Perfekt mit Instrumenten und Mundart: Hannes Ringlstetter. Foto: cc

Authgentisch und augenzwinkernd

Dachau - Kabarettisten, die über die Dörfer und Städte tingeln, gibt es mittlerweile mehr als genug. Noch mehr solche, die sich für Kabarettisten halten, weil sie es schaffen, auf der Bühne zu stehen und ein paar bekannte Witze als die eigenen zu verkaufen. Zu dieser Gattung gehört Hannes Ringlstetter definitiv nicht.

Der Mann kann tatsächlich was. Davon durften sich die Zuschauer im vollbesetzten Saal des Thoma-Hauses überzeugen. Ringlstetter saß umringt von Konzertflügel, E-Piano, Mikrofon und Gitarre auf der Dachauer Bühne. Jedes der einzelnen Instrumente beherrscht der 43-Jährige mehr als passabel. „Schee, dass i da bin“, begrüßte Ringlstetter das Dachauer Publikum und gab damit einen kleinen Vorgeschmack auf das Motto des Abends.

„Meine Verehrung“ heißt sein Programm, in dem der in Straubing aufgewachsene Kabarettist seine Wenigkeit augenzwinkernd gerne mal in den Mittelpunkt stellte. Wie etwa bei dem Lied: „Aber mich, gibt’s nur einmal für mich“. Ringlstetter freute sich, in Dachau zu sein („Da ist es ja sehr schön, weiß gar nicht, was alle haben“) und erzählte von seiner niederbayerischen Heimat, wo Esoterik noch Marienerscheinung heißt und von seinem ersten Open Air - einer Fronleichnamsprozession.

Als Ringlstetter auf Ruth Kappelsberger und Klaus Havenstein zu sprechen kam, waren die Namen fast allen im Saal ein Begriff. Es handelt sich um die Moderatoren des bekannten Wunschkonzerts des Bayerischen Rundfunks. „Immer am Freitagabend hab’ ich mich geflüchtet in die virtuelle Welt - das war halt Ende der 70er Jahre Bayern 1“, erklärte Ringlstetter und konnte sich noch bestens an die beiden Zuhörer erinnern, die stets angerufen haben beim Wunschkonzert: „Da Bernhard aus der Oberpfalz und Benno aus Leverkusen“. Und der Satz, den der Bernhard aus der Oberpfalz seinerzeit immer zu sagen pflegte, sobald ihn die Moderatoren an der Strippe hatten, vergisst Ringlstetter bis heute nicht: „Houd’s es an Cauntry dou?“ Und dann gab der Kabarettist eine Nummer von Johnny Cash wieder. Beziehungsweise gab er den Song so wieder, wie ihn er als Kind verstanden hatte.

Hannes Ringlstetter hangelte sich geschickt von Thema zu Thema und traf damit genau den Nerv seines Publikums. Es wurde herzhaft gelacht. Vor allem als der 43-Jährige sehr authentisch von Essenseinladungen erzählte, die ihn gerade in München immer wieder mal ereilen. Meist würde er dort eingeladen von „Altbauarschlochpärchen“ mit selbstgebeizten Kirschholztischen und Wasserkaraffen mit Steinen drin. Geradezu perfekt beherrscht Ringlstetter verschiedene Dialekte und Sprachfärbungen. Die Leute im Saal kringelten sich vor Lachen, als er eine Begebenheit am Nürnberger Christkindlesmarkt wiedergab. Der Kabarettist will dort belauscht haben, wie ein Asiate „Dreiiii im Weggla mit a mittalschafa Seeeeenf“ bestellte.

Am Ende holte sich Ringlstetter Hilfe. Als Rausschmeißer der gutgelaunten Gäste wollte er nämlich nicht selbst auftreten und spielte den Schnulzen-Klassiker „Weilst a Herz host wia a Bergwerk“ - allerdings gesungen von Florian Silbereisen. „Grausamer geht’s nicht, auf Wiedersehen“. Christian Chymyn

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