Ausgepumpt

Dachau - Das Amtsgericht hat gestern einen Zirkus-Artisten wegen Diebstahls zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch, weil die Beweislage bis zuletzt nicht eindeutig war. Dies lag leider auch daran, dass die Polizei schlampig ermittelt hatte.

Der 55-jährige Landwirt konnte es kaum fassen: Sein nigelnagelneues Tiefsaugpumpenaggregat, für das er 37 000 Euro gezahlt hatte, war ihm von seinem Feld in Pasenbach gestohlen worden; vermutlich kannte er sogar schon den Täter. Aber alles, was ihm die aus Dachau herbeigeeilte Polizeistreife an jenem 24. Juni 2012 zu sagen hatte, sei gewesen: „Wir haben jetzt Schichtwechsel.“ Und als dann am nächsten Tag endlich zwei Polizisten mit ihm auf die Suche nach seinem Aggregat gegangen seien, versäumten es die Beamten, die Personalien der für die Tat in Frage kommenden Personen aufzunehmen.

Auch die Aichacher Polizei bekleckerte sich in diesem Fall nicht mit Ruhm. Ungefähr zeitgleich zum Diebstahl in Pasenbach meldete sich ein Anwohner eines Aichacher Gewerbegebiets bei der Inspektion und erklärte, dass vor seiner Haustür ein Anhänger abgestellt worden sei, aus dem Diesel tropfe. Polizei und Feuerwehr rückten an, öffneten den Anhänger und trockneten das Leck. Vom Inhalt des Anhängers - ein neuwertiges Stromaggregat - machten die Beamten leider keine Fotos. Immerhin vermerkten sie den Einsatz als „Umweltsache“.

So kam es, dass trotz monatelanger Ermittlungen kein eindeutig Schuldiger festgestellt werden konnte. Vom Aggregat fehlt bis heute jede Spur. Der Landwirt behilft sich seitdem mit einem Leihgerät - die Kosten hierfür gehen in die Tausende; aufkommen muss er dafür selbst.

Immerhin machten Richter Lukas Neubeck und seine beiden Schöffinnen ihre Arbeit gestern gründlich. Nach sieben Zeugen und einem Sachverständigen stellte sich der Fall so dar: Der Angeklagte 23-jährige Sohn einer Zirkusfamilie, die zum Tatzeitpunkt in Vierkirchen gastierte, fuhr mit mindestens einem Komplizen im Schutz der Nacht zu dem Feld, trennte Pumpe und Stromaggregat voneinander und transportierte Letzteres in einem Zirkus-eigenen Lkw ab. Den Anhänger samt Diebesgut versteckten die Diebe in dem Gewerbegebiet in Aichach. Wenige Tage später mietete der 23-Jährige, der wegen Gewaltdelikten bereits mehrfach vorbestraft ist, in München einen Lkw. Damit ging es erneut nach Aichach, wo das Aggregat vom Zirkus-Anhänger in den Leih-Lkw geschafft wurde. Einen Tag später wurde der geliehene 7,5-Tonner zurückgegeben - die Spuren der Verladeaktion waren noch deutlich zu sehen.

Der Angeklagte stritt vor Gericht trotz erdrückender Beweise jede Beteiligung an dem Diebstahl ab. Tatsächlich hätten ein „Heinz Fischer“ und ein „Peter Weiß“ die Tat begangen. Die beiden Männer seien hin und wieder als Helfer für den elterlichen Zirkus im Einsatz, nähere Kontaktdaten zu ihnen habe er leider nicht. Richter Neubeck ließ sich davon aber nicht beeindrucken: „Der Angeklagte wusste von der Tat und hat sie gefördert“, betonte Neubeck in seinem Urteil, weshalb er den 23-Jährigen zu einer Haftstrafe von 18 Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilte.

Ob der zweifache Familienvater die Tat nun tatsächlich allein beging, kann nicht mehr geklärt werden, weil, so Neubeck, „die Polizei es leider versäumt hat, herauszufinden“, ob es die „ominösen Herren Weiß und Fischer“ tatsächlich gibt.

Von Stefanie Zipfer

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