Beste Zeit für den sozialen Wohnungsbau

Dachau - Kommt der soziale Wohnungsbau im Landkreis Dachau endlich in Schwung? Nie waren die Voraussetzungen günstiger. Die Nachfrage ist groß. Ein interessantes Modell ist gerade im Entstehen: der Hebertshauser Weg.

Die Aufsichtsräte der Wohnungsbaugesellschaft im Landkreis (WLD) setzten in ihrer Sitzung vor kurzem ein wichtiges Signal für den Bau neuer, preisgünstiger Wohnungen. Wie die WLD in einer Presseerklärung mitteilt, strich sie ab sofort den Passus, dass sich Gemeinden bei Neubau- oder Kaufobjekten finanziell beteiligen müssen. Bislang hatten die Kommunen bei WLD-Projekten zehn Prozent zuschießen müssen. Grund für die Streichung sind die Förderprogramme des Freistaats.

Weniger Zahlungen an die Wohnungsbaugesellschaft, dazu Zuschüsse vom Staat, das bedeutet, dass „die Bedingungen für sozialen Wohnungsbau so gut wie noch nie“ sind, wie Landrat Stefan Löwl sagt. In der WLD sind die Gemeinden Haimhausen, Hebertshausen, Bergkirchen, Petershausen, Röhrmoos, Altomünster, Karlsfeld, Indersdorf, Weichs, Erdweg, Vierkirchen und Odelzhausen Mitglied.

Derzeit betreut die WLD im Landkreis 275 eigene Projekte und verwaltet weitere 36 für den Kreis. Aktuell suchen 281 Personen aus dem Landkreis soziale Mietwohnungen, darunter zwei anerkannte Flüchtlinge. Dazu kommen 24 Personen aus anderen Landkreisen. „Wir wissen noch nicht, ob die Gemeinden etwas selber machen oder über uns“, meint WLD-Geschäftsführer Leonhard Liegsalz. Landrat und WLD-Aufsichtsratsvorsitzender Stefan Löwl bewertet diese Senkung jedoch als deutliches Signal und Aufforderung an die Gemeinden im Landkreis, nun konkret in den sozialen Wohnungsbau einzusteigen. Und: „Die deutliche Verknüpfung mit den neuen, attraktiven Förderprogrammen des Freistaats sollte nun für die notwendige Dynamik sorgen.“ Löwl bezieht sich dabei auf die neueingeführte zweite Säule der Wohnraumförderung - das sogenannte „Kommunale Förderprogramm“. Mit diesem Programm können Kommunen in Eigenregie neuen Wohnraum schaffen und dazu neben einer 30-prozentigen Bezuschussung auch noch bis zu 60 Prozent zinsgünstige oder zinslose Darlehen in Anspruch nehmen. Zehn Prozent müssen mit Eigenkapital abgedeckt werden. Doch so ganz einfach ist es nicht mit der von Löwl propagierten „Dynamik“.

Haimhausens Bürgermeister Peter Felbermeier weist darauf hin, dass der Begriff sozialer, sprich bezahlbarer Wohnraum weit zu fassen sei. Dazu gehörten Einheimischenmodelle, betreutes und soziales Wohnen sowie Wohnungen für anerkannte Flüchtlinge. Apropos Flüchtlinge: Wo lassen sie sich wie viele eingedenk ihrer Freizügigkeit nieder? Das gelte es für die Gemeinden zu ermitteln. Und das sei mancherorts derart schwer, dass die jeweilige Kommune den berühmten Blick in die Glaskugel riskieren könne, so Felbermeier.

Weitere Unabwägbarkeit: Hat die Gemeinde geeignete, gemeindeeigene Grundstücke? Ist sie in der Lage, Baugebiete auszuweisen? In Haimhausen gibt es eine solche Fläche am Schrammerweg. Hier wird die Kommune noch heuer mit der Erschließung beginnen. „Doch dann obliegt es dem Gemeinderat, wie wir fortfahren“, sagt Felbermeier. Es könnte also ein Einheimischenmodell herauskommen statt Wohnungen für Flüchtlinge.

Einen Schritt weiter ist man in Hebertshausen. Dort waren die Gemeinderäte im Januar extra in Klausur gegangen. Als sie aus ihrer selbstgewählten Abgeschiedenheit zurückkehrten, stand für sie fest: Wir errichten auf einem sehr großen Grundstück der Gemeinde mehrere mehrgeschossige Häuser. In diesen soll eine „kunterbunte Mischung“ (Bürgermeister Richard Reischl) aus jungen oder älteren Einheimischen sowie Flüchtlinge leben. In einem Wettbewerb soll ermittelt werden, wie das Ganze einmal aussehen soll. Und: Jedermann, ob Bank, Bauträger oder Einrichtungen wie das Franziskuswerk, kann sich einbringen. Auch die Wohnungsbaugesellschaft wird miteinbezogen. „Wir wollen weg vom klassischen Wohnblock, wo ausschließlich Einheimische oder ausschließlich Flüchtlinge leben“, erklärt Richard Reischl den Hebertshauser Weg, denn: „ich kann Integration nur leben, wenn ich mische.“ Im September, vermutet der Gemeindechef, könne man erste Ergebnisse auf den Tisch legen.

In manchen anderen Landkreisgemeinden ist der Weg zum sozialen Wohnungsbau noch ein weiter. Für sie alle hat Haimhausens Bürgermeister Peter Felbermeier einen Rat: „Nichts zu machen ist der falsche Weg.“

(zim)

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