Die „alte Sef“ und ihre Schweine

Vierkirchen/Pasenbach - Heimatforscher Helmut Größ berichtet im neuen Heft zur Ortsgeschichte von Dorfhirten und Hirthäusern.

Denn früher der Ruf „d‘Sau raus“ laut im Dorf erschallte, trieben die letzten bekannten Schweinehirten Johann Glück und seine Frau Josefa, „die alte Sef“, bis kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges die Schweine an der Pasenbacher Kirche vorbei auf die Sauweide. Über Dorfhirten und Hirthäuser in der Gemeinde hat der Vierkirchener Heimatforscher Helmut Größ interessante Geschichten für die neue Ausgabe von „Haus, Hof und Heimat“ veröffentlicht. Das Heft zur Ortsgeschichte kann - wie auch die vorigen Ausgaben - für fünf Euro im Rathaus erworben werden.

In mehreren Archiven und auch im Gespräch mit älteren Zeitzeugen hat Größ umfassend recherchiert und das Hirtenwesen in und um Vierkirchen anschaulich und mit vielen historischen Fotos aufgelockert dokumentiert. Schon in der Antike gab es literarische Zeugnisse über Hirten, berichtet Größ. Erst mit der Entstehung von Dörfern traten nach den früheren „Eigenhirten“ mit eigenen Tieren Gemeinde- oder Dorfhirten („da Hiata“) auf, die im Auftrag der Gemeinde Pferde, Rinder, Schweine und Schafe hüteten. Kleinvieh wie Gänse oder Ziegen wurden dagegen von Kindern gehütet.

In der früher eigenständigen Gemeinde Pasenbach hat Größ den Namen von Anna Wickhenmairin um 1536 als früheste Hüterin in Dokumenten gefunden. Als bekannter Hüter wurde Mathias Kneißl von Johann Georg Edlinger auf einem Ölgemälde porträtiert. Kneißl hatte 1762 den noch heute bestehenden Leonhardibund in Pasenbach gegründet.

Als frühesten Dorfhirten in Vierkirchen nennt der Heimatforscher 1498 „Lienhart Hieter von Fiechkirchen“. Die letzten Schweinehüter von Vierkirchen dürften Josef Leichtmann und Heinrich Rabl um 1929 gewesen sein. Bis zu 20 Muttersauen führten sie an die frühere Sandgrube am heutigen Spielplatz am Wasserturm.

Auch Jedenhofen und Rettenbach hatten eigene Dorfhirten. Als Lohn erhielten sie von der Dorfgemeinschaft fast ausschließlich Naturalien wie Brot, Schmalz, Butter, Kartoffeln, Saurüben, Korn oder Bier. Die Dorfhirten und ihre Familie lebten in der Regel im Hirthaus, im Armen- oder Gemeindehaus. Es gehörte der Dorfgemeinschaft und war meist das schäbigste und einfachste Haus im Ort. Noch 1909 beschloss Pasenbach den Bau eines Gemeindearmenhauses nebst Hirtenwohnung. Es stand bis 1963.

In Vierkirchen bewohnte der Hirte das Gemeindehaus Nummer 41, heute Freisinger Straße 17. Nach dem Krieg wohnten mehrere Flüchtlingsfamilien darin. Bei Umbauarbeiten wurde ein hölzerner Futtertrog der früheren Hirten gefunden.

(ch)

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