Sie wurden von Jahr zu Jahr immer weniger: die Lichter in den Bäumen der Münchner Straße. In diesem Advent werden sie gar nicht brennen. foto: allmender gmbh

Advent, Advent, kein Lichtlein brennt

Dachau - Hunderte Lichter bringen die Münchner Straße in der Adventszeit zum Strahlen - doch nicht in diesem Jahr.

Die Einkaufsstraße bleibt in der Vorweihnachtszeit dunkel, denn die Beleuchtung in den Bäumen ist marode. Eine neue kaufen? Da machen offenbar ein paar Filialisten nicht mit.

Im Advent zaubern die vielen Lichter in den Bäumen Weihnachtsstimmung auf die Münchner Straße. Vor gut zehn Jahren haben die Geschäftsleute die Weihnachtsbeleuchtung selbst gekauft, sie ließen die Lichterketten in den Bäumen installieren. Das ganze Jahr über hängt seitdem die Beleuchtung in den Kronen - und zeigt inzwischen Alterserscheinungen: Leitungen liegen blank, Fassungen sind marode, Kabel eingewachsen, der Großteil der Glühkörper funktioniert nicht mehr. Aus Sicherheitsgründen darf sie heuer nicht mehr angeschlossen werden.

Diese Nachricht trifft die Interessensgemeinschaft Münchner Straße nicht unvorbereitet. „Dass die Weihnachtsbeleuchtung zur Rundumerneuerung ansteht, weiß man schon seit zwei bis drei Jahren“, erklärt Wirtschaftsreferent Christian Stangl (CSU). Ende 2010 hatte die IG Münchner Straße bei der Stadt einen Zuschuss für die Anschaffung einer neuen Beleuchtung in Höhe von rund 95 000 Euro beantragt - was der Hauptausschuss ablehnte. Die IG holte daraufhin „mehrere Angebote von verschiedenen Herstellern ein“, sagt Reinhold Petrich von der Agentur „allmender“, die die IG vertritt. Das Ergebnis: „Wenn man die Straße so beleuchten will, wie sie es jetzt ist, sind wir bei einem Betrag um die 100 000 Euro.“ Der Hauptausschuss stellte dann eine Förderung von 20 Prozent in Aussicht, maximal jedoch 25 000 Euro.

„Seit 2011 ist dieser Haushaltsposten im Etat der Wirtschaftsförderung als reine Buchungsnummer aufgeführt - er wurde aber nie abgerufen“, sagt Christian Stangl. Stadtkämmerer Thomas Ernst ergänzt: „Wir haben immer gewartet, dass eine Aussage von der IG kommt, welchen Betrag die IG beisteuern kann, um ein Gesamtkonzept für die Beleuchtung hinzubekommen.“ Aber die Co-Finanzierung sei wohl nicht ausreichend gewesen. „Nach drei Jahren haben wir gesagt, dass wir die 25 000 Euro nicht mehr übertragen.“ Deswegen wurde die Position im Haushaltsentwurf 2015 gestrichen. „Wir können das Geld nicht endlos vorhalten“, sagt Ernst.

Die IG Münchner Straße hoffte derweil von Jahr zu Jahr, dass die Beleuchtung noch funktionieren, so Petrich. Doch in diesem Jahr haben die Stadtwerke als zuständige Abteilung signalisiert, dass es für diese Ketten keine Erlaubnis mehr geben wird - die Leitungen seien einfach nicht mehr sicher. Auch der leketriker der IG habe laut Petrich gesagt, dass die Leitungen erneuert werden müssen. „Bis zum Advent werden wir wohl keine Lösung finden“, so Petrich. „Der finanzielle Kraftakt wird sehr groß sein - die Beleuchtung ist nicht aus dem Budget der IG finanzierbar.“

Stangl weiß, dass nicht die inhabergeführten Läden das Problem sind: „Denn die würden sich finanziell durchaus mit einem ansehnlichen Betrag beteiligen.“ Doch die Filialisten sind laut Stangl dazu nicht bereit. Im Raum stand auch die Forderung, dass die Stadt Dachau die Weihnachtsbeleuchtung komplett zahlen soll - wie in der Altstadt. „Doch in der Altstadt haben wir eine ganz andere Situation“, so Stangl. Zum einen sei da der Christkindlmarkt der Stadt, zum anderen sei die Altstadt eine gewisse „Problemlage“. In der Münchner Straße gelte für Einzelhändler: „1a-Geschäftslage mit gigantischen Umsätzen.“ Trotzdem hält Stangl einen höheren Zuschuss nicht für ausgeschlossen. Voraussetzung sei aber eine „hälftige Co-Finanzierung der Geschäftsleute“ - 100 Prozent gebe es sicher nicht, schon allein wegen des Grundsatzes der Gleichberechtigung: „Sonst kommen die nächsten Anträge für die Sudetenlandstraße und die Mittermayerstraße.“

In diesem Jahr werden in der Münchner Straße also nur die Sterne und Tannenbäume, die direkt an den Geschäften hängen, für weihnachtlichen Glanz sorgen. Und bis zum nächsten Jahr, hofft Petrich, „werden wir wohl eine Lösung finden“. Er klingt zuversichtlich und verspricht: „Wir klemmen uns dahinter.“

Nikola Obermeier

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