Fotos von den bisherigen Veränderungen. Die jüngsten Fotos zeigen die Abrissarbeiten - und stammen aus dem August 2012. Viel ist seitdem nicht passiert. Zumindest nicht sichtbar, denn die Bauarbeiten stehen seit Wochen still. Nun wurde auch noch der Kran abgebaut. Und das, obwohl den Käufern als Einzugstermin der April 2013 zugesichert worden war.

Klar, dass viele verärgert sind. „Ich kann nichts tun, nur warten“, erklärt einer der Käufer, der anonym bleiben will. „So kann es nicht weitergehen. Ein Käufer steht ab 30. September auf der Straße, weil er seine Wohnung verkauft hat. Einzugstermin hätte ja schon im Frühjahr sein sollen. Da hatte er eigentlich genug zeitlichen Spielraum eingeplant.“ Außerdem bereuten im Nachhinein viele, sich nicht doch für eine andere Wohnung entschieden zu haben. „Jetzt sind die Immobilienpreise ja viel höher als vor zwei Jahren“, so der Käufer.

Seit Beginn der Arbeiten haben mehrfach die ausführenden Firmen wie die Architekten gewechselt. Warum, dazu wollen die Betroffenen keine Angaben machen. Auch Frank Weber von der REO war trotz mehrmaligen Versuchen nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Fest steht aber, dass inzwischen die Münchner Imco GmbH die weiteren Planungen und Ausführungen für die Kaga Dachau übernommen hat.

Seit diesem Frühjahr wurden alle Pläne überarbeitet. „Wir sind sehr positiv, dass wir in dieser kurzen Zeit alle Probleme beseitigen konnten. Jetzt wissen wir, wie es geht“, erklärt Frank Naumann, eigenen Angaben zufolge Generalbevollmächtigter bei der Imco und zuständig für das Dachauer Projekt. „Es war einfach ein Problem, dass wir hier einen Altbestand haben, der in verschiedenen Bauzeiten entstanden ist und über den es nur wenig Unterlagen gab“, berichtet Naumann. Rund 30 Prozent der notwendigen Unterlagen hätten gefehlt. „Was wir in den vergangenen Monaten aufgearbeitet haben, haben die in den zwei Jahren zuvor nicht geschafft.“

Damals haben laut Naumann die Planer versagt. So habe beispielsweise die gesamte Statik neu gemacht werden müssen.

„Die Planlosigkeit war von Anfang an offensichtlich“, ärgert sich auch einer der Wohnungsbesitzer. Doch nun sei alles „fix und fertig“, die Planung liegt inzwischen dem Bauamt der Stadt Dachau vor. Das bestätigte Bürgermeister Claus Weber. Die Unterlagen werden derzeit im Bauamt geprüft.

Hauptproblem war bisher die Tiefgarage, wie Dr. Jakob Kandler berichtet. Deswegen musste auch der Kran abgebaut werden. „Der war einfach an der falschen Stelle aufgebaut worden“, weiß Naumann. In etwa sechs bis acht Wochen rechnen die Planer mit einem Bescheid. „Wenn das alles so genehmigt wird, bin ich glücklich“, so Kaga-Geschäftsführer Kandler. „Das ist der wichtigste Meilenstein - schließlich ist das unser dritter Anlauf. Das hat enorm Zeit gekostet.“

Wegen der massiven Zeitverzögerungen sind laut Frank Naumann bereits drei Käufer von den Verträgen zurückgetreten - andere Quellen sprechen von neun. Äußern wollen diese sich nicht, da sie sich noch in Verhandlung um die Erstattung der bisherigen Kosten befinden. Denn viele müssen für ihre Kredite Bereitstellungszinsen zahlen. Je länger die Arbeiten also noch dauern, um so teurer wird die „Traumwohnung“.

Dass drei Käufer zurückgetreten seien, kann Frank Naumann nicht verstehen. „Wer damals gekauft hat, hat weise gehandelt. Denn jetzt sind die Preise für die Wohnungen höher.“ Ob sich darüber die Käufer in der Warteschleife wirklich freuen können, bleibt allerdings zu bezweifeln.

Conny Kirmaier

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Zweckverband Jugendarbeit bietet Zeltlager mit Hygienekonzept in Ainhofen an
Gute Nachrichten für die Jugendlichen der Region: Die Jugendarbeit im Landkreis bietet ein Zeltlager in Ainhofen an - und geht damit ein Risiko ein, das nicht viele …
Zweckverband Jugendarbeit bietet Zeltlager mit Hygienekonzept in Ainhofen an

Kommentare