Eins der vielen Exponate ist dieses Hinweisschild auf die Wohnung des damaligen Bürgermeisters der eigenständigen Gemeinde Ampermoching. FOto: khr

Ausstellung der Geschichtswerkstatt: Das Kriegsende in Ampermoching

Ampmeroching - Das Ende des Zweiten Weltkrieges liegt nun fast schon 70 Jahre zurück. Bis heute hat sich die Welt in rascher Geschwindigkeit verändert. Es ist also an der Zeit sich zu erinnern, wie das Leben damals zum Kriegsende und in den ersten Jahren danach war. Genau dies tut die Geschichtswerkstatt im Landkreis mit der Ausstellung „Kriegsende und Nachkriegszeit“ im Pfarrzentrum Ampermoching.

Dazu stehen auch die Forschungsergebnisse der Ampermochinger Geschichtwerkstatt zur Verfügung, die von Thomas Schlichenmayer und Hedy Esters gesammelt worden sind. Zur Seite standen dabei unter anderem Josef Glas und Albert Klingensteiner.

Das Pfarrheim war voll besetzt, als Hedy Esters die Besucher zur Ausstellungseröffnung begrüßte. Sie bedankte sich bei allen Ampermochingern, die als Zeitzeugen und Unterstützer mitgewirkt und auch Leihgaben zur Verfügung gestellt hatten.

Dann trat Diakon Georg Wiesheu vor die Besucher. Er erinnerte an das nahe Konzentrationslager und die Schrecken der späten NS-Herrschaft. Aber auch an die kleinen Freuden des Alltags wie die ersten Bananen, Orangen oder Kaugummis nach der Befreiung durch die Amerikaner. „Wenngleich diese Zeit noch gar nicht so lange her ist, ist vieles schon in Vergessenheit geraten. Zeitzeugen werden immer weniger, ein großer Teil mag auch nicht über diese Zeit reden“, so Wiesheu.

Wie Bürgermeister Michael Kreitmeir hinzufügte, sei gerade diese Zeit, in der Deutschland nach einem verheerendem Krieg am Boden lag, wichtig, um aufgearbeitet zu werden. „In der Ausstellung geht es ausschließlich um die historischen Ereignisse und eine geschichtliche Dokumentation einer Zeit in der alle froh waren, dass der Krieg vorbei war, gleichzeitig aber das bis dahin geltende Regelwerk, wieder durch ein Demokratisches zu ersetzen.“ Diese sei eine schier unüberwindliche Herausforderung gewesen. „Ein verlorener Krieg, vieles in Schutt und Asche, hungernde und obdachlose Menschen, dazu noch die vielen Flüchtlinge und Vertriebenen, wo doch bei uns der Wohnraum knapp und das Essen sehr wenig war“, so der Bürgermeister weiter.

Er nannte dazu das Beispiel Lotzbach. Die fünf Bauernhöfe dort mussten 52 Flüchtlinge unterbringen. „Gottseidank standen die Leute damals zusammen, teilten das Wenige und hatten ein festes Ziel, den Wiederaufbau.“

Auch der frühere Kreisheimatpfleger Dr. Norbert Göttler war nach Ampermoching gekommen, der zusammen mit dem Dachauer Forum und dem Regionalverein Dachau Agil zu den Initiatoren der Geschichtswerkstatt gehört. Er freut sich, dass die Ausstellung auch in kleineren Orten gezeigt wird. „In Ampermoching wissen schon noch einige Menschen erstaunlich viel über die Zeit, als der Krieg zu Ende ging und die Amerikaner kamen.“

Die Leiterin der Geschichtswerkstatt, Dr. Annegret Braun, erklärte den Aufbau der Ausstellung. Die Ausstellung basiert auf acht Säulen: Kriegsende und Nachkriegszeit im Landkreis Dachau; Einmarsch der Amerikaner; Entnazifizierung und Reeducation; Aufbau von Schule, Kirche und Politik; Flüchtlinge und Vertriebene; In den Wirren des Nachkriegsalltags; Frauen und Familien; Dorfleben, Normalität und Integration. Annegret Braun erzählte dazu auch kleine Geschichten. Geschichten von der Kriegsgefangenschaft, von Tanzveranstaltungen, Hochzeiten und Wirtschaftswunder.

An speziellen Hörstationen sind die Erinnerungen von Zeitzeugen, die das Kriegsende als Kinder oder junge Erwachsene miterlebt haben, abrufbar. „Thomas Schlichenmayer und Hedy Estern haben eine hervorragende Arbeit geleistet um die Ausstellung zu ermöglichen.“

Bevor dann die vielen Besucher in die Ausstellungsräume strömten kam noch Thomas Schlichenmayer zu Wort. Er freut sich, dass insgesamt 18 lokale Zeitzeugen befragt werden konnten. Diese Männer und Frauen erzählten über das Kriegsende und die Nachkriegszeit in Ampermoching. Näheres kann noch bis zum kommenden Freitag, 8. November, im Pfarrzentrum in Erfahrung gebracht werden.

Die Ausstellung ist täglich von 15 bis 18 Uhr und am Freitag, 8. November, von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Führungen sind nach Vereinbarung möglich. Am morgigen Dienstag, 5. November, 19 Uhr, findet ein Vortrag zur Nachkriegszeit in Ampermoching unter der Überschrift „Do host de erstn Bananen und Orangen gsehn“ statt.

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