Der Nachwuchs und die Ausbilder: (v.l.) der stellvertretende Ausbildungsleiter Hans Assenbrunner, Melissa Torah, Benjamin Lange und Ausbildungsleiter Walter Strauß. foto: ans

Bald sind sie nicht mehr unbekümmert

Dachau - Melissa Torah aus Karlsfeld wollte schon als kleines Mädchen Polizistin werden. Jetzt ist sie 17 Jahre alt - und ihr Traum wird wahr. Was sie daran fasziniert? Gewalt, Mord, Tod.

Mit rund 130 anderen jungen Männern und Frauen zwischen 17 und 27 Jahren aus ganz Bayern absolviert Melissa Torah eine Ausbildung zur „Polizeivollzugsbeamtin“ - wie das Beamtendeutsch den Beruf der Polizistin offiziell bezeichnet.

Die zweieinhalbjährige Ausbildung auf dem Gelände der Bereitschaftspolizei besteht aus theoretischen Bausteinen wie ein „Mini-Jura-Studium“. Aber auch praktische Übungen gehören dazu: „Die Jüngeren müssen zum Beispiel auch mal den Betrunkenen im Verkehr spielen und die Anderen müssen ihn dann herausziehen. Man muss eben alles mal für den Ernstfall üben“, erklärt der stellvertretende Ausbildungsleiter Hans Assenbrunner grinsend.

Obwohl die nächsten zweieinhalb Jahre nicht stressfrei werden, freut sich Benjamin Lange (18) aus Kleinberghofen, dass er das Auswahlverfahren beim zweiten Versuch bestanden hat. Denn er will das schlechte Image der Polizisten wieder gerade biegen: „Bei mir gab es in der Schule schon immer welche, die nicht die bravsten waren“, sagt Lange und meint mit Blick in Richtung seines Ausbildungsleiters Walter Strauß: „Entschuldigen Sie: Aber die haben halt von ,Bullen’ gesprochen - und ich will gerade denen zeigen, dass eben nicht alle Polizisten blöd sind.“

Jetzt haben Melissa Torah und Benjamin Lange schon ihre grüne Dienstuniform bekommen. Und schon in einem Jahr werden sie „als dritter Mann“ mit auf Streife fahren. Dann werden sie auch eine Schusswaffe mit dabei haben: „Ich habe auf jeden Fall Respekt vor der Waffe, denn man hat ja praktisch die Entscheidung über Leben und Tod am Gürtel hängen“, sagt der 18-jährige Kleinberghofner. Auch seine Kollegin Melissa Torah bestätigt: „Ich habe keine Angst vor der Waffe, aber auf jeden Fall Respekt.“

Deshalb lernen die Neulinge bei der Polizei in ihrer Ausbildung den Umgang mit der Schusswaffe, das Aufnehmen einer Strafanzeige bis zur Gerichtsverhandlung und natürlich den respektvollen Umgang mit dem Bürger, so der Ausbildungsleiter Walter Strauß. Außerdem sei auch die Persönlichkeitsbildung vom jungen Erwachsenen zum selbstbewussten Polizeibeamten ein wichtiger Baustein. „In keinem anderen Beruf verlieren die Auszubildenden so schnell ihre jugendliche Unbekümmertheit“, so Strauß. Aber genau das ist es, was Melissa Torah an dem Beruf so reizt: „Man kommt einfach in Situationen, wo es um viel geht“, sagt sie. Und berichtet von ihrem letzten Praktikum bei der Polizeiinspektion Dachau: „Häusliche Gewalt, Mord, Tod - es sind Themen, mit denen man sich sonst in meinem Alter nicht befasst.“

(ans)

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