Der Mann der Kreisel-Pflanzen: Stefan Tischer, Leiter der Abteilung Stadtgrün und Umwelt, kümmert sich seit sieben Jahren um die Bepflanzung der Kreisverkehre in Dachau: Vor allem lässt er die Natur arbeiten. foto: reg

Ein Blumenmeer im Kreisverkehr

Dachau - Oasen für Augen und Insekten, artenreich und fantasievoll: Die Kreisel in der Stadt Dachau gleichen märchenhaften Blumenwiesen, verwunschenen Wäldern und vielleicht auch einem Schlaraffenland für Fledermäusen. Dabei lässt der Leiter Stadtgrün, Stefan Tischer, vor allem der Natur ihren Lauf.

Gleich vier Hummeln tummeln sich auf einer Sonnenhut-Blüte. Dieser begehrte Sonnenhut ist einer von vielen am Kreisverkehr der Gröbenrieder Straße in Dachau. Das Blütenmeer entzückt nicht nur die vielen Hummeln, Bienen und Wespen: Auch Autofahrer, Radfahrer oder Fußgänger erleben ein Blumeneldorado mitten in der Stadt. Und sie wissen es zu schätzen: „Seit einiger Zeit fällt mir auf, wie wunderschön und kreativ die Anlagen, Straßenränder und Kreisverkehre bepflanzt sind“, schreibt etwa Leserin Christa Worzischek aus Dachau.

Doch bis der Kreisel so schön erblühen konnte, war einiges an Planung und Arbeit nötig. Gestaltet und geplant hat den Kreisverkehr Stefan Tischer. Damals war er noch in einem Planungsbüro in Freising tätig. Mittlerweile, sieben Jahre nach Beginn der Bepflanzung, hat es ihn nach Dachau verschlagen. Zu seinen Kreiseln. Und in die Abteilung Stadtgrün. Dort übernahm er vor dreieinhalb Jahren die Leitung.

„Der erste Schritt war es, eine drei Zentimeter dicke Schicht Kompost aufzutragen, um einen nährstoffreichen Boden zu bekommen.“ Denn wenn die Stauden einmal angesät sind, arbeitet die Natur fast alleine. „Der Kreisel ist sehr pflegeleicht. Die meisten Pflanzen kommen jedes Jahr von alleine wieder.“ Unkraut zupfen, das müsse man allerdings schon. „Die Fackellilien und die Staudenkerzen zum Beispiel müssen wir jedes Jahr neu anpflanzen.“

Ob Edeldistel, Sonnenhut, Gräser oder Schwertlilien, am Kreisverkehr in der Gröbenrieder Straße gibt es wirklich einiges zu entdecken. „Wir haben uns für Pflanzen entschieden, die sehr spät blühen. Also im Hochsommer von zirka Juni bis Ende August.“ Die meisten Pflanzen sind um diese Zeit bereits verblüht. Und noch ein weiteres Merkmal müssen die Kreisel-Pflanzen erfüllen: „Wir achten natürlich auch darauf, dass die Blütenfarben zueinander und zur Umgebung passen“, so Tischer. So spiegelt sich das Blau der Edeldistel zum Beispiel im Blau des Dachs des Gebäudes der Stadtbau GmbH. Das Gelb/Orange des Sonnenhuts ist Komplementärfarbe zu Blau.

Einmal im Jahr, nämlich im März, wird der Kreisel dann komplett abgemäht, „damit alles wieder neu sprießen kann“. Auch hier gibt es einen entscheidenden Grund, das nicht schon früher zu tun: „Viele Insekten überwintern in den Pflanzen“, erklärt Tischer. Es könnte sogar gut sein, dass sich neben Bienen, Hummeln und anderen Insekten auch Fledermäuse vom Kreisel angezogen fühlen. „Ich persönlich habe zwar noch keine gesehen, die Flughöhe und das Angebot an Insekten würden aber dafür sprechen.“

Der Kreisverkehr an der ASV-Halle ist längst nicht der einzige, der von Stefan Tischer und seinem Team so märchenhaft schön angelegt wurde. Der Kreisel in der Nähe des Dachauer Krankenhauses ist ähnlich strukturiert. Der große Kreisverkehr auf der Schleißheimer Straße gleicht einem verwunschenen Wald. Die Sträucher und Gräser sind versetzt angeordnet, so entstehen verschieden hohe Ebenen, die dem Kreisverkehr Struktur verleihen. Im Gewerbegebiet sind meist Rosen zu finden. „Der Klassiker eben“, so Tischer. Aber es gibt auch einen Kreisel mit exotischen, einjährigen Pflanzen wie Schmuckkörbchen, Zinnien oder Mohn. Erfreulicher Nebenaspekt: Solche pflegeleichten Kreisel, wie sie in Dachau zu finden sind, sind sogar kostengünstiger als so mancher mit Kies aufgeschüttete Kreisel.

Und obendrein gibt es den Dank der Bürger - etwa von Christa Worzischek, die dem Stadtgärtner und seinem Team von ganzem Herzen dankt. Auch Dietmar Weiß aus Dachau findet, dass „es Zeit wird, die hervorragende Arbeit der 40 Mitarbeiter der Abteilung Stadtgrün und Umwelt zu loben“. Die artenreich bepflanzen Grünanlagen seien „Oasen für Augen und für Insekten“ - und ein Gegengewicht für so manchen aufgeräumten Vorgarten, findet der Dachauer.

Regina Peter

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