Abschieds-Empfang für Barbara Distel: Sie hat Dachau zum guten Ort gemacht

Dachau - Am Ende ihres 42-jährigen beruflichen Engagements für die KZ-Gedenkstätte Dachau ist Dr. Barbara Distel am Freitagabend mit einem feierlichen Empfang im Rathaus Dachau geehrt worden.

Knapp 200 Gäste, darunter Honorationen, Zeitzeugen und Wegbegleiter, waren dabei. Das Ensemble "Gently down the line" um Thomas Nied sorgte mit Klezmerklängen für einen stimmigen Musikrahmen.

Die Redner würdigten das Lebenswerk von Barbara Distel und ihren persönlichen Einsatz für den Aufbau der KZ-Gedenkstätte und der Erinnerungsarbeit in Dachau auch gegen Widerstände. Aus dem Schreckensort Dachau habe sie einen Ort des Trostes gemacht. Ihr Verdienst sei es, dass heute Zeitzeugen und Hinterbliebene ohne Hass an den Ort des Unrechts zurückkehren können. Mit Hartnäckigkeit habe sie emotionales Empfinden und Geschichtsforschung auf wissenschaftlicher Basis zusammengeführt.

Distel hat 33 Jahre lang die KZ-Gedenkstätte Dachau geleitet. Es ist die größte Gedenkstätte Deutschlands und die meist beachtete in der ganzen Welt. Darauf verwies Professor Dr. Wolfgang Benz in seiner Laudatio. Er ist gemeinsam mit Distel der Herausgeber der Dachauer Hefte und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Bayerischen Gedenkstättenstiftung. Er bescheinigte Distel über ihren Vollzeitjob hinaus großen schriftstellerischen Fleiß. Als "Denkmal" überreichte er ihr am Ende seiner Rede den druckfrischen Band "Das Konzentrationslager Dachau", der als Festschrift für Barbara Distel im Metropol Verlag Berlin erschienen ist.

Außer Benz würdigten der Dachauer Oberbürgermeister Peter Bürgel, Ulrike Maschner (Kuratorium Bayerische Gedenkstättenstiftung), Ellen Presser (Jüdische Kulturgemeinde München), Max Mannheimer (Lagergemeinschaft Dachau), Hans-Jochen Vogel (ehemaliger Münchner Oberbürgermeister, ehemaliger Bundesminister und SPD-Kollege) sowie Christoph Heubner (Internationales Auschwitzkomitee) das Wirken der scheidenden KZ-Gedenkstättenleiterin.

Den Festvortrag zum Thema "Europäische Gedenkkultur angesichts der Erfahrung von Konzentrationslager und Völkermord" hielt der 1922 geborene Wladyslaw Bartoszewski, selbst Auschwitz-Überlebender und heute Staatssekretär und Beauftragter für internationalen Dialog in Polen. Er kennt Barbara Distel seit 25 Jahren aus deren Studienzeit an der LMU. (don)

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