Das war spitze, Herr Professor: Solist Reinhold Friedrich. Foto: hab

Begeisterndes Schlosskonzert

Dachau - Das Mendelssohn Kammerorchester Leipzig bot bei seinem Konzert im Dachauer Schloss eine beachtliche Bandbreite von Stimmungen.

Mit Schwung, Temperament und Spielfreude gelang es dem Mendelssohn Kammerorchester Leipzig, das Publikum beim Schlosskonzert zu begeistern. Das seit 14 Jahren bestehende Ensemble betrachtet sich als Botschafter Felix Mendelssohn-Bartholdys.

Die Verbundenheit zum Leipziger Komponisten war deutlich hörbar, als das Orchester den Abend mit dessen „Streichersinfonie Nr. 7“ begann. Die Musiker gestalteten das Werk mit Witz und Feuer, ihre feine Artikulation und furiosen Akzente machten die Streichersinfonie zu einem mitreißenden Auftakt. Kaum zu glauben, dass Mendelssohn-Bartholdy dieses Werk mit gerade einmal 13 Jahren komponiert hat.

Bemerkenswert war auch das Zusammenspiel des Ensembles. Die Instrumentalisten spielten besonders homogen und präzise aufeinander abgestimmt, sie vereinten ihre Stimmen zu weichen, zarten oder energiegeladenen Klängen. Auch optisch spiegelte sich diese Einigkeit wider: Sowohl bei den Cellisten als auch beim stehend musizierenden Rest des Orchesters flogen die Haare im Eifer des Spielens beinahe synchron hin und her.

Für den nächsten Programmpunkt, Mozarts Klavierkonzert in Es-Dur KV449, kamen zum Streichorchester noch einige Blasinstrumente hinzu. Solist war Cédric Pescia, der schon mit etlichen Koryphäen und großen Orchestern der Musikwelt zusammengearbeitet hat. Mit der für Mozart typischen Leichtfüßigkeit ließ der Pianist seine Finger bei den technisch anspruchsvollen Passagen über die Klaviatur tanzen. Seine perlenden Phrasen befanden sich im stimmigen Dialog mit dem Ensemble, allen Beteiligten war ihre Spielfreude deutlich anzusehen. Bei der ausdrucksvollen, verspielten Kadenz des Solisten schloss sogar so mancher der Musiker die Augen, um die spannungsvollen Klänge besser genießen zu können.

Doch auch mit dem nächsten Werk konnten die Mitwirkenden das Publikum beeindrucken. Gemeinsam mit einer Cembalistin und dem Solisten Reinhold Friedrich führten sie das ebenfalls in Es-Dur stehende Konzert für Trompete, Streicher und Basso continuo von Johann Wilhelm Hertel auf.

Reinhold Friedrich, der ARD-Preisträger und Trompetenprofessor in Karlsruhe ist, entlockte seiner Trompete erstaunlich sanfte, einfühlsame Töne. Mit seinem weichen Ansatz fand er stets eine gemeinsame Klangsprache mit dem Orchester, jeder Ton war perfekt durchdacht.

Den Musikern gelang es gut, die prunkvolle, majestätische Musik mit dem frühklassischen Charme und Tanzcharakter zu versehen. Und der Solist machte für sich in seinen Pausen kleine Dirigierbewegungen mit, was bei diesem beschwingten Spiel nur verständlich war.

Den Höhepunkt des Konzertes bildete schließlich das „Konzert für Klavier, Trompete und Streichorchester“ von Dimitri Schostakowitsch, obwohl das Werk eine etwas eigenwillige Ergänzung zum Rest des Programms war. An Stelle des Solocellisten Peter Bruns wurde das Mendelssohn Kammerorchester Leipzig nun von Konzertmeister Gunnar Harms geleitet. Die Musik hatte eine lauernde, unheilvolle Grundstimmung und schwebte zwischen düsterer Gewalt und filigraner Zerbrechlichkeit. Trotz dieser komplexen Verwicklungen spielten die Mitwirkenden stimmig und einfühlsam, und besonders Cédric Pescia meisterte am Flügel eine musikalisch wie technisch große Herausforderung.

Doch auch die Solotrompete, die beim vorherigen Stück so festlich gewirkt hatte, hatte nun einen ganz anderen Charakter, brachte Spannung und Energie in die Musik. Mit dem Schostakowitsch-Konzert bewiesen alle Instrumentalisten ihre Wandelbarkeit, indem sie das Stück mit enormem Farbenreichtum gestalteten und selbst die Dissonanzen in gewisser Weise schön klangen. (san)

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