Geschichte von elf Geistlichen aus fünf Ländern auf Bannern

Ausstellung "Geistliche im KZ Dachau" eröffnet

Dachau - Zum Ökumenischen Kirchentag ist am Donnerstag in der Todesangst-Christi-Kapelle in der KZ-Gedenkstätte eine Ausstellung über „Geistliche im KZ Dachau“ eröffnet worden.

Auf elf Bannern, die an den Wänden des katholischen Gedenkortes hängen, sind die Biografien von Geistlichen aus Polen, Deutschland, den Niederlanden, Griechenland und der Tschechoslowakei dargestellt, die während des Zweiten Weltkrieges im KZ Dachau inhaftiert waren. Ein weiteres Banner informiert über den historischen Hintergrund und die Rolle der Kirchen im Nationalsozialismus.

Die Ausstellung wurde im Rahmen des Gedächtnisbuches und der internationalen Wanderausstellung „Namen statt Nummern“ erarbeitet. Von diesen elf Geistlichen leben heute wie durch ein Wunder noch vier: Hermann Scheipers in Ochtrup im Münsterland (geb. 1913), der Rabbiner Erwin Schild in Toronto (geb. 1920), Gosse Blijdorp im niederländischen Wageningen (geb. 1919) und Leon Stepniak (geb. 1913), ein bis heute tätiger Priester in Koscian in Polen.

Zur großen Freude der fünf kooperierenden Veranstalter, darunter das Dachauer Forum und die evangelische Versöhnungskirche, konnte der 96-jährige Hermann Scheipers der Eröffnung beiwohnen. Der Überlebende sagte: „Ich bin dankbar, meine eigene Biografie noch selbst vorstellen zu können.“

Hermann Scheipers hatte erst drei Jahre im Dienst der Kirche gestanden, als er 1940 in Leipzig verhaftet wurde, weil er polnischen Zwangsarbeitern Zutritt zum Gottesdienst gewährt hatte. „Für mich waren die Zwangsarbeiter nicht Untermenschen, wie es in der Nazi-Propaganda hieß, sondern Söhne und Töchter Gottes, denen meine Sorge und Liebe gleichermaßen galt wie den Deutschen“, so Scheipers.

Die Porträts der elf Geistlichen, unter denen sich auch die Biografie von Weihbischof Johannes Neuhäusler befindet, dem Befürworter der Todesangst-Christi-Kappelle und Stifter des benachbarten Karmelklosters Heilig Blut, wurden von den Projektteilnehmern einzeln vorgestellt. Aus Polen war Anna Jagodzinska angereist, die Grußworte ihres Onkels Leon Stepniak überbrachte und sehr ausführlich über seinen Werdegang und sein Schicksal berichtete.

Unter den Teilnehmern befand sich der griechisch-orthodoxe Erzpriester und bischöfliche Vikar aus München, Apostolos Malamoussis, der den 1942 von der Gestapo verhafteten und im KZ Dachau inhaftierten Meleatios Galanopoulos (1892- 1972) noch persönlich kannte. Die Ausstellung ist bis 6. Juni in der Todesangst-Christi-Kapelle zu sehen. Dazu ist eine Broschüre mit den Biografien der elf Geistlichen erschienen. (sch)

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