In drei Monaten fit für die Schule waren die vier großen Kinder. Sabine Obeser (2.v.l.) nahm sich der irakischen Flüchtlingsfamilie an. Saher, Farah, Rhada, Mutter Janar Dahriwish mit Dima, Hiba und Karam (v.l.) leben in Unterweikertshofen. foto: hab

Ein Bilderbuch-Schulstart für Flüchtlingskinder

Erdweg - Die Erdweger Schule geht bei der Integration von Flüchtlingskindern neue Wege. Vier Sprösslinge einer irakischen Familie werden seit Dezember von speziellen Dozenten intensiv betreut. Heute bereits nehmen sie am Unterricht teil.

Rhada (6), Hiba (8), Saher (10) und Karam (13) flitzen an Eva Rehm vorbei. Eben sind sie aus dem Schulbus geklettert, und nun wollen sie schnurstracks in ihre Klassenzimmer. Die ehemalige stellvertretende Landrätin ist es nicht gewohnt, missachtet zu werden. Dennoch sagt sie: „Toll!“

Die CSU-Politikerin ist jetzt Integrationsbeauftragte der Grund- und Mittelschule Erdweg und freut sich, dass der ungewöhnliche Weg, den die Schule bei der Eingliederung der vier irakischen Wirbelwinde gegangen ist, richtig war. Das Quartett ist erst seit Dezember in Deutschland, doch schon heute besuchen die vier den Unterricht in nahezu allen Fächern, nachdem sie individuell und behutsam an die Schule herangeführt worden waren. Und: „Es wird immer besser mit der Sprache“, meint Rehm.

Rhada, Hiba, Saher und Karam Dahriwish kommen aus dem arabischen Raum. Sprache, Schrift, Kultur, Mentalität, alles in Deutschland ist völlig fremd für sie. Hinter ihnen liegt ein Leben voller Angst in einem seit Jahren wütenden Krieg. Gemeinsam mit ihrem Vater Ayad, Mutter Janar und ihrer kleinen Schwester Farah (4) flüchteten sie per Bus vor den unerträglichen Zuständen in ihrem Heimatland. Die Familie landete zunächst in der zentralen Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Zirndorf. Von dort ging es weiter nach München, wo Mutter Janar ihr sechstes Kind gebar: die kleine Dima. Die nunmehr acht Dahriwishs wurden schließlich nach Unterweikertshofen gebracht, wo sie in einem alten Haus Zuflucht und in Sabine Obeser „eine sehr rührige Nachbarin“ (Eva Rehm) fanden.

Sabine Obeser und Maria Guggenmos von der Asylberatung der Caritas Dachau nehmen die Familie unter ihre Fittiche. Die Gemeinde Erdweg und zahlreiche private Spender sorgen für eine ordentliche Grundausstattung für die vier schulpflichtigen Kinder der Dahriwishs. Nur: Das Quartett einfach auf die Klassen der Erdweger Schule zu verteilen, ging natürlich nicht. Also steckten Rektor Hans Ulrich Hacker und Eva Rehm die Köpfe zusammen und klügelten einen außergewöhnlichen Plan aus.

Sie klopften bei der Geschäftsführerin der Volkshochschule Dachau-Land, Ksenija Pointner, an. „Über die bereits in den Ganztagesklassen tätige Vhs Dachau- Land wurden drei Dozentinnen engagiert, die zunächst drei Monate täglich vormittags die Kinder in der Schule betreuten und mit ihnen Deutsch lernten“, sagt Rektor Hacker. Zunächst standen nur Sport, Werken oder Kunst auf dem Stundenplan von Rhada, Hiba, Saher und Karam.

Finanziert wurden die Dozentinnen mit Mitteln des Bundes nach dem Bundesteilhabegesetz. Rektor Hacker ist sich sicher, dass „mit diesem Weg eine für die Kinder verträgliche und nachhaltige Integration an der Schule Erdweg gelingen wird“.

Neben der Sprache mussten sich die vier Dahriwish-Kinder an den Alltag in Deutschland gewöhnen. „Wir mussten ihnen erklären, dass bei uns der Schulbus pünktlich fährt“, so Sabine Obeser. Die Nachbarin wird bald einen „Kennenlerntag“ für Interessierte organisieren.

Kann sein, dass auch Eva Rehm da sein wird. Gut möglich, dass der Dahriwish-Nachwuchs erneut an ihr vorbei stürmt. Diesmal auf den Spielplatz zu den deutschen Kindern.

Thomas Zimmerly

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