Engagierte Bürger und ihr Bürgermeister Harald Dirlenbach (stehend) bei der Bienen-Veranstaltung. foto: ch

Bald summt und brummt es in Vierkirchen

Vierkirchen - Auf großes Interesse ist das Projekt „Vierkirchen summt" gestoßen. Rund 50 Bürger sind zu der gemeinsamen Auftaktveranstaltung von der Gemeinde zusammen mit den örtlichen Imkern, den Obst- und Gartenbauvereinen und dem Bund Naturschutz in das Sportheim gekommen.

Ziel der Initiative ist es, den Bienen und heimischen Insekten wieder Lebensräume zu schaffen, in denen sie ganzjährig Nahrung finden und sammeln beziehungsweise geeignete Flächen für ihre lebensnotwendigen Bedürfnisse vorfinden können. In den vergangenen Monaten und mehreren Arbeitstreffen leisteten die Teilnehmer bereits wichtige Vorarbeiten, wie Bürgermeister Harald Dirlenbach informierte. Unter anderem wurden sie von Fachleuten beraten, diskutierten mögliche und sinnvolle Flächen und steckten Pfeiler für die Auftaktveranstaltung.

Damit das Projekt erfolgreich sein kann, brauche es nicht nur öffentliche Flächen, die entsprechend aufgewertet werden, sondern auch die Mithilfe der Bürger, sagte Dirlenbach. „Wenn jeder in seinem Garten nur einen Quadratmeter im Sinne dieses Projekts gestalten würde, hätten wir die größten Probleme bereits beseitigt.“ Wichtig sei es daher, bei den Bürgern das Bewusstsein für die Thematik zu stärken und sie zur Anlage insektenfreundlicher Gärten zu motivieren.

Und auch die Landwirte müssten miteinbezogen werden. „Ohne sie geht es nicht“, betonte der Bürgermeister. So könnten sie zum Beispiel im Winter hochwertiges Saatgut ausbringen oder an den Rändern der Äcker Streifen mit insektenfreundlichen Blumen anlegen. Auch mit der Auswahl der Früchte, beim Spritzen und bei den Mäharbeiten könnten sie einen wertvollen Beitrag für die Insekten leisten. Gefordert sei außerdem die Gemeinde: Neben der Anlage von Schauflächen und Neugestaltung von Biotopen und müssten auch die Mäharbeiten der Mitarbeiter im Bauhof modifiziert werden. Geplant sei, eine Schaufläche beim neuen Jugendplatz mit Bäumen, Sträuchern und Stauden anzulegen, so Dirlenbach. Vor dem Rathaus wird zudem die Fläche rund um die Birke mit einer speziellen Blumenmischung angesät.

Einige Bereiche werden durch die Ortsgruppe des Bund Naturschutz und die beiden Gartenbauvereine umgestaltet und auch einige Privateigentümer von Baulücken machen bei dem Projekt mit. Als Anreiz für die Bürger stellt die Gemeinde zum Startschuss eine geeignete Blumensamenmischung für eine Fläche mit drei Quadratmetern kostenlos zur Verfügung. Sie kann im Bürgerbüro im Rathaus abholt werden. Ausgegeben wird auch eine Liste mit geeigneten Stauden und, Sträuchern und Bäumen. „Ich würde mich sehr freuen, wenn möglichst viele Bürger mitmachen“, betonte der Bürgermeister. Wenn es keine Bienen mehr gäbe, gäbe es auch bald keine Menschen mehr.

Über die Hintergründe der deutschlandweiten Bienenaktion informierte Walter Niedermeier, Kreisvorsitzender der Imker, die Zuhörer. Den Bienen in der Stadt geht es durch die verbreitete Hobbyimkerei deutlich besser als den Bienen auf dem Land. Denn in urbanen Gebieten gibt es nicht nur ausreichend pestizidfreie Blühflächen, sondern auch viele, meist junge Menschen, die über die Imkerei einen Ausgleich zu ihrer Arbeit suchen.

In der ausgeräumten Kulturlandschaft auf dem Land haben es dagegen Bienen mittlerweile schwer, sich und ihre Brut von Frühsommer bis Herbst ausreichend mit Nahrung zu versorgen. Monokulturen bieten zwar zeitweise ein großes Angebot an Pollen und Nektar, doch nach der Ernte versiegt die Futterquelle von einem Tag auf den anderen. Und auch die Rasenflächen, die meist ohne Blühpflanzen ausgestattet sind und in kurzen Abständen gemäht werden, sind nicht bienenfreundlich. Die Folge: Die Bienen leiden Hunger. Zudem werden unzählige Bienen getötet, wenn die Felder an sonnigen Tagen geerntet werden. In der Stadt dagegen gibt es keine Trachtlücke, sodass der Imker nach dem Frühjahrshonig auch einen Sommerhonig ernten kann. Auf dem Land wird es für die Bienen zunehmend schwieriger, Vorräte für den Sommerhonig zu sammeln, den sie für die Aufzucht der Winterbienen benötigen. Wegen der fehlenden Blühpflanzen müssen die Bienen daher schon ab dem Frühsommer mit Zucker zu gefüttert werden.

Niedermeier begrüßte die Aktion in Vierkirchen als positives Signal und Vorbild für andere Gemeinden. Die Zahl der Bienenvölker im Landkreis sei von 3600 im Jahr 1950 auf 1100 im Jahr 2008 zurückgegangen. 2015 wurde eine Steigerung auf 1500 Bienenvölker registriert. In Vierkirchen gibt es heute etwa 100 Völker und 13 Imker.

(ch)

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