Dauer-Problem Verkehr: Mit steigender Einwohnerzahl wächst auch die Zahl der Autos. Wie man den Verkehr dauerhaft in den Griff bekommen soll, e twa mit einer Umfahrung für Dachau, darüber wird seit langem diskutiert. Grafik: Landratsamt

Das bringt das neue Jahr für den Landkreis

Weniger Ringe, mehr Mitsprache

Die abgeschlossene Generalsanierung der erzbischöflichen Vinzenz-von-Paul-Realschule in Markt Indersdorf, die angespannte Personalsituation am Dachauer Helios-Amperklinikum und die geplante Fusion der Sparkasse Dachau sind nur drei der wichtigen Themen des vergangenen Jahres für den Landkreis Dachau. Und auch heuer stehen große Herausforderungen an. Die Heimatzeitung gibt einen Überblick.

MVV-Tarifstruktur-reform

Ein wichtiger Bestandteil des täglichen Lebens wird derzeit neu organisiert: Das Tarifsystem des MVV soll vereinfacht werden. Der Umbauprozess ist in vollem Gange. Bis April soll eine Entscheidung fallen, denn bereits im kommenden Dezember soll das neue Tarifsystem starten. Die Planungen haben natürlich auch Auswirkungen auf den Landkreis Dachau. „Wir wollen alle Hauptorte in einer Zone haben“, sagt Landrat Stefan Löwl. Denn dann wird es für viele Pendler aus Dachau günstiger: Fahrgäste, die beispielsweise in Dachau mit dem Bus zum Bahnhof gelangen und dann mit der S-Bahn weiterfahren, sollen von der Reform profitieren. Weil es innerhalb geschlossener Ortschaften keine Tarifsprünge mehr geben wird, müssen sie für den Bus nicht zusätzlich zahlen. „Die Hauptorte profitieren also.“ Derzeit gibt es 16 Ringe, vier Zonen und drei Räume. Zukünftig sollen es nur noch sieben Kreise sein. Bezahlt wird nach wie vor auf der Basis der Entfernung – wer weiter fährt, bezahlt mehr. Allerdings sollen die Preissprünge abgemildert werden. Bei Einzelfahrkarten beträgt der Preissprung dann nicht mehr wie bisher 2,80 Euro, sondern 1,40 Euro pro Zone. Im Gespräch ist zudem ein Fixpreis für den Innenstadtbereich. „Eventuell könnte Karlsfeld noch in der Flatrate sein“, verrät Löwl, der beim MVV die Gesellschafterrechte des Landkreises Dachau vertritt. Doch noch sei diese Flatrate nicht durch. „Es hängt am Geld!“ Und Löwl sieht – wie andere Landräte auch – nicht ein, dass die Hinterlandgemeinden die Flatrate für München bezahlen. Es muss also weiter verhandelt werden.

Wachstum

Ein weiteres wichtiges Thema wird auch 2018 das Wachstum des Landkreises Dachau sein. Denn dieses wirkt sich auf alle Planungen aus, beispielsweise auf den Nahverkehrsplan und den Wohnungsbau. Die 150 000-Einwohner-Marke hat der Landkreis bereits geknackt – die Prognosen gehen weiter nach oben. Der Verkehr wächst entsprechend mit. Der Kreistag hat im Juli 2015 beschlossen, ein Gesamtverkehrskonzept erstellen zu lassen. Bereits heuer sollen erste Maßnahmen umgesetzt werden. Zu den angedachten Verbesserungen gehört der Ausbau von Querverbindungen im Landkreis. Das erste Projekt istdabei die Verbindung per Expressbus von Füstenfeldbruck über Esting, Gada, die B 471 bis nach Dachau. „Das ist Nächstes Jahr entscheidungsreif“, erklärt Landrat Löwl. Doch die Umsetzung dauere: „Wenn es gut läuft, könnten wir es bis 2019/2020 schaffen.“

Eine weitere geplante Bus-Tangentiale ist die Verbindung Indersdorf, Schönbrunn, Haimhausen bis nach Lohhof. Eine Taktverdichtung bei der S-Bahn in Richtung Altomünster sei erst ab etwa 2022 möglich, wenn mehr Züge fahren können, zum Beispiel aufgrund der zweiten Stammstrecke oder einem Nordring, so Löwl.

