Einen Blick auf die Geschichte der CSU warf Historiker Wilhelm Liebhart. hab

Ein Blick weg von den Zerwürfnissen

Dachau - Zu ihrem 70-jährigen Bestehen hat die CSU den Blick auf die Vergangenheit gerichtet - weg von den Zerwürfnissen der Gegenwart. Denn der Rückzug von Wolfgang Moll war zwar Gesprächsthema, im Mittelpunkt aber stand der Vortrag von Wilhelm Liebhart über die Geschichte der CSU.

Am Dreikönigstag 1946 sind die Obmänner des Bayerischen Volksbundes (BVB) Dachau im Gasthaus Burgmeier in Etzenhausen zusammengekommen und haben beschlossen, als Untertitel ,Christlich-Soziale Union‘ zu führen. Jetzt, 70 Jahre später, trafen sich Funktionäre und Mitglieder der CSU im Landkreis Dachau wieder im Hotel Burgmeier, um einer historischen Festrede zu lauschen: Prof. Dr. Wilhelm Liebhart sprach beim Jubiläums-Weißwurstfrühstück über den „Politischen Aufbruch und Neubeginn nach der Stunde Null“.

Weder in den Grußworten von Kreisvorsitzendem Bernhard Seidenath noch von Ortsvorsitzendem Tobias Stephan war der Rückzug von Wolfgang Moll ein Thema. Wie berichtet, ist Moll aus der Stadtratsfraktion der CSU ausgetreten und will alleine, als parteiloser Stadtrat, weitermachen. „Doch dieses Thema haben wir bewusst auf unserer Jubiläumsveranstaltung nicht öffentlich gemacht“, sagt Stephan. „Wir wollten die Feierstunde und den historischen Vortrag nicht überlagern.“ Zudem sei das Thema ein „Dachauer Internum“, und bei der Jubiläumsveranstaltung seien viele Mitglieder aus dem Landkreis gekommen.

Ganz im Gegensatz zur Stadtratsfraktion, von denen einige Mitglieder fehlten: etwa Gertrud Schmidt-Podolsky, Dominik Härtl, Florian Schiller, Elisabeth Zimmermann. „Alle entschuldigt und bei keinem böser Wille“, betonte Tobias Stephan. Und: „Fast die Hälfte war da.“ Stephan sieht keine Spannungen zwischen dem CSU-Kreis- und Ortsverband.

Die CSU-Mitglieder werden noch über den Rückzug von Moll informiert, sagt Stephan zudem. Auf der Jahresversammlung, bei der die Delegierten für die Bundestagswahl bestimmt werden, sollen Nachwahlen für die vakanten Posten stattfinden: Moll war stellvertretender Orts- und stellvertretender Fraktionsvorsitzender.

Beim Jubiläum in Etzenhausen stand also die Geschichte der CSU im Mittelpunkt: Der Historiker Liebhart beleuchtete die Umstände, unter denen die CSU in Stadt und Landkreis gegründet wurde. Gründervater war der Rechtsanwalt Dr. Josef Schwalber, der 1945 von der amerikanischen Besatzungsbehörde zum Bürgermeister bestimmt wurde und die politischen Weichen stellte. Nachdem seine Bemühungen scheiterten, die vor dem Krieg bestehende Bayerische Volkspartei wieder zu schaffen, gründete Schwalber den Bayerischen Volksbund: „Dieser BVB war die Keimzelle der Dachauer CSU“, so Liebhart. Schwalber kam mit den Münchner CSU-Gründern in Kontakt, Ende November 1945 begann der Aufbau einer landesweiten CSU - und ab 6. Januar 1946 trug der Dachauer BVB den Untertitel CSU. Ob Schwalber und die Obmänner damals auch Weißwürste zu sich nahmen, ist nicht überliefert.

(no/hab)

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