Gemeinden in der Pflicht

Wohnungsnot im Landkreis Dachau

  • Claudia Schuri
    VonClaudia Schuri
    schließen

Dachau - Bezahlbarer Wohnraum ist Mangelware im Kreis Dachau. Genauso wie Sozialwohnungen. Viele Gemeinden haben das Thema bisher vernachlässigt. Wegen der Asylkrise wird sich das Problem verschärfen.

Einen Masterplan gegen Wohnungsnot gibt es nicht. Dafür viele Bürger, die sich im Kreis Dachau die Mieten nicht leisten können. Die Situation wird sich in den nächsten Monaten weiter verschlimmern. Asylbewerber, die in Deutschland bleiben dürfen, sollen möglichst bald aus den Gemeinschaftsunterkünften ausziehen. „Es ist ein großes Problem“, sagt Landrat Stefan Löwl.

Nach der Anerkennung können sich die Flüchtlinge den Wohnort selbst aussuchen. Die Kommunen sind für die Unterbringung zuständig. Löwl rechnet damit, dass viele Asylbewerber gerne in Dachau, Karlsfeld oder zumindest in S-Bahn-Nähe wohnen möchten: Dort sind sie ohne Auto mobil, es gibt Supermärkte und Ärzte. „Wir können die Menschen nicht steuern“, sagt Löwl. „Aber wir müssen Wege finden, um die Lasten gerecht zu verteilen.“

Bei einem runden Tisch im Landratsamt zum Thema „Asyl, was dann?“ hat Bürgermeister Kai Kühnel (Bündnis für Dachau) als Vertretung für OB Florian Hartmann (SPD) deutlich gemacht, dass Dachau die Aufgaben alleine nicht stemmen könne. Die Stadt ist mit weit über 1000 Sozialwohnungen Spitzenreiter im Kreis, ausreichend ist das aber nicht. Auf den Wartelisten stehen fast 400 Bewerber. Kühnel fordert: „Die Gemeinden sind in der Pflicht, an den sozialen Wohnungsbau zu denken.“

In vielen Gemeinden war das bisher kein Thema. „In der Vergangenheit ist zu wenig gemacht worden“, sagt Leonhard Liegsalz von der Wohnungsbaugesellschaft mbH. Dort sind die Gemeinden Haimhausen, Hebertshausen, Bergkirchen, Petershausen, Röhrmoos, Altomünster, Karlsfeld, Indersdorf, Weichs, Erdweg, Vierkirchen und Odelzhausen Mitglied. 275 Wohnungen hat die Gesellschaft, rund die Hälfte sind in Karlsfeld, die anderen verteilen sich auf die verschiedenen Gemeinden.

In einigen Kommunen im Landkreis gibt es noch keine Sozialwohnungen. Dazu zählen Indersdorf, Pfaffenhofen, Sulzemoos und Odelzhausen. „Bisher haben wir für die einheimische Bevölkerung keine gebraucht“, erklärt der Sulzemooser Bürgermeister Gerhard Hainzinger (CSU). „In der Vergangenheit war das nie ein Thema“, so Odelzhausens Bürgermeister Markus Trinkl (parteilos). „Kurzfristige Lösungen lassen sich fast nicht machen“, befürchtet er.

Die Bürgermeister führen verschiedene Probleme ins Feld: „Wir haben keinerlei eigene Baugebiete oder Liegenschaften“, sagt Indersdorfs Bürgermeister Franz Obesser (CSU). Auch finanziell könne sich nicht jede Gemeinde einen Ausbau leisten: „Günstiges Bauen ist mit den heutigen Standards nur schwer möglich“, erklärt Schwabhausens Bürgermeister Josef Baumgartner (Freie Wähler). Haimhausens Bürgermeister Peter Felbermeier (CSU) fordert: „Der Bund und das Land müssen Fördermittel locker machen. “

Immerhin: Ein paar Bauprojekte gibt es doch. In Indersdorf soll am Bahnhof ein Gemeinschaftsprojekt mit der Caritas und der Sozialen Wohnungsbaugesellschaft entstehen. Die Gemeinde Bergkirchen will nächstes Jahr zwei Häuser mit zehn bis 16 Wohnungen errichten, in Pfaffenhofen werden gerade zwei Sozialwohnungen gebaut. Erdweg lässt zwei Grundstücke überprüfen, ob sie für den sozialen Wohnungsbau geeignet sind. Die Gemeinde Haimhausen hat am Schrammerweg zwei Grundstücke, die 2016 erschlossen werden und auf denen eventuell Sozialwohnungen gebaut werden können. Wenn Baugebiete ausgewiesen werden, sollen in vielen Gemeinden Flächen für den sozialen Wohnungsbau vorgehalten werden.

Wird das Problem nicht angegangen, kann das große Folgen haben, sagt Leonhard Liegsalz: „Wer keine Wohnung findet, gilt als obdachlos, und das ist für die Gemeinden ein noch größeres Problem.“ Einen Plan für den Fall, dass plötzlich eine große Anzahl von Menschen Sozialwohnungen braucht, haben die Kommunen nicht. „Wir können noch gar nicht beurteilen, wie viele Flüchtlinge dann bleiben wollen“, sagt Hebertshausens Bürgermeister Richard Reischl (CSU). In Hebertshausen sollen in Holzständerbauweise Unterkünfte für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge gebaut werden. Die gehen später in den Besitz der Gemeinde über und könnten zu Sozialwohnungen werden.

Kurzfristig zählen viele Bürgermeister auf das Versprechen, dass anerkannte Asylbewerber in der Unterkunft bleiben dürfen, bis sie eine Wohnung haben. Manche planen, zur Not die Menschen in Gasthäusern unterzubringen. Schlimmstenfalls bleibt nur eines: „Container. Aber das wäre fatal“, sagt Petershausens Bürgermeister Marcel Fath (Freie Wähler).

Auch interessant

Kommentare