Eine CD für den Bundespräsidenten: Siegfried Bradl (Mitte) gab beim Neujahrsempfang Joachim Gauck und dessen Lebensgefährtin Daniela Schadt die CD „Bloß füa Di – Musi & Gsang aus’m Altoland“. foto: kn

Bradl beeindruckt im Schloss Bellevue

Altomünster - Zum Neujahrsempfang des Bundespräsidenten Joachim Gauck sind auch 70 Bürger aus ganz Deutschland eingeladen worden. Darunter waren fünf aus Bayern - und: Siegfried Bradl aus Altomünster, der zudem an den Tisch von Gaucks Lebensgefährtin Daniela Schadt geladen wurde.

Kurz vor Weihnachten lag plötzlich die Einladung im Briefkasten. „Hereingeschneit ist sie quasi“, erzählt Siegfried Bradl, und hat ihn damit wirklich „kalt erwischt“. Denn davor hatte der Altomünsterer noch überhaupt nichts von seinem Glück gewusst: Dass er Gast sein wird, beim Neujahrsempfang im Berliner Schloss Bellevue.

Dabei waren dort, neben Repräsentanten des öffentlichen Lebens, nur 70 Bürger aus ganz Deutschland eingeladen. Solche, die sich um das Gemeinwohl besonders verdient gemacht haben. Die Staatskanzleien aus den Bundesländern schlagen die Bürger dafür vor. Dieses Jahr waren es rund 350 Vorschläge. 70 wurden ausgewählt. Einer von ihnen: Siegfried Bradl. Damit wollen der Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt den Bürgern für ihr Engagement danken.

Siegfried Bradl engagiert sich leidenschaftlich, seit über 40 Jahren, für die Belange des Brauchtums, der bairischen Sprache sowie der Volksmusik und des Bayerischen Roten Kreuzes. Dafür also sollte ihm gedankt und er dafür geehrt werden. Also reiste der 57-Jährige und seine Frau in der ersten Januarwoche in die Hauptstadt. Sie sahen sich Berlin an - „das hat wirklich sehr schöne Ecken“. Dann ging es zum Schloss Bellevue, denn: Die Gäste durften sich mit den Räumen schon einen Tag vor dem eigentlichen Empfang vertraut machen. Gisela Bradl durfte zwar ihren Ehemann nicht zum Defilee selbst begleiten, dafür gab es aber für die Begleitungen laut Bradl ein „wunderbares“ Ersatzprogramm.

Für Siegfried Bradl aber ging es am Freitag zum Staatsempfang ins Schloss. Auf das „Defilee“, den Vorbeimarsch am Bundespräsidenten, war er schon in der Einladung vorbereitet worden. Darin wurde bereits der Ablauf beschrieben und Dinge, wie die Kleiderordnung abgeklärt. Die war für Bradl allerdings kein Thema: Er trat in der „Dachauer Tracht“ auf. Ein Hingucker, wie er bald feststellte, ein positiver, „die Tracht fand großen Anklang“, und dadurch kam er mit vielen Leuten ins Gespräch.

Doch zunächst hieß es: Das offizielle Programm hinter sich bringen. Etwa 300 Personen stellten sich in Reih und Glied auf, dann ging es Schritt für Schritt vom Erdgeschoss hinauf in den ersten Stock. Dort angekommen, musste jeder auf das passende Stichwort warten. Als der Protokollführer mit der Beschreibung Siegfried Bradls begann, wurde es ernst. Jemand gab ihm noch einen kleinen Stups, und los ging es zu Joachim Gauck und Daniela Schadt. Es wurden kurz die Hände geschüttelt, „Grüß Gott“ gesagt, und „gutes Neues Jahr“. Nur „ein paar Worte“, sagt Bradl. Allerdings hatte er eine kleine Überraschung vorbereitet: Er drückte dem Bundespräsidenten seine CD „Bloß füa Di - Musi & Gsang aus’m Altoland“ in die Hand. „Herr Gauck hat sich sehr gefreut“, erzählt Bradl. Dann startete das Blitzlichtgewitter - und schon hieß es: Der nächste, bitte.

Doch Bradl hatte großes Glück. Er war mit sieben anderen Gästen dazu auserwählt worden, das Mittagessen am Tisch von Daniela Schadt einnehmen zu dürfen. Eine große Ehre - offenbar ist das Präsidentenpaar begeistert von der echten Volksmusik. „Und damit ein großer Gewinn für die Brauchtum und Tradition“, so Bradl. Denn dort entwickelte sich „ein wunderbares Tischgespräch“, so Bradl. Alle acht Gäste berichteten, für was sie sich engagieren, und warum. „Das war eines der schönsten Erlebnisse, die ich je hatte“, sagt Bradl. „Man spürte das Herz, das bei allen mit dabei ist.“ Nicht die „Großkopferten“ waren da zusammen gekommen, so Bradl, sondern die Menschen, die die „wunderbare Basisarbeit von Mensch zu Mensch“ machen. Er fühlte sich unter seinesgleichen bestens aufgehoben. „Manchmal zweifelt man ja auch ein bisschen daran, was man tut“, erklärt Bradl. „Da ist es sehr schön zu sehen, daß es anderen genauso geht.“

Außerdem war Bradl beeindruckt von dem Empfang. „Das ist mehr als beeindruckend, wenn man sieht, wie sich Deutschland präsentiert.“ Das Essen etwa: Gekocht wird durch und durch typisch deutsch. Vorspeise: aufgeschäumter Schwarzwurzelrahm; Hauptspeise: Klops und Filet vom Kalb, rote und orange Bete und gebackener Kartoffelstampf; Nachspeise: Milchschnitte mit Kakao und Dörrfrüchten. Dazu Wein - selbstverständlich aus Franken und Baden. „Das war bisher das Spektakulärste, was ich je erlebt habe“, sagt Bradl. Und: „So etwas werde ich vermutlich auch niemals wieder erleben.“

(np)

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