Immer noch im Fokus der Verkehrsplanungen liegt Breitenau vor der Stadtgrenze Dachaus. Im Raum stehen weiterhin ein zusätzlicher S-Bahn-Haltepunkt und/oder Park-and-Ride-Plätze. So könnte Verkehr aus der Stadt Dachau gehalten werden. Eine ebenfalls bereits angedachte Nord-Ost-Umfahrung könnte dann über Breitenau gebaut werden (siehe Grafik). „Breitenau auf der grünen Wiese wäre für die Münchner S-Bahn ein Pilotprojekt“, meint Löwl, das sich wohl nur mit großen Partnern realisieren lasse. Ob Breitenau überhaupt als zusätzlicher S-Bahn-Stopp möglich wäre, könnte nach Ansichts Löwls noch in diesem Jahr geklärt werden.

In Sachen sozialer Wohnungsbau gehen die Zahlen bereits nach oben: „Wir wollen das Wohnungsangebot in den nächsten Jahren verdoppeln.“ Momentan gibt es in den Landkreisgemeinden rund 330 Sozialwohnungen, bis 2030 sollen es knapp 660 sein. Dazu kommen die Wohnungen in der Stadt Dachau.

Großprojekte

Etwa 400 Meter nord-westlich des Karlsfelder S-Bahnhofs entsteht ab 2018 das vierte Gymnasium im Landkreis Dachau. Auf einer Gesamtfläche von rund 25 000 Quadratmetern wird die fünfzügige Schule entstehen. Wenn nötig soll dort auch eine Sechszügigkeit möglich sein. Zudem wird ein bedarfsgerechtes Ganztagesangebot eingerichtet, und es soll eine Vierfachturnhalle errichtet werden. Die Landeshauptstadt beteiligt sich an dem Schulbau mit rund 30 Prozent, was in etwa dem späteren Anteil der Münchner Schüler entsprechen wird.

Das zweite Mammutprojekt ist die Generalsanierung oder der Neubau des Landratsamtes. Neubau oder Sanierung? „Das schätze ich bei 50:50 ein“, sagt Landrat Löwl. Grundsätzlich sei eine Generalsanierung am alten Standort möglich, derzeit werden dort verschiedene Konstellationen durchgespielt. Bei Alternativflächen spiele meistens der Zeitfaktor eine große Rolle: „Wir können keine zehn Jahre mehr warten“, so Löwl. Das war auch das K.o.-Kriterium für das MD-Gelände als neuer Sitz des Landratsamtes.

Neue Gremien

Im Landkreis Dachau gibt es demnächst zahlreiche neue Gremien, darunter die Ombudsstelle und der Klinikbeirat, die der Kreistag Ende des Jahres beschlossen hatte (wir berichteten). Der Beirat, der aus Vertretern der Klinikleitung, des Betriebsrats, Fachleuten und Mitgliedern des Kreistags bestehen soll, soll unter anderem bei Problemlösungen helfen. Die Ombudsstelle ist für Einzelbeschwerden von Patienten, Angehörigen und Mitarbeitern zuständig. Noch im Januar sollen erste Gespräche mit den Klinikvertretern geführt werden.

Außerdem soll 2019 der Jugendkreistag starten. Damit das möglich wird, sollen 2018 die Schulen kontaktiert und in die Planungen involviert werden. Erstmalig treffen soll sich im Februar/März auch der Asyl- und Integrationsbeirat des Landkreises. Dieser soll Ideen besprechen, Ziele und Konzepte entwickeln und sich in allen Fragen und Belangen zur Integration von Menschen mit Migrationshintergrund einbringen.

Trotz der vielen positiven Projekte gibt es auch einen Punkt, der Landrat Löwl zunehmend Sorge bereitet: Bei vielen Themen werde der Landkreis kontaktiert und um Hilfe gebeten, habe aber faktisch keine Zuständigkeit. Das gelte beispielsweise für den Wohnungsbau, den Klimaschutz, die Integration oder die Bildung. „Da können wir nur koordinieren, aber nichts entscheiden.“ Dennoch gebe es von Seiten der Bürger oder auch von Mandatsträgern eine Erwartungshaltung gegenüber dem Landkreis, die er nicht erfüllen könne, weil er einfach nicht zuständig sei, so Löwl. Von Conny Kirmaier

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